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Mittwoch, 27. Juli 2011

Kirchenmöbel aus Schweden?

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Lieber Pfarrer,
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wir in Schweden bei Idea wissen, daß sich auch in Deutschland viele Menschen unsere praktischen Möbel kaufen. Weil sie schick aussehen und das Zusammenbauen Spaß macht. Damit sich bald auch die Besucher deiner Kirche wie zu Hause fühlen können, deswegen haben wir von Idea nun auch Möbel für deine Kirche. Die sind stabil, fleckabweisend und leicht zu reinigen. Und wenn du sie nicht mehr brauchst, kannst du sie für was anderes verwenden. Denn wir haben unsere Kirchenmöbel so gemacht, daß sie nicht wie Kirchenmöbel aussehen. Gut, was? Hier haben wir für dich unseren Volxaltar "Folks":
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Daneben siehst du übrigens den Hocker "Sedisk", damit die Leute sitzen können, wenn du redest. "Folks" und "Sedisk" passen in jede Kirche. Schau mal da:
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Links siehst du außerdem das passende Lesepult "Ambosk". Da kannst du dich hinstellen, wenn du reden willst. Zum Beispiel am Anfang der Messe. Oder mittendrin. Oder am Schluß. Eines mußt du dir jetzt nur noch merken:  Diese Produkte kannst du leider nicht online bzw. über Idea Homeshopping kaufen. Überprüfe ob es in deinem Idea Einrichtungshaus verfügbar ist. Die Preise können in den Idea Einrichtungshäusern variieren.
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Glaubst du noch
oder konzilst du schon?
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(Bilder aus St. Stephan, Freiburg-Munzingen)

Montag, 18. Juli 2011

S.k.k.H. Otto von Habsburg

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Karl V. - Glasfenster im Chorumgang des Freiburger Münsters
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Die Echtalt-Uraltachtundsechziger hatten mitunter gute Ideen. So beschlossen die Freiburger 1368 zum Beispiel den Anschluß an Österreich - eine weise Entscheidung, die etwa 1457 zur Gründung der Universität durch die Habsburger führte. Im Lauf der Zeit wurde Freiburg mithin nicht nur geistiges und kulturelles Zentrum im sogenannten Vorderösterreich, sondern 1651 auch dessen Hauptstadt; schelmische Zungen nannten dieses Vorderösterreich freilich die "Schwanzfeder des Kaiseradlers". Dieser wiederum zeigt bis heute Präsenz, so am Rathausgiebel und, gleich mehrfach, im Münster, und hat damit sowohl das Badische Großherzogtum (ab 1805) und alle anderen Herrschaftskonstrukte überlebt, die dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bislang folgten.
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Also habe ich mich am Samstag zum Requiem für S.k.k.H. Otto von Habsburg vor die Glotze gesetzt. Das einzige, was mir unter den Habitualien dieser Feier gefallen hat, war nebst der Grußbotschaft von Benedikt XVI. und dem schwarzen Ornat von Kardinal Schönborn die Kaiserhymne. Ansonsten lief diese Totenmesse auf jene Semikanonisierung mit Halleluja und Großer Gott, wir loben dich hinaus, die für die liturgiereformierte Totenliturgie typisch zu sein scheint, musikalisch dekoriert durch Michael Haydns Requiem-Vertonung und optisch durch einen Kleriker-Pulk vor dem Hochaltar. Kein schönes Bild. Die nach Introitus, Kyrie und liturgischer Eröffnung eingeschobene Schwallbegrüßung aller hohen Herrschaften und Politgrößen machte die Sache keineswegs besser - in der Messe gibt es meinethalben Brüder und Schwestern, der Rest gehört in einen Staatsakt. Doch zurück zur Kaiserhymne, die nach (!) der Messe erklang, leider nur mit einer Strophe und mit politkorrekt einführenden Worten des Herrn Kardinals ...
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Gott erhalte, Gott beschütze
Unsern Kaiser, unser Land!
Mächtig durch des Glaubens Stütze, 
Führt er uns mit weiser Hand! 
Laßt uns seiner Väter Krone 
Schirmen wider jeden Feind!
Innig bleibt mit Habsburgs Throne 
Österreichs Geschick vereint!
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Angesichts unserer grün-roten Landesregierung mit einem Ex-Kommunisten und ZdK-Funktionär an der Spitze und der Merkel-"C"DU in Berlin an der Macht wünschte ich mir, Freiburg wäre noch immer bei Vorderösterreich und mit Habsburgs Throne vereint. Vielleicht wäre Europa dann auch mehr als nur noch eine Euro-Krisenzone ...

