Samstag, 25. Dezember 2010

Findling ... aus der Christnacht: Krippe und Kreuz



Ist es also doch nichts mit der "Herrlichkeit", 
die wir nach Johannes,
nach den Propheten, nach der heiligen Liturgie
an Weihnachten und Epiphanie schauen sollen?
Was ist das für eine Herrlichkeit?
Eine Höhle auf dem Felde, eine Krippe,
ein kleines schreiendes Kind, ein paar arme Leute:
Maria, Joseph, die Hirten!
Das ist doch wahrhaft menschlich genug!

Und trotzdem sagt Johannes, der untrügliche Evangelist:
"Der Logos wurde Fleisch,
und wir schauten seine Herrlichkeit!"

Wir müssen also offenbar unser Denken umstellen!
Bei Herrlichkeit sehen wir Glanz, Pracht, Majestät, 
Lichterfülle vor uns, oder wir denken an die 
unendliche Entrücktheit des göttlichen Lichtes der Ewigkeit,
das wir uns im Grunde aber auch in menschlichen Maßstäben
und in irdischen Farben ausmalen als etwas unendlich 
Großartiges, Machtvolles, Geheimnisdunkles,
als tiefste Weisheit und Wissenschaft.

Gottes Herrlichkeit ist aber etwas ganz Anderes,
unendlich Tieferes und Feineres, alle
Macht und Weisheit Überragendes.
Paulus hat uns darüber belehrt, indem er den Korinthern, 
welche die Herrlichkeit der Weisheit und Gnosis suchten, schrieb:
"Der Logos vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit,
denen aber, die gerettet werden, uns, ist er 
eine Macht Gottes ..."

Auch Paulus redet Weisheit, aber
"nicht die Weisheit dieses Aions noch der Fürsten dieses
Aions, die zugrunde gehen. Sondern wir reden Gottes
Mysterienweisheit, die verborgene, die Gott 
vor den Aionen zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt
hat; die keiner der Fürsten dieses Aions erkannt hat.
Denn wenn sie sie erkannt hätten, dann hätten sie nicht
den Kyrios der Herrlichkeit gekreuzigt.

(Odo Casel OSB)

O tidings of comfort and joy




Ein gesegnetes,
gnadenreiches und 
friedvolles Weihnachtsfest
2010!

Das Licht 
dieser Nacht
strahle in unsere und
die Herzen aller Menschen:
O tidings of comfort and Joy!



... mein Lieblings-Carol,
im äolischen Ton und mit einem
genialen  descant in der Finalstrophe:

God rest ye merry, gentlemen, 
Let nothing you dismay, 
For Jesus Christ our Saviour 
Was born upon this day, 
To save us all from Satan's power 
When we were gone astray: 
O tidings of comfort and joy, 
Comfort and joy, 
O tidings of comfort and joy. 

From God our heavenly Father 
A blessed angel came, 
And unto certain shepherds 
Brought tidings of the same, 
How that in Bethlehem was born 
The Son of God by name: 
O tidings of comfort and joy, 
Comfort and joy, 
O tidings of comfort and joy. 

The shepherds at those tidings 
Rejoiced much in mind, 
And left their flocks a-feeding 
In tempest, storm and wind, 
And went to Bethlehem straightway, 
This blessed Babe to find: 
O tidings of comfort and joy, 
Comfort and joy, 
O tidings of comfort and joy. 

But when to Bethlehem they came, 
Whereat this Infant lay, 
They found Him in a manger, 
Where oxen feed on hay; 
His mother Mary kneeling, 
Unto the Lord did pray: 
O tidings of comfort and joy, 
Comfort and joy, 
O tidings of comfort and joy. 

Now to the Lord sing praises, 
All you within this place, 
And with true love and brotherhood 
Each other now embrace; 
This holy tide of Christmas 
All others doth deface: 
O tidings of comfort and joy, 
Comfort and joy, 
O tidings of comfort and joy.

Freitag, 24. Dezember 2010

Nein, hier noch keine Weihnachtswünsche ...

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... sondern nur eine - angesichts der sich aufladenden Festtagsstimmung - tumb-politische Randbemerkung, die ich mir dennoch nicht verkneifen kann. Unser bunter Bundeswulff Herr Bundespräsident hatte mit seinem Gedanken, die allfällige Weihnachtsansprache nebenbei zum Bürgertreff auszubauen, eine, und jetzt kein Spott, sympathische Idee. Interessant scheint in diesem Kontext auch die von DRadio Kultur verbreitete Beobachtung, "die Kleinsten" hätten auf die Sterne am Bellevue'schen Christbaum ihre Wünsche schreiben dürfen: So etwa, daß sie gerne mehr Zeit mit ihren Eltern verbringen würden.
Mal sehen, wer im nächsten Jahr wieder lautstark den Ausbau von Krippenplätzen zur allzeitigen Rundumablage fordern wird, statt eine Politik ins Werk zu setzen, die Familien wirklich stärkt und stützt.


PS: Ich habe nichts gegen Krippen. Aber eines sollte klar sein - selbst die in Bethlehem war nur eine Notlösung übelster Sorte.

