Mittwoch, 30. Dezember 2009

Durch das traditionsfrohe Blumengärtlein hupfen



  
Hin und wieder erwische ich mich dabei, daß ich fast ein wenig neidisch bin ... neidisch auf jene Blogozesanen, die immer wieder Neues aus dem neokreativen Liturgiestadl zu berichten wissen. Da mischt sich dann ein (vielleicht nicht ganz frommer) Schauder mit Abscheu, aber irgendwie sind all die Reporte über den jüngsten eucharistischen Ringelpiez mit Anfassen so wie die Bildzeitung: Im Sich-Entsetzen fühlt man die eigene Position bestärkt. Was übrigens keineswegs anrüchig ist.

In den römisch-außerordentlichen Messen, in denen ich überwiegend an der Orgel sitze, halten sich liturgische Entgleisungen doch sehr in Grenzen. Und wenn mir der Sinn nach der reformierten Messform steht, weiß ich, wo ich hingehen kann, ohne daß es mir den Magen umdreht.

Wenn ich denn an den "alten Messen" etwas bemängeln wollte, dann noch am ehesten die ein oder andere Allerweltspredigt, die allzuoft frisch, froh und sehr freizügig durch das traditionsfrohe Blumengärtlein hupft ... auf der Basis eines Zitates aus der Tagesliturgie ein paar Worte über Maria allgemein und über Fatima besonders, über den lieben Heiland in der Hostie und den allmächtigen Gott im Himmel, hier ein Zitat aus dem Goldenen Buch des hl. Ludwig Maria, da ein Hinweis auf die Nachfolge Christi, eine Prise Demut, ein kleines Wort über die Heilige Kirche und vielleicht noch was über die Treue zum Heiligen Vater, für den wir alle beten sollen. Stimmt alles, passt alles und eigentlich immer, vom ersten Advent bis zum Ende des Kirchenjahres.

Daß ein Text der Liturgie, das Evangelium, die Lesung (oder auch die Eigentexte) in der Tiefe ausgelotet werden, dies erlebe ich (meines Dafürhaltens: leider) viel zu selten. Dabei gibt es hierfür aus den guten Zeiten der Liturgischen Bewegung einige bis heute interessante Handreichungen, etwa von Pius Parsch oder Ämiliana Löhr. Oder von Romano Guardini, wenngleich in diesem Fall nicht nach Sonntagen vorsortiert.

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Da muß ich sagen, daß ich in Münster echt Hochliturgie mit hervorragenden Predigten genossen habe. Leider ist ausgerechnet der beste Prediger viel zu früh verstorben.

"Reform" finde ich übrigens einen irreführenden Begriff für etwas, das so vorher noch nie da war.

Vox Coelestis hat gesagt…

Stimmt, der Begriff einer "Re-form" ist gewiß irreführend. Danke für die genaue Beobachtung!