Freitag, 20. Mai 2011

Auch hier: Frust in der Gegenwart


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Der Umstand, wie schnell der Heilige Stuhl mit ein paar Sätzen zur außerordentlichen Form des römischen Ritus den deutsch-katholischen Hühnerstall aufzuscheuchen versteht, ist an und für sich schon bemerkenswert. Zur Illustration: Elsa hat diesen aufregenden Artikel des Fachorgans für den gepflegten Konzilsgeist Christ in der Gegenwart erspäht und stellenweise amüsant glossiert. Zu einigen Passagen möchte auch ich mein Scherflein beitragen. Na dann, was lesen wir denn unter anderem ...?
Das neue Dokument mit dem Titel Universae Ecclesiae bezieht sich auf das (...) Schreiben Summorum Pontificum. Dieses sogenannte Motu proprio hatte den einstigen Ritus wieder allgemein erlaubt und als besondere Gestalt neu empfohlen - neben der ordentlichen Form, die aus der liturgischen Erneuerung des letzten Konzils hervorgegangen ist (vgl. CIG Nr. 29/2007, S. 235). Der jetzige Text betont nach heftigen Debatten unter Theologen wie im Kirchenvolk über den päpstlichen Erlass von 2007 nochmals, dass es in der Kirche keinen Widerspruch geben dürfe zwischen verschiedenen Ausgaben des römischen Messbuchs, also zwischen der früheren und der heutigen. 
"Debatten ... im Kirchenvolk" ... ist das jetzt wieder infam, nur dumm oder war erneut der Wunsch Vater des Gedankens? Es fällt einmal mehr auf, wie unverblümt sich die üblich verdächtigen Reformgeister mit Verweis auf das "Kirchenvolk" zu legitimieren trachten. Ein alter Hut, fürwahr, seit der deutsche Katholik vom ZdK vertreten wird, das als "Besser-Wisser" weiß, was der deutsche Katholik wollen soll und damit will. Mal unter uns: Hat seinerzeit irgendjemand irgendetwas von nennenswerten SP-Debatten im Kirchenvolk mitbekommen? Von "heftigen" Debatten? Also außerhalb eines Wisiki-Stuhlkreises oder bei ausgewählten Kirchenvolksbewegungsmeldern, bei denen die Alarmglocken schrillten? Am Rande - die Kirchenvolksbewegten sollten sich ihre "inklusive" Namens-Sprachregelung bitte endlich abgewöhnen. Ich gehöre auch zum Kirchenvolk, aber nicht zu diesem Stamm und verbitte mir jeden Vertretungsanspruch dieser Seite. Welcher echte Katholik will schon einer Gruppierung angehören, die immer noch dem Konzilsgeistzombie folgt?


Doch genug nun vom selbsternannten Kirchenvolk und dessen selbstdeklarierten Vertretern. Was lesen wir noch so in Christ in der Gegenwart? Der Autor enttarnt anhand der Ausführungsbestimmungen die römische Kommission Ecclesia Dei als verkappte Neue-Messe-Nichtmöger:

(...) Dann folgt ein Satz, der zeigt, wie gering die reguläre, erneuerte Liturgie von den Verfassern dieses Textes eingeschätzt wird: Durch die Möglichkeit zur tridentinischen Liturgie „soll den Gläubigen die Teilnahme erleichtert und eine würdigere (!; d. Red.) Feier der heiligen Messe gewährleistet werden". Das aber heißt faktisch nichts anderes, als dass die gemäß der Liturgiereform gefeierte Eucharistie von dem Gremium der Verfasser offenkundig als weniger würdig betrachtet wird.

Kurzschluß-Alarm! Oder einfach mal Lesen lernen, liebe Christen in der Gegenwart. Die Kommission sagt nicht, daß eine würdigere Version der heiligen Messe gewährleistet werden soll, sondern eine würdigere Feier. Und "das aber heißt faktisch" vor allem, daß man in Rom nur allzu gut um die liderliche Praxis weiß, wie die Heilige Messe in unseren Breiten - und nicht nur hier - allzu oft "gefeiert" wird - in einer Zeit, in der man sich beim Kirchgang keineswegs sicher sein kann, einer "gemäß der Liturgiereform gefeierte Eucharistie" beizuwohnen. Was man da mitunter erleben kann, könnte in Sachen "Feiern" ein Witz sein, wenn es nicht schon so nahe an der Blasphemie vorbeischrammen würde - von der die "Feier" auslegenden "Verkündigung" mancher Priester ganz zu schweigen.

Danach kommt das bereits von Elsa hoch goutierte Wort von der "Freizügigkeit im restaurativen Sinn", welche "die Rückkehr zu früheren Formen" gestatte. Komisch, sonst kann der Ruf nach mehr Freiheit in der Kirche nicht grenzenlos genug sein. 
Eindrücklich werden von der Vatikanbehörde die Diözesanbischöfe ermahnt, dass sie über das gottesdienstliche Leben wachen müssen und dass sie dabei „stets der Gesinnung (mens) des Papstes folgen" sollen, so wie sie Benedikt XVI. mit seinem Erlass zur tridentinischen Liturgie kundgetan hat. Der neue Text bestätigt somit in der Bestimmtheit und Eindringlichkeit seiner Formulierungen offen auch die liturgischen Vorlieben von Papst Benedikt XVI., wie es schon lange vermutet worden war.
Und da die Christen in der Gegenwart gerne mit Faktizitäten (siehe oben) argumentieren, heißt das - denn so lebt es Benedikt XVI. der Kirche vor - "faktisch nichts anderes", als daß die Liturgie in jedweder Form würdig gefeiert werden solle. Genau genommen zeigt Benedikt XVI., wie die ordentliche Form gefeiert werden soll. Oder haben die Christen in der Gegenwart den Heiligen Vater bei der Feier der außerordentlichen Form ertappt, wie er es noch als Kardinal getan hatte? Sicher nicht, und Benedikt XVI. wird sich hüten müssen, die alte Messe zu zelebrieren, um als Diener der Einheit diesen Spaltpilzen nicht jenen letzten ultimativen Vorwand zu liefern, das Konzil zu ihrem Zweck gegen die Kirche und den rechten Glauben auszuspielen.