Montag, 20. Dezember 2010

"Dogmas" ... und andere Adventssplitter

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Mannomann, jetzt kratzt der Advent schon wieder die Schlußkurve. Nun ja, wird auch Zeit, immerhin feiert der Einzelhandel bereits seit einem gefühlten halben Jahr Weihnachten oder alternativ X-mas. Ach ja, X-mas ... was feiern die da eigentlich? Den drittletzten Buchstaben? Ein Alphabetisierungsprojekt? So sesamstraßenmäßig vom A-Team über das B-Movie zur C-Klasse und so fort? Also irgendwie bin ich dann doch dankbar, wenn sich mein nächstliegender Supermarkt zu christlichen Inhalten bekennt und meinereiner zwischen Kühltheke und Klorollen mit O come, all ye faithful beschallert, wenngleich vokal vollschleim-abgesoftet und mit Werbung durchsetzt ... meine Weihnachtsbestellung kann ich also joyful and triumphant [Dudel aus] "blablabla an unserer Fleisch- und Wursttheke aufgeben. Edeka. Wir lieben Lebensmittel" [Dudel an] O come let us adore him ... Wäre ich König Nummer vier, dann könnte ich jetzt anbetend und vorbestellt Sauberbraten zur Krippe schleppen. Oder Paprikalyoner. Aber die Krippe ist noch leer, wie diese Aufnahme aus dem Hauptbahnhof beweist:



Die Bahnhofsmission stellt jedes Jahr diese Krippe auf. Manchmal kann man Menschen sehen, die tatsächlich eine Weile still davor verweilen. Noch ehe jedenfalls an Heiligabend das Jesuskind die Krippe vervollständigt, ahne ich bereits, daß der Einzelhandel schon keine Weihnachtssüßigkeiten mehr bevorratet und die Reste bald rabattiert abverkauft. Bei Lidl hier um drei Ecken ist das Angebot schon jetzt merklich ausgedünnt. Und eine Linzertorte hat mir, aber das nur nebenbei, bislang auch niemand vermacht. Schade, aber es gibt offenkundig schlimmere Einsichten. Zum Beispiel die hier:


Die Weisheit schmückt die Bude eines Christbaumverkäufers in Basel, abends bin ich heute dran vorbeimarschiert. Gott sei Dank, daß die Welt nicht an falscher Pluralbildung zugrunde gehen kann! Der Christbaumverkäufer sah im Dunkeln übrigens so aus, wie ich mir Bhagwan im Dunkeln vorstelle. Würde ich dem einen Weihnachtsbaum abkaufen wollen? Vielleicht hätte ich ihn fragen sollen, ob er nicht Lust hätte, gemeinsam mit mir das kapitalistische Dogma von Gegenleistung gegen Geld talentetauschbörsenmäßig aufzubrechen: Du gibst mir einen Weihnachtsbaum und ich verbessere Deine Sprachkompetenz? Aber es gibt Alternativen:



Zum Beispiel diese Vollplastik mit eingebautem Schneegestöber, fertig dekoriert. Unterhalb der Spitze wirft ein Gebläse ein echtes Kunstschneesurrogat aus, das nach und nach über die Zweige kullert und unten von einem umgedrehten Schirm abgefangen wird! Wer das nun zu kitschig findet, für den gibt es auch ganz undogmatische und schneebefreite Varianten:


Weihnachten kann kommen! Eine schöne vierte Adventswoche!

Dienstag, 14. Dezember 2010

Was vom Weihnachtsmann

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Der Weihnachtsmann mit Rauschebart und rotem Wams gehört auf manchem Blog hier rundrum nicht gerade zu den Lieblingen der Adventszeit, aber wenn er filmisch so anrührend daherkommt wie in Das Wunder von Manhatten (Miracle of 34th street, Trailer hier), dann muß man auch diese Version von Santa Claus irgendwie mögen. Immerhin erfährt man in der Fassung von 1994 während einer Gerichtsverhandlung (die feststellen soll, ob sich bei dem netten alten Mr Kringle um einen Geisteskranken oder um den Weihnachtsmann handelt), daß Papst Paul VI. den Festtag des heiligen Nikolaus zu einem nicht gebotenen Gedenktag heruntergestuft hat (was die Anklage gegen die generelle Existenz des Weihnachtsmannes ins Feld führt) ... So kompetent werden liturgische Fragen in Hollywood selten behandelt. Ich meinesteils mag den Film, nachdem ich heute Abend die zweite Hälfte gesehen habe. Es gab in dem Streifen einen schönen Satz, er lautete sinngemäß:
Und wenn sie nicht in der Lage sind, etwas im Glauben anzunehmen, dann sind sie dazu verurteilt, ein Leben in Zweifeln zu führen.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Meinungsforschung

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Ich lege einen gewissen Wert darauf, daß dieser Blog auch optisch anspricht. Bilder sind dabei ein wichtiges Mittel. In letzer Zeit habe ich sie zunehmend größer gezogen, bis nun - wie beim vorherigen posting der rechte Rahmen bündig mit dem header schließt. Zumindest Bilder im Hochformat wirken hierdurch besonders mächtig - oder schon zu mächtig? Wie auch immer: Eure Meinung ist gefragt, bis zum kommenden Freitag findet Ihr links oben eine Umfrage zum Thema. Man kann auch gerne Kommentare mit alternativen Vorschlägen und Anregungen hinterlassen. Danke für die Teilnahme!

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Anfang einer neuen Schöpfung





Die "Dame", die der heiligen Bernadette, der Seherin von Lourdes, 1858 erschien, offenbarte sich bei der drittletzten Begegnung am 25. März in der Grotte von Massabielle als die Unbefleckte Empfängnis: Que soy era Immaculada Councepciou. Sie offenbarte sich dabei nicht in feinem Französisch, sagte nicht Je suis l'Immaculée Conception. Bernadette verstand sie im Dialekt ihrer Heimat, bäuerlich, rustikal, alltäglich. Irgendwie finde ich das bezeichnend für dieses Fest, bei dem man sich schon einmal die Frage stellen kann, was diese "Unbefleckte Empfängnis" mit unserem Alltag zu tun haben könnte. Zumal es dabei, entgegen landläufiger Meinung, nicht um Sex geht.


Was sagt uns das Fest? Da gibt es einmal eine Welt, von der Paulus schreibt, sie liege in Seufzen und Wehen (Röm 8, 22): Unsere Welt, diese Zusammenballung von Schönheit und Schande, Güte und Grauen, Gnade und Gnadenlosigkeit. Unsere Welt, deren ursprüngliche Schöpfungsharmonie seit dem Sündenfall von vielfachen Mißtönen gestört wird - ein Äon, aus dem Gleichgewicht, aus den Fugen geraten. Die "Sprache" dieser Welt ist letztlich keine schöne Sprache - sie ist rustikal, vom Alltag bestimmt und geprägt von der täglich neuen Herausforderung, irgendwo in der Unverlässlichkeit Halt zu finden. In diese zwischen Himmel und Hölle wankende Welt senkt Gott nun einen Neuanfang: Que soy era Immaculada Councepciou - die Morgenröte des Heiles. 


Beginnt die Menschwerdung Gottes, beginnt die erste konkrete Entfaltung des Reiches Gottes wirklich erst mit der Verkündigung durch den Engel? Beginnt sie nicht bereits mit dem Mysterium des heutigen Tages, indem Gott einen Raum schafft, um Mensch zu werden? Wenn Gott Maria einen solch gewaltigen Gnadenvorzug und Gnadenvollzug gewährt, muß da nicht mehr dahinter stecken als reine Vorbereitung im Sinne irgendeiner Funktion? Que soy era Immaculada Councepciou - der Anfang einer neuen Schöpfung.
Ruhmvolles sagt man von dir, Maria; denn Großes hat an Dir getan der Mächtige! (Communio-Antiphon)
    

Dienstag, 7. Dezember 2010

Transitus Domini

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"Verschiebt auf morgen dieses Schluchzen, das euch erstickt, wenn ihr das heutige Unglück seht. Dieses Schluchzen, das euch aufsteigt und euch würgt. Verschiebt auf morgen diese Tränen, die euch die Augen füllen und den Kopf. Die euch überschwemmen. Die euch niederfallen. Diese Tränen, die euch rinnen. Denn zwischen heute und morgen mag sein,
daß ich, Gott, euch vielleicht vorüberging" (Charles Péguy).

Montag, 6. Dezember 2010

In Sachen Fortes fide



Er weiß: Seine engsten Freunde haben die Situation noch immer nicht erfasst und schlafen. Er weiß: Einer seiner Jünger hat ihn schon verraten. Er weiß: Ein anderer wird Ihn bald verleugnen. Er weiß: Sie werden davonlaufen. Er weiß: Ihnen hat er sein Erbe anvertraut.
Die Bitterkeit dieser Nacht rührt vielleicht nicht nur daher, weil Er auch weiß, was in den nächsten Stunden auf Ihn zukommt. Sie hat vielleicht auch ihren Grund im fortgesetzten Verrat an Seiner Botschaft - Verrat in Gedanken, in Worten, in Werken, im Unterlassen, fortgesetzt von Gethsemane bis heute, bis jetzt und über das Heute hinaus.


Ich habe gerne auf seinem Blog vorbeigeschaut, ich habe mich gefreut, wenn er bei mir Kommentare hinterlassen hat. Und gewiß war er - ein Priester zumal - auch bei anderen Mitgliedern der Blogozese angesehen und beliebt. Nun ist von kinderpornographischem Material die Rede, das auf seinem Rechner sichergestellt worden sei. Er habe entsprechende Vorwürfe seinem Bischof gegenüber bereits eingeräumt. Wenn das stimmt, so ist das ein harter Schlag. Auch wenn es sich "nur" um "Material" und nicht um realen Mißbrauch handelt. Auch wenn es sich womöglich - selbst das Grauen solchen Materials kennt Abstufungen - um Dateien wenig gewaltsamer Natur handeln sollte. Ein solcher Vorwurf lässt sich nicht verharmlosen, nicht schönreden, nicht relativieren. 


Trotzdem gilt, dies nur nebenbei, nach wie vor die Unschuldsvermutung: In dubio pro reo - im Zweifelsfall für den Angeklagten. Und ein über eine Tageszeitung kolportiertes "Geständnis" taugt ebenso wenig zur abschließenden Bewertung der Sachlage wie der Umstand, daß Ermittlungsbehörden den Rechner des Betroffenen auswerten.


Aber nehmen wir an, die Mutmaßungen werden durch Fakten untermauert. Was sollen wir tun? Uns angewidert abwenden? Den Gefallenen, sinnbildlich gesprochen, aus der Stadt jagen? Nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen? Ein paar Gebete sprechen und den Kopf einziehen? Ist es nicht so, daß wir uns allzu gerne verkrümeln und das Weite suchen, örtlich, geistlich, intellektuell, wenn wir es mit Menschen zu tun haben, denen - ob zu Recht oder Unrecht - etwas Schändliches anhaftet? Etwas, was den Kreis gesellschaftlich korrekter Anständigkeit sprengt oder zu sprengen scheint? Aber: Dürfen wir den Angeklagten, den Verfemten, den Sünder jetzt einfach sich selbst überlassen und so, des Problems durch Ausblenden des Betroffenen entledigt, zum Alltag übergehen? Sind wir der Mahnung, den Sünder zu lieben, dann enthoben, wenn die Sünde nur hassenswert genug ist?


Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wenngleich und - Gott sei Dank - bedingt durch einen ganz anders gelagerten Ereignishorizont, wie es ist, wenn sich plötzlich fast alle von einem abwenden. Wenn man von einem Tag auf den anderen seine Arbeit verliert und mithin die gesamte Existenzgrundlage, schon schuldig gesprochen, noch ehe man sich recht verteidigen konnte. Wenn man geschnitten wird, gemieden, wenn Freundschaften gekündigt werden selbst von denen, die es eigentlich besser hätten wissen müssen. Wenn sich das ganze große Blabla von Versöhnung, Toleranz, Gerechtigkeit, Zivilcourage als Phrasengedresch denunziert. Vielleicht kommt irgendwann die Zeit, zu der ich dies hier oder auf einem neuen Blog erzählen werde. Hier will ich es nur andeuten. Warum?