Besonders interessant und theologiepolitisch brisant sind längere Abschnitte, die erklären, mit welcher hohen und verbindlichen Autorität die vatikanische Kommission auf diesem gottesdienstlichen Feld zu sprechen und zu entscheiden gedenkt. So wird klar festgehalten, dass im Fall von Konflikten, wenn also Bischöfe die tridentinischen Wünsche von Gläubigen abschlagen sollten, die römische Behörde die Sache an sich zieht und Beschlüsse fasst. 
Hier ist die Faktizität durchaus Vater des Gedankens. Angesichts des Verhaltens einer Vielzahl (nicht aller!) Bischöfe zu Fragen, Anliegen und Bitten rund um die "alte Messe" (und das betrifft übrigens auch die Sorge um eine würdige Feier des ordentlichen Ritus) liegt mir der Satz auf der Zunge, daß, wenn schon der Bock zum Gärtner gemacht wird, man zumindest einen Jäger in Rufweite haben sollte.
Auch an weiteren Stellen beansprucht die vom Papst mit den betreffenden Angelegenheiten beauftragte Vatikanbehörde immer wieder eine Eigen-Hirtengewalt über die Bischöfe (...) Erstaunlich ist, dass bisher von keinem Bischof der Welt irgendein Wort zu diesem eigenartigen „Entzug" der ureigenen bischöflich-apostolischen Vollmacht durch eine kuriale Verwaltungsbehörde zu hören war. Das ist theologisch gravierend und rüttelt am Fundament der katholischen Kirchenverfassung. 
Das Rütteln "am Fundament der katholischen Kirchenverfassung" klingt vordergründig wie eine Realsatire. Wer rüttelt denn dauernd am Fundament, auf dem die Kirche insgesamt, nicht nur in ihrer Verfasstheit, erbaut ist (zur "kirchenfundamentalen" Erinnerung: Tu es Petrus ...)? Die Kommission hingegen rüttelt nur leicht (wenn überhaupt) am "Fundament der katholischen Kirchenverfassung". Sie rüttelt aber heftig an jener These, die sich die Reformschnullis als "katholische Kirchenverfassung" zurecht legen - und das ist nichts anderes als eine konzilsgeistwabernde Interpretation der (nur im Ungefähren verbleibenden und nicht eindeutig geklärten) Lehre der Kollegialität der Bischöfe. Denn ist es nicht so, daß für die Christen in der Gegenwart zumindest solange der Bischof eine Art Mini-Papst seiner "Ortskirche" sein soll, wie man diesen Gedanken für die eigenen Ziele instrumentalisieren kann (solange der Bischof jedenfalls nicht Meissner oder Mixa heißt) ...?
Aus der deutschen Bischofskonferenz verlautete bisher nur: „Der Ständige Rat wird die Instruktion auf seiner nächsten Sitzung im Juni beraten. Nach einer ersten Durchsicht ist davon auszugehen, dass die von der deutschen Bischofskonferenz auf der Herbst-Vollversammlung 2007 verabschiedeten ‚Leitlinien für die deutschen Diözesen' nur geringfügig geändert werden müssen. In Deutschland wird an 128 Orten in unregelmäßigen Abständen die Liturgie im außerordentlichen Ritus gefeiert ...
Und nicht wenige deutsche Bischöfe tragen Sorge dafür, daß es möglichst nicht mehr als 128 Orte werden und die Feiern mal mehr, mal weniger regelmäßig oder auch mäßig unregelmäßig (wie in Zollitsch City, wo die Feier der außerordentlichen Form nur sonntäglich und nur im Abstand von zwei Wochen möglich ist) gestattet werden. Hoffentlich bleibt der Jäger in Rufweite ...
... Dabei handelt es sich nicht um Gemeinden. Im Vergleich dazu: In Deutschland gibt es über 11300 Pfarrgemeinden."
Und täglich werden es weniger ...
Der Erfurter Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann bedauert, dass in dem jüngsten vatikanischen Dokument die „Kritik aus der Bischofskonferenz und von Theologen keinerlei Berücksichtigung gefunden" hat. Es bestehe die Gefahr, dass Spannungen zwischen reformorientierten und traditionsorientierten Gläubigen weiter verschärft würden.
Wozu Christ in der Gegenwart-Artikel und andere Reformationspostillen samt der Horde aufgeklärter Theologen natürlich nie und nimmer beitragen ...
Bereits bei der freizügigen Wiederzulassung der tridentinischen Liturgie vor vier Jahren kam heftiger Unmut aus der Mitte des Gottesvolkes - und das keineswegs nur aus dem deutschsprachigen Raum, sondern sehr stark aus Frankreich, wo die traditionalistischen Lefebvre-Leute und andere solcherart gesinnte Kreise den Bischöfen den Dienst an der Einheit besonders schwermachen. Massive Intrigen, Denunziationen, Beschwerden gegen Ortsbischöfe und Pfarrer an den zuständigen Bischöfen vorbei Richtung Rom gehören angeblich weiter zur Tagesordnung, wie man immer wieder aus Ortskirchen und von dortigen Leitungsverantwortlichen vernehmen kann.
Schon mal drüber nachgedacht, warum sich "traditionsorientierte" Gläubige lieber gleich an Rom wenden, anstatt sich vom Ortsbischof mal wieder vertrösten, vereimern oder verarschen zu lassen? Schon mal überlegt, daß die "Ortskirche" mit ihren "Ortsbischöfen" und den örtlichen "Leitungsverantwortlichen" sicher nicht die unbefangenste Instanz ist, wenn es um teilweise eklatante liturgische und pastorale Mißbräuche in den eigenen Mauern geht - in der "Ortkirche", unter den Augen des "Ortsbischofs" und der "Leitungsverantwortlichen"? Und ist es nicht herrlich, daß "traditionsorientierte" Gläubige offenbar einen so heißen Draht zum Vatikan haben, daß "massive Intrigen" gedeihen können? Die Christen in der Gegenwart glauben offenbar alles ... solange es nicht im Credo steht!?! Einen Abschnitt sollte man sich noch auf der Zunge zergehen lassen, ehe man davon Sodbrennen bekommt:
Die einseitig Traditionsorientierten finden im Vatikan anscheinend leichter offenes Gehör als die Bitten der großen Mehrheit der kirchlich treuen, religiös engagierten und reformerisch aufgeschlossenen Katholiken aus der Mitte des Gottesvolks. Das beweist auch die Stagnation auf dem Gebiet vieler seit Jahrzehnten diskutierter Reformthemen und Vorschläge. Daher wohl scheint sich auch das Interesse der Gläubigen an einer neuen innerkirchlichen Dialoginitiative, wie sie zum Beispiel für Deutschland angeregt worden ist, bisher sehr in Grenzen zu halten. Vielerorts sitzt die Resignation tief, was sich nicht immer in Kirchenaustritten, wohl aber sehr häufig in massiv zunehmender Distanz zum Glaubensleben äußert. Neun von zehn Getauften sind religiös kaum noch oder gar nicht mehr in den Pfarrgemeinden präsent - eine Kirchenspaltung neuen Typs, auf die es bisher keine überzeugende Antwort gibt.
Seit über vierzig Jahren richten diese Typen die katholische Kirche in Deutschland zugrunde. Und schreiben dann noch so einen Scheiß. Nach vierzig Jahren mit Reformgedöns, Konzilsgeist, der Würzburger Synode und der Königsteiner Erklärung, nach Memoranden und Papieren, nach vierzig Jahren intensivsten Kirche-Umkrempelns schreiben diese Pappnasen, daß neun von zehn Getauften "kaum noch oder gar nicht mehr in den Pfarrgemeinden präsent" sind, nachdem wenige Zeilen zuvor noch von der "großen Mehrheit der kirchlich treuen, religiös engagierten und reformerisch aufgeschlossenen Katholiken aus der Mitte des Gottesvolks" die Rede war (allzuviele können das trotz des rhetorisch aufgebotenen Brimboriums dann ja wohl nicht sein) - und schuld dran sind offenbar jene, die die "alte Messe" mögen. An 128 Orten in Deutschland. Unregelmäßig.