Weil ich, ja, ich will es ruhig so "pathetisch" sagen, Mitleid empfinde mit unserem Exblogger, der sich womöglich jetzt in einer Situation befindet, in der man - selbst wenn die Anschuldigungen zutreffen - auch Worten des Zuspruchs bedarf. Nicht Worten der Verharmlosung, wo womöglich nichts verharmlost werden kann und darf, aber Worten, die besagen, daß sich niemand mit dem Scherbenhaufen eines Lebensentwurfs alleingelassen fühlen muß ... daß eine Hand ausgestreckt bleibt. Und wenn er will, kann er mir gerne schreiben, eine Kontaktmöglichkeit findet sich im Profil.


Wir haben wahrscheinlich alle Seiten, bei denen wir dankbar sind, daß sie anderen verborgen bleiben - den oder gar die Stachel im Fleisch, worüber bereits der heilige Paulus klagt (2 Kor 12, 7). Es muß nicht der große Skandal sein. Jede Sünde ist nicht nur eine Beleidigung Gottes, sondern ein Vergehen gegen die civitas Dei, die Bürgerschaft Gottes, und hat damit auch eine soziale Komponente. In der Tat, der "Teufel schleicht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen könne. Ihm widersteht standhaft im Glauben" (1 Petrus 5, 8 sq) ... ihm widerstehen ... solches steht hier als Aufforderung, nicht als Fakt. Wie oft scheitern wir selbst? 


Wie oft verraten wir den Herrn? Wie oft verleugnen wir Ihn? Wie oft laufen wir davon? Wie oft lassen wir Ihn allein? Und wie steht es nun mit den Worten, die wir gestern noch so warmherzig in der Lesung hörten ... "Daher nehme jeder von euch sich des anderen an, wie auch Christus sich euer angenommen hat" (Röm 15, 7)?

Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr! (Joh 8, 9-11).
      

Sonntag, 5. Dezember 2010

Splitter zum zweiten Advent



> ein letzter Satz ... 
"Der Gott der Hoffnung 
erfülle euch mit jeglicher Freude
und mit Frieden durch den Glauben,
damit ihr überströmt 
von Hoffnung 
und von der Kraft des Heiligen Geistes" 
(aus der Tageslesung, Röm 15, 13).


> ein Gesang ... 
"Jerusalem, stehe auf
und stelle dich auf hohe Warte
und schaue die Freude,
die dir von Deinem Gott kommt"
(Communio-Antiphon).


> eine Strophe ...
"Sion hört die Wächter singen,
das Herz tut ihr vor Freude springen,
sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig,
ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron,
Herr Jesu, Gottes Sohn!
Hosianna!
Wir folgen all zum Freudensaal
und halten mit das Abendmahl"
(Philipp Nicolai).



Samstag, 4. Dezember 2010

Türkeiwerbung in der Votivkirche

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Wenn ich an die zerstörten oder geschändeten Kirchen und Klöster im türkischen Teil Zyperns denke (Bilder hier oder hier), an die "Freiheit" der Christen in der Türkei oder an das ebenso leidige wie langwährende Hickhack um die Pauluskirche in Tarsus, dann habe - und leider nicht nur deswegen -  ich so meine Probleme mit der türkisch-muslimischen Landnahme in Europa. Da hilft auch kein "Chor der Zivilisationen", in dem neben Muslimen auch Juden und Christen gleichberechtigt (!) mitsingen dürfen und den die Türkei hin und wieder gerne auf Tour schickt. Und garnicht hilft es, wenn der Chor in der Wiener Votivkirche auftritt, während im hinteren Teil des Kirchenraums Stehtische aufgebaut sind und die Kamera über ein Joghurt-Angebot im Tetrapack schweift. 




Gütigerweise betont ein Vertreter der türkischen Kulturgemeinde Österreichs, daß man mit dem Christentum (im Gastland) kein Problem habe und diese Religion respektiere. Auf dieses statement mag sich jeder seinen eigenen Reim machen. Nicht minder ärgerlich ist jedenfalls die eindeutige Profanierung eines heiligen Raumes mit dieser Veranstaltung. Sowas dürfte überdies sicher auch bei den teilnehmenden Muslimen ... Eindruck hinterlassen haben.

Sonntag, 28. November 2010

Nur einige Bilder vom Tag ...

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Eigentlich wollte ich heute noch einige Gedanken zum ersten Advent hier unterbringen, aber nachdem ich auf der Rückfahrt von Basel zweimal aus dem Zug gesprungen bin und die Zeit darob fortgeschritten ist, verschiebe ich das vielleicht auf die nächsten Tage. Also gibts jetzt nur ein paar Bilder ...



Zum einen das hier aus der Kirche St. Leodegar in Bad Bellingen. Leider konnte ich in diesem Gotteshaus nur bis zur Mitte des Kirchenschiffs vordringen, da ich die Warnung vor der Alarmanlage vorsichtshalber ernst genommen hatte. Man beachte den halogenbestrahlbaren Tresen, den Adventskranz mit vorgebautem Mikrophon, das liebevoll hindrappierte Busch-und-Strauch-Grünzeug und das Stühlegerümpel dahinter neben dem Hochaltar. Eigentlich wäre das ja eine schöne Dorfkirche ...

Ansonsten hat der Winter die Region seit einigen Tagen gut um Griff, wie die folgenden frostig-floralen Eindrücke aus dem Kurpark von Bad Krozingen belegen:




Samstag, 27. November 2010

Gottes Segen zum neuen Kirchenjahr!




Nachdem P. Martin Ramm FSSP den Gläubigen bereits am vergangenen Sonntag predigenderweise eingebläut hatte, daß das Kirchenjahr für den Christenmenschen einen viel höheren Wert habe als der Lauf des bürgerlichen Kalenders, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern hier am Vorabend des ersten Advents ein gesegnetes neues (Kirchen-) Jahr! Und eine gnadenvolle und schöne Adventszeit!