Christ in der Gegenwart landet jetzt endgültig auf meiner Abschußliste. Die haben einen an der Waffel.

Dienstag, 29. März 2011

Ein nachkonziliarer Kirchenbau ...















Bei manchen nachkonzilaren Kirchenbauten wundert es mich nicht, daß - vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren - so gerne "das Volk Gottes auf dem Weg" beschworen wurde. Die Turnhallenkirchen und Cafeteriakapellen sind allzu oft zum Davonlaufen. Aber es gibt Gegenbeispiele, und alldieweil Stanislaus gerade Nachkriegsgotteshäuser aufgetan hat, rücke ich ein Nachkonzilsgotteshaus auf diese Seite, welches ich gelungen finde. St. Gallus in Merzhausen, einer Gemeinde vor den Toren von Zollitsch City, wurde die alte Dorfkirche zu klein. Eine erste gute Idee bestand schon einmal darin, das historische Gebäude aus dem 18. Jahrhundert nicht irgendwie in Richtung Gegenwart zu erweitern, sondern eine neue Kirche daneben zu errichten. Entstanden ist von 1976 bis 1978 eine Kirche in Zeltform (wie gesagt, auf dem Weg und so ...) mit klarer Orientierung auf den von einem romanisierenden Triumphkreuz überragten Volksaltar. Das tabernaculum landete zeittypisch an der Seite, immerhin ist die Tabernakelstele auffällig genug und erinnert entfernt an die Sakramentshäuschen, wie sie etwa in der Gotik üblich waren. Auf vier großen Glasfeldern wird detailreich die Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Zweiten Vatikanum (nun gut, auch irgendwie zeittypisch) mit Ausblick auf Kommendes illustriert. Insgesamt ist ein Raum entstanden, der seine sakrale Bedeutung keineswegs verleugnet und der zur Feier der Liturgie wie zum privaten Gebet einlädt. 