Ich habe vorher noch eine ganze Weile überlegt, wie ich diesen Eintrag illustrieren könnte ... Feuerwerk? Irgendwie banal, außerdem habe ich dazu nichts in meiner Bildersammlung ... Blumen? Ja, schon schön, aber vor dem ersten Advent irgendwie deplaziert ... einen süßen Vogel hätte ich auch im Angebot gehabt, aber der sitzt leider hinter Gittern, auch nicht eben die Wucht für einen Gruß ... jetzt eilt mir der Bär des heiligen Gallus zu Hilfe:

Für alles Gute, was wir in diesem Heilsjahr planen und sinnen, möge der Herr uns Bärenkräfte schenken! Und Er wolle einen Bären zur Abschreckung vorbeischicken, wenn wir drauf und dran sind, mal wieder Mist zu bauen! Und Er möge uns außerdem keinen Bären aufbinden. Amen.

Freitag, 26. November 2010

Heiliger Konrad von Konstanz


Sankt Konrad
Fenster in der Kirche St. Bonifatius, Emmendingen

Robbies Reich feiert heute einen Diözesanpatron: Den heiligen Bischof Konrad von Konstanz. Er führt uns zurück an das Ende des ersten Jahrtausends und war eine wichtige Persönlichkeit der ottonischen Reichskirche. In seiner Bischofsstadt verwirklichte er mehrere Kichenbauprojekte, die sich an heiligen Städten zu Rom und Jerusalem orientierten. Er war gelehrt und fromm. Die Legende berichtet, daß während des österlichen Pontifikalamtes nach der Konsekration eine giftige Spinne in seinen Kelch fiel. Aus Ehrfurcht vor dem kostbaren Blut trank Konrad sie mit. Es habe weder ihm noch der Spinne geschadet - das Tierchen krabbelte später aus seinem Mund wieder in die Freiheit ...


Sancte Conrade - ora pro nobis!

Donnerstag, 25. November 2010

ADS in den Medien ...!?!

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Mit halbem Ohr habe ich heute früh ein Interview auf DRadio Kultur mitbekommen. Thematisiert wurde ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom bei ... ja nicht bei Kinder und Jugendlichen, sondern bei den Medien. Anstelle des Beispieles, es würden zu Diskussionen über wirtschaftliche Themen mangels kompetenter Wirtschaftjournalisten vor allem den Wirtschaftsverbänden nahe Experten eingeladen, zu diesem Beispiel also würde mir ein weitaus zutreffenderes Exemplum für das Aufmerksamkeits-Defizit großer Teile der Journaille einfallen ... bei Elsa fand sich jüngst die hierzu passende Illustration.

Mittwoch, 24. November 2010

Problem in der Kanonübersetzung

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Fortes Fide schüttete gerade sein Herz aus und kam dabei auf einige Übersetzungsfragen im Römischen Kanon zu sprechen. "Deine Gemeinde" für familiae tuae wurde bereits in den Kommentaren geklärt, die Konsekrationspoesie "für alle" betrifft bekanntlich sämtliche Hochgebete. 


Es gibt spezifisch im Römischen Kanon eine weitere Problemstelle: Das aktuelle Meßbuch paraphrasiert in der Commemoratio pro vivis (Gedächtnis der Lebenden) die Wendung pro spe salutis et incolumitatis suae mit "für ihre Hoffnung auf das unverlierbare Heil". In der Übertragung des alten Schott wird das vorangehend genannte "Opfer des Lobes" (sacrificium laudis) dargebracht, damit die "Hoffnung auf Heil und Wohlfahrt gesichert werde". "Wohlfahrt" überzeugt mich als Übersetzung auch nicht ganz, da dies - zumindest für heutige Ohren - eher nach sozialer Sicherheit klingt, wo es doch um weit Höheres geht. Im klassischen Latein bedeutet der Begriff incolumitas "Unversehrtheit" oder "Erhaltung". Damit kommt man dem Sinn auch am nähesten. 


Gegen die aktuelle Übersetzung ist rein grammatikalisch einzuwenden, daß sich incolumitatis nicht als Adjektiv auf salutis beziehen kann (dann müßte pro spe salutis incolumis im Original stehen), sondern vordergründig als ein zweiter Genitivus obiectivus die Aussage weiterentwickelt: die Hoffnung richtet sich auf das Heil und auf die Unversehrtheit jener Zeitgenossen, für die das Opfer des Lobes dargebracht wird. 


Nun weiß man, daß der Redaktion des Kanon-Textes an einem fließenden Metrum gelegen war. Und bei poetisch orientierter Rede galt in der Antike häufig die Maxime vom Wohlklang, der im Zweifelsfall vor Richtigkeit den Vorrang habe. Mithin läßt sich mutmaßen, daß sich die Unversehrtheit zwar nicht streng grammatikalisch, aber zumindest sinngemäß auf das Heil beziehen könnte. Eine verantwortbare Übersetzung müßte dann von der "Hoffnung auf das unversehrte Heil" sprechen. Da überdies mit incolumitas weit mehr als soziale Sicherheit gemeint sein dürfte, mag diese Paraphrase den eigentlich Sinn sogar treffen. Einer entsprechenden Korrektur bedient sich auch ein mir bekannter Priester bei der Zelebration. 


Eine "Hoffnung auf das unverlierbare Heil" kennt der Römische Kanon jedenfalls nicht. Die Übersetzung ist ebenso falsch wie doppeldeutig und es würde mich nicht wundern, wenn sie einem fortschrittlichen Heilsoptimisten absichtsvoll aus der Feder geflossen ist: Wir kommen ja alle irgendwie sowieso in den Himmel. Zwischenfrage: Warum soll man dann noch hoffen? 


Das Gedächtnis der Lebenden ist das Gedächtnis derer, die in statu viatoris leben, die sich noch auf Pilgerschaft durch das Erdenleben befinden. Hier besteht tatsächlich die Gefahr, daß dieses Heil versehrt werde. Allein hier ergibt Hoffnung einen Sinn - die Hoffnung, daß dieses Heil, dessen Samen der Mensch bereits in sich trägt, wachse und nicht versehrt werde: Hoffnung auf das unversehrte Heil eben. Unverlierbar? Es kann im Stand der Pilgerschaft, der auch der Stand der Hoffnung ist, durchaus verloren werden. Unverlierbar wird es erst in der Vollendung; doch dann spielt die Hoffnung keine Rolle mehr. 

Montag, 22. November 2010

Pong! Rodelinda - Oper von Händel.

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Annuntiator bricht gerade die Wagner-Front auf und präsentiert Händels Oper Guistino. Am Cäcilientag könnte man mit Händels passender Ode zum Fest einen würdigen Kontrapunkt setzen, aber ich entscheide mich für ein anderes Stück, welches für mich zu den schönsten Perlen des Händel'schen Oeuvre zählt: Die Arie Ombre, piante, urne funeste, in welcher Rodelinda am Denkmal ihres tot geglaubten Gatten Bertarido ihrer Klage freien Lauf läßt - ein wundervolles Lamento!


Das Halleluja nach dem Evangelium ...

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... gibts nun auch in der außerordentlichen Form des römischen Ritus. Zumindest quasi. Zumindest in außerordentlichen Fällen. Gestern etwa in Basel, St. Anton. Nach nicht unüblichem Herkommen wird dort nach dem Evangelium ein deutsches Lied gesungen, in der Regel eines um die Gabe(n) des Heiligen Geistes. Bei der Auswahl weiche ich die Regel auf, wenn ein anderer Gesang als Antwort auf das Evangelium besonders taugt. Und zum Evangelium des letzen Sonntages im Kirchenjahr (Mt 24, 15-35) passt die letzte Strophe des Liedes "Gelobt seist Du, Herr Jesus Christ" (GL 560) ganz prima:
O sei uns nah mit Deinem Licht, mit Deiner reichen Gnade, und wenn Du kommst zu dem Gericht, Christ, in Dein Reich uns lade. Christkönig, Halleluja, Halleluja!

Samstag, 20. November 2010

Heiligkeit gibts wohl nur noch beim Dalai Lama ...



Bei all den offiziösen Berichten, Ankündigungen und Kommentaren, die mir - meist eher en passant - seit der freudigen Nachricht gestern zu Ohren gekommen sind, ist mir eines aufgefallen: Selbst im kirchlichen Bereich ist viel von Benedikt XVI., vom Papst oder auch vom Pontifex die Rede. Die Wendung "Seine Heiligkeit" kommt mithin garnicht vor und selbst vom "Heiligen Vater" wird kaum gesprochen (was immerhin dem ex-autonomen Ex-Außenminister Joschka Fischer noch vor einigen Jahren über die Lippen kam). Offensichtlich ist der Titel "Seine Heiligkeit" zwischenzeitlich nur noch für den Dalai Lama vorgesehen.


Umso mehr also meinerseits: Willkommen, Eure Heiligkeit, in der Heimat! Und natürlich freue ich mich ganz besonders, daß der Heilige Vater hierbei auch meine Heimatstadt besuchen wird!

Freitag, 19. November 2010

Elisabethanische Impression ...

  

... heute am Wegesrand im Glottertal.

Hohe, gnädige, wundertätige heilige Elisabeth ...


Sankt Elisabeth - Basel, Kirche St. Joseph

Hohe, gnädige, wundertätige heilige Elisabeth!
Wir hienieden sind ohn' Frieden, hör auf unser Bittgebet!
Wohnst so prächtig, thronst so mächtig
droben überm Sternenzelt.
Möchten gehen, dich zu sehen;
Mutter, hilf uns durch die Welt!

Ähnlich milde deinem Bilde gib uns allen als Geschmeid
die Juwelen deiner Seele: Liebe und Barmherzigkeit.
Sie zu tragen ohne Zagen,
gib uns, Mutter, bis zum Tod!
Siegeskronen, Himmelswonnen
gibt uns dann der güt'ge Gott.

(Wilhelm Fladt)

Donnerstag, 18. November 2010

Nochmals CDU und PID


Neulich in der Grüntonne auf dem Friedhof gesichtet:
Orange, die Farbe der "C"DU

Zum Glück habe ich kein Parteibuch in der Schublade. Also auch keines von der CDU. Sonst müßte ich spätestens jetzt aus diesem Verein austreten - nach dem Schmierenstück, das gerade in Karlsruhe aufgeführt wurde. Ja, ich weiß um die Stimmen jener, die mich jetzt mahnen wollen, die Ergebnisse seien doch so schlecht nicht ... Frau Merkel habe das Christliche hervorgehoben, sei auf Konfrontation zu Rot und Grün gegangen, habe das Konservative betont usw. usf. blabla. Überdies sei die PID vom Tisch, zumindest parteiintern.