Sonntag, 6. März 2011

Mit der Säge zum Altar

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Nehmen wir einmal an, ich würde ein antikes Möbel erben, gut erhalten, über viele Generationen gepflegt, irgendwas aus der Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts, geschwungen, geschnörkelt, schön anzusehen, wenngleich etwas unpraktisch und nicht recht ergonomisch. Und nehmen wir an, ich würde das Erbstück mit einer Säge (und deutlichen Eingriffen in die Struktur) den Erfordernissen der Gegenwart anpassen. Und zuletzt das Möbel bei den Antiquitätenspezis von Kunst und Krempel vorführen, auf daß diese aus allen Wolken fielen, wie ich mich so an einem Original vergreifen könne, von der Wertminderung ganz zu schweigen ...

Pfarrkirche St. Martin, Hochdorf im Breisgau
(für größere Ansicht bitte auf das Bild klicken)
Leider dürfte es nicht nur in Robbies Reich zeitweilig Mode gewesen sein, barocke Hochaltäre gemäß Konzilsgeist zu massakrieren, indem man ihnen einfach die mensa abgesägt und diese zum Volksaltar umdeklariert hat. Das mag man immer noch besser finden, als den Altar vollständig aus der Kirche zu räumen, aber nach heutigem Empfinden ist das Auseinandersägen von Altären des Barock und Rokoko (im Vergleich zu manchen Arbeiten des 19. Jahrhunderts allemal Einzelstücke) eine Kulturbarbarei allererster Sahne. Und dieses Empfinden hätte man auch schon hegen können, als man zur Säge griff, wäre nicht der Blick durch die Konzilsgeisteuphorie einmal mehr reichhaltigst getrübt gewesen. 
Der barocke Hochaltar ist übrigens nicht nur Feier-, Kultort und Opferstätte, sondern, kulturhistorisch betrachtet, auch Bühne (und es wäre, aber das nur nebenbei, gewiß einmal interessant, die tridentinischen Rubriken zu Körperhaltungen und Bewegungsabläufen des Zelebranten mit den mimisch-gestischen codes der barocken Opera Seria in vergleichenden Bezug zu setzen). Bei den zersägten Ensembles wurde das gesamte Altar-Konzept mit seinen kultischen und theatralischen Implikationen über den Haufen geworfen: Die nun vorgezogene mensa hebt den Hochaltar als dramaturgischen Ort und - gerade auch durch die (Zer-)Störung der Dramaturgie - als Gesamtkunstwerk auf. Übrig bleibt eine billige und orientierungsverwirrte Tresenlösung samt Kulisse: die Staffage mit eingebautem Allerheiligstem, von dem sich der Zelebrant abkehrt ...

Samstag, 4. September 2010

G'schlampertes mit G'schmäckle

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„In Europa ist es eher kein sozialer Aufstieg, wenn man in einen Orden eintritt" ... plauderte Guardian Pater Helmuth einem Journalisten der Presse in die Feder. Für mich hat der Satz ein G'schmäckle. Klingt da nicht die Unterstellung mit, daß in der zweiten und dritten Welt Klostereintritte vor allem sozial bedingt sein könnten? Motto: Paras mihi mensam * spectantibus adversariis meis (und der Hunger kann ein großer Feind des Menschen sein ...).


Das im-Hause-des-Herrn-für-alle-Zeit-wohnen-dürfen dürfte für Pater Helmuth allemal ein G'schmäckle haben, schließlich ist Ried das vierte Kapuzinerkloster, in welches es den Geistlichen verschlagen hat und das nun aufgehoben wird. Schon wieder Umziehen ...


Apropos "Umziehen" ... Womöglich sollte Pater Helmuth anstelle blauer Pullis wieder einmal seinen Habit tragen, selbst wenn das ein "G'schlampert" ist. Solches wäre immerhin ohne dieses G'schmäckle altbackener Konzilsgeistigkeit.


Ein G'schmäckle hat's auch, daß die Franziskaner von der Immakulata des Kloster nicht übernehmen dürfen. Die feiern ja, horribile dictu, die falsche Messe.

Sonntag, 8. August 2010

Rund ums Konzil 4: Offenbarendes, aufgelesen



Diesmal geht's um Werden (und Wesen?) der Offenbarungskonstitution: Noch so ein Beispiel, wie das jüngste Konzil una voce (holdrio!) zu lehren vermochte ...

" ... Im Klartext: die endgültigen Formulierungen - die schließlich mit nur sechs Gegenstimmen vom Konzil in der letzten Tagungsperiode angenommen wurden, nämlich in der achten feierlichen Sitzung am 18. November 1965 - sind in allen neuralgischen Punkten dehnbare Formulierungen, die beide Seiten je zu ihren Gunsten auslegen können - und in der Folgezeit auch auslegten".