Ich unterstelle mal dreist: Die PID ist Frau Merkel eigentlich scheißegal. Ihre Gegnerschaft war, nachdem in letzter Zeit die halbverschreckten Konservativen herumgemuckt hatten, vor allem taktisch bedingt. Da kam ein wohlfeiles Gelegenheitsthema gerade recht. Auch der Rest ist meines Ermessens reine Einlullungsrhetorik, deren Peinlichkeit nur noch von Einlullungseinverständnis der Einzulullenden übertroffen wurde: rhythmischer Beifall allenthalben. Wie es um die "C"DU wirklich steht, zeigt freilich das knappe Ergebnis der PID-Abstimmung. Bei einer "christlichen" Partei erwarte ich Ergebnisse von höherer Klarheit  und keine fifty-fifty-Pokerrunde. Andere freuten sich:
„Nach dem CDU-Parteitag bin ich sehr zuversichtlich, dass wir für unsere Position einer eng begrenzten Zulassung der PID eine Mehrheit im Bundestag bekommen“, sagte die SPD-Politikerin Carola Reimann der Frankfurter Rundschau. Die Gesundheitsexpertin hatte mit einer klareren Mehrheit auf dem Parteitag für ein PID-Verbot gerechnet ... (Frankfurter Rundschau, 17.11.2010).
Bezeichnend war das Hauptargument der PID-Befürworter. Bei DRadio Kultur war dies jüngst morgens Ursula Heinen MdB, abends dann Peter Hinze MdB irgendwo in der Glotze: Ehe es unter Umständen zu einer Abtreibung käme, sei es doch besser, im Reagenzglas gezeugte und mit Gendefekten behaftete Embryonen (wohlgemerkt: es handelt sich um Menschen) vorher auszusortieren. Abtreibung wird hierbei stillschweigend als stinknormale Verfahrensalternative vorausgesetzt! Hier kann nicht einmal mehr die Rede davon sein, dass der Teufel mit Beelzebub ausgetrieben werden solle. Hier wird der Teufel mit Beelzebub geradezu bestätigt. Und eine knappe Mehrheit der Delegierten in Karlsruhe mochte dieser Logik folgen ...

Mittwoch, 10. November 2010

Rumgewagnert: Ping zum Annutiator





... und gleich noch eine Runde Richard, alldieweil Annutiator höchst schätzenswerter Weise auf die neue Leitkulturreihe (Rumgewagnert ... oder Beste Musik unter besonderer Berücksichtigung der Werke Wagners) sofort gepongt hat - mit dem Einzug der Gäste zu Fest und Sängerkrieg auf der Wartburg (Tannhäuser, 2. Akt). Nun schicke ich meinerseits ein Ping zurück, gleiches Stück, gleiche Szene. 


Die Optik ist hier wunderschön altbacken aufgebrezelt, wie man es von der Metropolitan erwarten darf, denn die Bilanzen des New Yorker Hauses hängen nicht an einem Subventionstropf, der jeden noch so großen Mist finanziert, sondern sind auf Gedeih und Verderb der Geberlaune des Publikums ausgeliefert. Und die Sponsoren mögen Regietheaterflatulenz eher weniger. Musikalisch überzeugen mich beide Versionen - die von Annutiator und die hier präsentierte - nicht restlos; beide könnten etwas zackiger dirigiert werden, da fehlt ein wenig der Schmiss.


Kurz noch was zum Inhalt: Bekanntermaßen ist Tannhäuser dem Venusberg entfleucht und wurde im Wald von einigen Exkumpels aufgegabelt. Die nehmen ihn gleich mit zu einer Fete auf die Wartburg - Landgraf Hermann veranstaltet ein Fest mit Supertalent-Casting ("Sängerkrieg"). Natürlich müssen die Gäste erst mal standesgemäß eintreffen. An des Landgrafen Seite: Elisabeth, dessen Tochter. 




Rumgewagnert: Reichsparteitag



In der Blogozöse kommt viel zu viel 80er/90er-Rock und Pop und Ping und Pong und viel zu wenig gute Musik vor. Zum Beispiel Musik von Richard Wagner. Zur Hebung der Leitkultur gibts ab sofort in lockeren Abständen aus Meisters Mache manch wundersam Wagner'sches Werk. 


Fangen wir mit dem Finale des ersten Lohengrin-Aktes an. Wenn selbst im Zusammenhang mit Fußballspielen die Rede vom "inneren Reichsparteitag" wieder in Mode kommt, so gilt das hier erst recht ... na ja, eigentlich ist das nicht nur ein innerer, sondern der totale Reichsparteitag: "Heil deiner Art, Heil deiner Fahrt, Heil deinem Kommen, Heil dir, Heil mir, Heil uns, Heil" allenthalben. Adressat der Heilsturbulenz ist Lohengrin, welcher kurz zuvor der unschuldigen Elsa (von Brabant, nicht vom Nacht(b)revier) beim Gottesgericht aus der Patsche geholfen hatte, indem er für Elsas Ehre gegen Telramund siegreich zum Kampfe schritt. Telramunds Gattin, die Heidentrulla Ortud, hatte zuvor unterstellt, Elsa habe ihren kleinen Bruder gekillt. Wie gesagt: Lohengrin besiegt Telramund, Elsa freut sich ihrer erwiesenen Unschuld und des blendend aussehend rettenden Ritters, Ortud schwankt zwischen Groll, Gift, Galle, Gram und Migräne, der Rest wünscht lautstark Heil. Viel Spaß ...



Montag, 8. November 2010

Ich bin eine Wasserleiche ...



Bei fortes-fide fand ich diesen verlockenden Verweis ... und jetzt habe ich den Salat. Das Zwote hat mit nur zehn Fragen festgestellt, daß ich sozusagen Ludwig II. bin ... die homoerotische Wasserleiche mit mutmaßlichem Dachschaden. Was soll ich davon nun halten? Ich kann nur raten, bei diesem Test nicht allzu sehr auf Architektur und Wagner-Opern abzufahren! 

Vor allem bei der Frage nach dem Marschgepäck für die einsame Insel hätte ich mich doch eher, nahe genug dran war ich ja dran, für eine Waffe (zum Beispiel gerne die hier) anstelle eines IPods samt Wagner-Opern entscheiden sollen. Wie heißt es doch schon beim Meister höchstselbst (Parsifal, 3. Akt): "Nur eine Waffe taugt" ...



Samstag, 6. November 2010

Wer keinen Ritus hat, der ...

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... hat auch beim Basteln von Ritualen kein glückliches Händchen. Diesen Eindruck hatte ich nach dem Besuch der Allerseelenmesse in meiner Pfarrkirche am vergangenen Dienstag. Im Wortgottesdienst ließen die Verantwortlichen ihrer Kreativität freien Lauf. Leider.