(Otto Hermann Pesch: Das Zweite Vatikanische Konzil. Würzburg 2001, p. 283).

Von welchen beiden "Seiten" die Rede ist, dürfte klar sein. Fragt sich also nur: Wer ist der nachdenkliche Herr auf dem obigen Bild? Ökumeniker an die Front! Und für alle anderen: Die Antwort liegt quasi im Bilde selbst.

Freitag, 2. Juli 2010

Rund ums Konzil 3: Fiktives, aufgelesen.

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"In der empfindlichsten Frage, der Verwendung der Muttersprache in der Meßfeier, war ohne einen Kompromiß nicht durchzukommen. So enthält der diesbezügliche Art. 36 eine dreifache Einschränkung: Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll grundsätzlich erhalten bleiben (§ 1) - in welchem Ausmaß, wird nicht festgelegt. Mit anderen Worten:

Den Gegnern wird die Fiktion zugestanden, daß Latein nach wie vor die offizielle liturgische Sprache der Westkirche ist"

(Otto Hermann Pesch: Das Zweite Vatikanische Konzil. Würzburg 2001, p. 120).

Dienstag, 29. Juni 2010

Rund ums Konzil 2: Ein Gespenst geht um ... der Konzilsgeist

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Ich dachte mir bereits, daß meine "Gleichsetzung" von Konzil und Konzilsgeist auf Widerspruch stoßen könnte. Obermini hat sich zu Wort gemeldet. Ich bin dankbar dafür, da somit zum einen womöglich die Diskussion in die Gänge kommt, und ich zum anderen heute dachte, daß man eine solche Meinung vielleicht doch etwas ausführlicher begründen sollte. Oberminis Einwand:
Konzilsgeist - Konzil. Ist das wirklich kein Unterschied? Konzilsgeist hat sich doch vor allem bei denen eingestellt, die nicht am Konzil teilnahmen. Und die wenigsten von ihnen haben die Dokumente mit all ihren Feinheiten gelesen. (Ich auch nicht. Sie?) Dieser Konzilsgeist speist sich also vor allem aus dem, was die Laien von dem Konzil mitbekamen, und das war (wie auch von Kritikern gerne angeführt) nicht immer das, was in den Dokumenten auch wirklich stand. (Bestes Beispiel: Latein als Hauptliturgiesprache in Sacrosanctum Concilium) Eine Trennung wäre also allein schon deswegen angebracht, um zu verstehen, mit was da eigentlich gehadert wird ... 
In den von Obermini erwähnten Konzilsdokumenten liegt meines Ermessens die crux der ganzen Geschichte. Auch würde ich den Konzilsgeist nicht als Folgeentwicklung in der Laienschar betrachten. Der Klüngel "reformorientierter" Kräfte auf dem Konzil war gewieft genug, um die Folgen seines Tuns absehen zu können. Im "Konzilsgeist" öffnet sich der Entfaltungshorizont für all jenes Tun und Trachten, welches man während des Konzils noch unter der Decke hielt.

Der von mir bereits erwähnte Otto Hermann Pesch (ein Progressist bis ins Mark) beschreibt in seinem Buch Das zweite Vatikanische Konzil sehr ausführlich die Entstehungsgeschichte einiger Dokumente ... und man sollte bei dieser Gelegenheit nicht vergessen, daß sämtliche Texte, die zuvor von der Kurie vorbereitet worden waren, durch ein pressure-group-ähnliches Eingreifen vor allem westlicher Bischöfe und Cliquen vom Tisch gewischt worden waren.

Zurück zu Pesch. In dessen Darstellung liest sich die Genese der Konzilstexte, grob vereinfacht, so: Nachdem die scholastisch geprägten Vorlagen der Kurie aus der Welt waren, ging man daran, Texte zu kreieren, die - zumindest im Selbstverständnis der "Reformer" - echte Antworten auf Zeitfragen geben und den Graben zwischen Kirche und Welt zuschütten helfen sollten. Solch revolutionäres Ansinnen war allerdings nicht ganz so einfach umzusetzen. Konzessionen an die Konservativen und die Gemäßigten waren notwendig - schlimmstenfalls schaltete sich angelegentlich (was Pesch mit gewissem Bedauern vermerkt) Paul VI. quasi per ordre mufti unter dem Druck konservativer Kräfte in die Textredaktion ein. Das gesamte Werden der Konzilstexte war, vor allem bei besonders hitzig umstrittenen Dokumenten, ein work in progress, bis letztendlich eine mehrheitsfähige Fassung vorlag.

Für die "Reformer" war das, so sehe ich das zumindest, einerseits ein großer coup, denn es war ihnen gelungen, ihre Gedanken, ihre Themen, ihre Thesen: ihre Texte im Konzil zu platzieren. Andererseits mußten sie - etwa in Form diverser traditioneller Formulierungen - Zugeständnisse an jene Mehrheit der Bischöfe machen, die für Totalreformen (noch) nicht zu haben waren. Ich unterstelle hier den "Reformern" (die das Konzil wie keine andere Gruppe prägten), daß sie die Dokumente nicht als Schlußpunkt, sondern vielmehr als Anfang für einen weitreichend angedachten kirchlichen Umbau betrachteten und betrachten. 