Doch vorweg: Die Anlage zielte vor allem darauf, die Angehörigen der Verstorbenen zu trösten; die Gemeinde hatte zu dem Gottesdienst die Familien, die im vergangenen Jahr einen Menschen verloren hatten, eigens angeschrieben und eingeladen. Erst einmal eine schöne Sache, zumal die Trauernden zu trösten ein Werk der Barmherzigkeit ist. Nur - der Allerseelentag weist, wie die gesamte klassische liturgia defunctorum, über den Trostaspekt hinaus: Wir beten nicht nur, nicht einmal in zweiter Linie, für uns selbst, wir beten vor allem für die Verstorbenen. Und es ist ein falscher, weil irreführender Trost, die Menschen nicht in der Hoffnung, sondern in der Gewißheit zu bestärken, daß sämtliche Verstorbenen ohnehin von Gott bereits aufgenommen seien.


Das Ritual. Nach Einzug und Lied, in dem passenderweise bereits das Kyrie geparkt war (GL 523), erfolgte nach einer kurzen Eröffnung das Totengedenken. Zwei Lektoren verlasen die Namen, in Vierergruppen zusammengefasst. Zu jeder Gruppe nahm sich ein Ministrant eine Kerze, entzündete dieselbe am Osterlicht und stellte sie auf ein über die Chorstufen drappiertes violettes Tuch. Weil es nun der Namen viele waren, wurde die Angelegenheit etwas unruhig, zumal die Ministranten offenbar nur kurzfristig informiert worden waren, was sie zu tun hätten. Entsprechend holprig startete die Aktion. Vor allem ein Lektor schielte dann regelmäßig vom Ambo zu den Ministranten herüber, ob die denn schon fertig wären. Auch wurden die Namen zeitweise zu schnell heruntergelesen. Wenn man schon solche Rituale entwirft, dann sollte man sie auch ernst nehmen und ernsthaft praktizieren (und am besten in einer der Messe vorgelagerten Andacht).


Die Predigt war, der Betröstungsabsicht entsprechenden, sehr homozentrisch angelegt. Der Gottesname aus dem brennenden Dornbusch bedeutete natürlich einmal mehr, daß Gott für die Menschen "da" ist. Gott scheint nicht mehr das absolute, in sich selbst ruhende Esse zu sein, sondern ist vor allem Gott, weil er für uns da ist?!? Daß man überdies den letzten Artikel des großen Glaubensbekenntnisses et exspecto ressurectionem mortuorum et vitam venturi saeculi mit "Wir erwarten (im Sinne von "drauf pochten"!!!) die Auferstehung von den Toten und das Leben der kommenden Welt" übersetzen könne, deucht mich etwas befremdlich. Nach Auskunft des Wörterbuches kann man exspecto ja mit allerhand übersetzen, aber sicher nicht mit genau-das-wollen-wir-von-dir-haben-basta. Da entböte sich noch eher eine "kritische" Variante: "Und mit Blick auf die Auferstehung von den Toten und das Leben der kommenden Welt warten wir mal ab".


Ansonsten business as usual: Eine Halleluja-Akklamation, die kaum einer kannte und deren Nummer der Organist auch nicht anzeigen wollte. Wahrscheinlich diente es auch pädagogischen Zwecken, daß der Ruf nach dem Evangelium wiederholt wurde. Dann weiter mit GL 296, 469, 482 und 473 plus zweites Hochgebet. Missa typica ...

Mittwoch, 3. November 2010

Gedanken vom Allerseelentag



Unter diesem Kreuz in meiner Pfarrkirche bin ich gestern eine Weile gesessen - vor der Allerseelen-Messe, bei der besonders der Verstorbenen des sich neigenden Jahres gedacht wurde, zu denen auch mein Vater zählt (diese Meßfeier wäre freilich ein Thema für sich, vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen noch etwas darüber). Innerhalb von fünf Jahren habe ich nun alle Menschen verloren, die mich mit ihrer Liebe seit meiner Geburt besonders begleitet hatten. Nachdem mein Vater im Juni gestorben war, schien zudem das letzte irdische Band zu dem, was Herkommen, Wurzelgrund, irgendwie Heimat genannt werden könnte, durchtrennt. 


Heute also saß ich unter diesem Kreuz, dessen corpus dem Vorbild der Wechselburger Kreuzigungsgruppe nachempfunden ist. Und plötzlich war mir, als sei dieses irdische Band, von dem ich eben sprach, doch nicht ganz durchschnitten, als habe ein Faden trotz Tod und Trauer, trotz Verlust und Hinweg-genommen-sein überdauert. Auf dieses Kreuz blickte bereits meine Oma, mein Vater, meine Mutter. Oma und Vater wurden unter diesem Kreuz auch zur Taufe getragen, empfingen unter diesem Kreuz zum ersten Mal die heilige Kommunion. Sie blickten auf diesen Gekreuzigten, und dieser Gekreuzigte blickte auf sie. Und heute saß ich unter diesem Kreuz und schaute hinauf ...


Wie das Kreuz von Golgatha eine Art Brennpunkt des großen Erlösungsdramas ist, so schien mir dieses Kreuz meiner Pfarrkirche, dieses Abbild, dieser Spiegel, dieser "Blickpunkt" heute zu einem Brennpunkt meiner kleinen Welt zu werden - und zu einer Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ich glaube die Menschen, die ich vermisse, im Blick des Gekreuzigten aufgehoben. Und ich glaube mich selbst darin aufgehoben - und alles und alle vereint im Bild der Liebe Gottes, im Blick des Gekreuzigten auf uns Menschen.


Ich empfehle meinen Vater, meine Mutter, meine Oma heute erneut eurem Gebet. Und ich bete für eure Verstorbenen, für jene, von denen ich nichts weiß, wie für jene, von denen ich weiß ... etwa den Vater von Johannes oder "Mylady" von Eugenie.


+ 2010


+ 2006


+ 2005

Requiescant in pace!