Was auf dem Konzil als ungeliebtes Entgegenkommen an die andere Seite mit hineingeschrieben werden mußte, sollte nach dem Konzil einfach durch die eingeleiteten Entwicklungen überrollt werden. Und so ist es ja auch gekommen, wie zum Beispiel gerade der von Obermini angebrachte Hinweis auf "Latein als Hauptliturgiesprache" zeigt. Den "Reformern", die ihre Vorliebe für lateinfreie Liturgien ja nicht erst auf dem Konzil entdeckt hatten, war klar, daß sie mit der Möglichkeit, den Landessprachen in der Liturgie größeren Raum zu gewähren, der lateinischen Sprache das Grab schaufeln würden. Und nochmals: So ist es ja auch gekommen, (wenige) Ausnahmen bestätigen die Regel. Noch ein Beispiel? Der bereits vorkonziliar - mitunter am Rande kirchlicher Legalität - experimentierfreudigen liturgischen Bewegung (die wichtigste Stichwortgeberin der Liturgiekonstitution) war ebenfalls klar, daß sich die Zelebranten, offiziell von der Last des Lateins befreit, auch der Last der Rubriken und Vorschriften zugunsten des Experiments und der nun möglichen Kreativität entledigen würden. Das konnte man natürlich keineswegs in die Liturgiekonstitution hineinschreiben, aber man konnte schon einmal die Tür in jene Richtung öffnen, in die später marschiert werden sollte. Und wiederum: So ist es ja auch gekommen. Noch ehe - ein weiteres Beispiel - in Deutschland das gerade approbierte neue deutsche Meßbuch 1975 offiziell eingeführt wurde, lag eine einst ehern geglaubte liturgische Disziplin bereits in Trümmern.

So sind wir jetzt an jenem Ort angekommen, wo Konzil und intendierter "Konzilsgeist" kaum mehr zu trennen sind. Wenn heute noch immer gerne von einem "konziliaren Prozeß" die Rede ist, dann meint das nicht mehr und nicht weniger, als daß die "Reformer" ihr Werk vom Boden des Konzils aus - über das Konzil hinaus - bis heute fortzusetzen trachten, daß sie auch das realisieren wollen, was auf dem Konzil noch nicht realisierbar war, in den Dokumenten aber in nuce bereits enthalten ist. Dazu wiederum ein Beispiel: Die für Otto Normalkathole vordergründig harmlose, konziliar postulierte Kollegialität der Bischöfe führte zu einem gewaltigen Autoritätsverlust des Heiligen Vaters in der Weltkirche. Auf diesem Hintergrund wurde zum Beispiel ein Skandalon wie die "Königsteiner Erklärung" erst möglich, als eine Horde pflichtvergessener Bischofsmützen ihre frisch gewonnene "Souveränität" nach Kräften auskostete: gegen eine Enzyklika!

Das Perfide: Ob "konziliarer Prozeß", ob Konzilsgeist - beides sind keine unabhängigen Größen im kirchlichen Leben, sondern in der Tat Früchte des Konzils, Früchte einer Taktik, derer sich die Reformer meiner Meinung nach absichtsvoll bedienten und die man von konservativer Warte durchaus als Fehler im System betrachten kann - nachdem man sich von den "Reformern" ordentlich hat übertölpeln lassen.

Nicht zuletzt spricht auch eine formale Beobachtung dafür, daß Konzil und Konzilsgeist letztlich zwei Seiten einer Münze sind: Die Konzilsdokumente vermeiden es konsequent, ihre Verbindlichkeit zu thematisieren. Solche Verbindlichkeit war überhaupt nicht gewollt, weil man bei klaren (!) und/oder widerspruchsfreien (!) Ansagen gerade nicht das treiben könnte, was die Reformer intendierten: Eine dicke Schwallschwarte zu schaffen, auf die man sich bei Bedarf berufen und die man bei Bedarf auch ignorieren kann. So aber wurde das Konzil, wurden die Konzilstexte noch in ganz anderer Weise als oben beschrieben zu einem work-in-progress, mit dem die "Reformer" von gestern und deren Wiedergänger heute ihr Werk fortsetzen - dem implementierten "Konzilsgeist" sei Dank.

Sonntag, 27. Juni 2010

Rund ums Konzil 1: Persönliches und Präliminarien



(1) So sieht meine Pfarrkirche aus, heute. Im vergangenen Jahr feierte das Gotteshaus die einhundertjährige Wiederkehr seiner Weihe. Das Bild beschreibt den Zustand nach zwei tiefgreifenden Umgestaltungen, die beide nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil stattfanden. Zuletzt legte vor einigen Jahren der in Robbies Reich meines Ermessens ebenso überschätzte wie leider vielbeschäftigte Helmut Lutz seine Hand an den Bau - nachdem man kurz nach dem Konzil die Kirche einem gewaltigen Bildersturm unterzogen hatte. Diese erste Umgestaltung sorgte für fast ausschließlich nackt-weiße Wände, einen häßlichen Zelebrationsklotz und ein noch viel häßlicheres Rumstehkreuz. An der Rückwand des Chores hingen einige von Emil Wachter entworfene Wandbehänge, die sich ästhetisch der postkonziliaren Sinnesverweigerung anschlossen. Davor stand die Sitzbank für den "erhöhten Herrn", das Tabernakel wurde an die Seite geklatscht. Bei der zweiten Umgestaltung, dürfte jetzt etwa zehn Jahre her sein, holte man einige Reste der alten Ausstattung zurück in die Kirche. Lutz inszenierte drumherum sein Konzept, über das Ergebnis mag man streiten, aber es ist immerhin besser als der vorherige Zustand.

(2) Ich zählte, irgendwann in den 1970er-Jahren, zu den Ministranten meiner Pfarrkirche, als mir eines Tages ein Bildband zum Zweiten Vatikanischen Konzil in die Hände fiel: Die Welt aber soll erkennen lautete der Titel. Die ersten Seiten waren dramaturgisch geschickt zusammengeschustert. Man blätterte sich durch Not und Elend und Leid der Welt, begleitet von melodramatischen Bildbeschreibungen ("inmitten von Kriegen und" etc. etc.), bis man eine Seite aufschlug, die den Einzug der Konzilsväter in die Peterskirche zeigte. Nun wußte ich bereits, daß es irgendeine Verbindung zwischen diesem Konzil und der Verwüstung meiner Pfarrkirche gab. Das Konzil hatte also schon damals bei mir schlechte Karten. Als ich die weißen Mitren sah, die sich da über den Petersplatz drängelten, mußte ich unweigerlich an die kargen Wände meiner Kirche denken ...

(3) Daß ich das Konzil nicht mag, ist angelegentlich bereits aufgefallen. Was ich vor einiger Zeit anregte, nämlich eine blogozösane Diskussion über Sinn und Unsinn dieser Veranstaltung, möchte ich in nächster Zeit möglichst ein wenig vorantreiben. Trotz der eingangs geschilderten Umstände hoffe ich, daß meine Abneigungen nicht auf ein (na ja) "frühpubertäres Trauma" reduziert werden, wenngleich gewisse Erfahrungen dem Leben in der Tat eine Prägung geben können (zumal ich das Glück hatte, seit etwa meinem dreizehnten Lebensjahr zunehmend mit einem vorkonziliar geprägten Katholizismus in Kontakt zu treten).

(4) Ich möchte, und das ist der eigentliche Zweck dieses Eintrages, vorab zwei Punkte benennen, die eine Art Rahmen meiner kritischen Anmerkungen zum Konzil bilden:

--- Da ich nicht die ganze Weltkirche im Blick habe, beschränke ich mich auf die Nachwirkungen des Konzils in der westlichen Welt, vornehmlich in Europa. Ich halte dies insofern für legitim, alldieweil sich das Konzil überwiegend mit Themen beschäftigte, die besonders den westlichen Episkopat interessierten. Dieser Episkopat war es schließlich auch, der auf dem Konzil das große Wort geschwungen hatte.

--- Ich unterscheide nicht zwischen Konzil und Konzilsgeist. Für mich ist der Konzilsgeist der konsequente Ausfluß eines Konzils, dessen Texte im Ungefähren versumpfen. Diese Uneindeutigkeit wurde, sofern sie nicht gar gewollt war, billigend oder einfach aus Dummheit in Kauf genommen. Dabei ist es egal, welcher Seite man das Ohr neigt: Die Konservativen beklagen seit jeher die Schwammigkeit der Konzilsdokumente, derweil die Progressiven jammern, daß man gerne noch viel revolutionärer formuliert hätte, wäre man nicht gezwungen gewesen, gewisse "traditionelle" Standards einzuhalten, um die Beschlüsse mehrheitsfähig zu machen (solch Litanei zieht sich beispielsweise durch Otto Hermann Peschens Buch Das Zweite Vatikanische Konzil. Vorgeschichte - Verlauf - Ergebnisse - Nachgeschichte).

Donnerstag, 13. Mai 2010

Holzweg Konzil

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Die Breitseite, die ich gestern auf das letzte Konzil geballert habe, hat bei Magdi von Maria - Mutter, Friedenshort Widerspruch hervorgerufen. Vorab: Ich bin Magdi für diese kritische Wortmeldung sehr dankbar - nicht zuletzt, weil es meines Ermessens ohnehin interessant wäre, in der Blogozöse eine Diskussion über das Zweite Vatikanische Konzil loszutreten. Auf Magdis Fragen wollte ich zuerst in einem Folgekommentar antworten; jetzt mache ich lieber einen Blogeintrag daraus und erlaube mir, Magdis Einwände zu zitieren.

Wenn ich dich richtig verstehe, hättest du gern die Entwicklungen des Konzils alle rückgängig gemacht, die Formen der vorkonziliaren Liturgie wieder zurück und überhaupt die Hinwendung zur Welt?
Gute Frage. Die Welt ist nie schwarz und weiß. Natürlich kam es durch das Konzil zu Entwicklungen, die auch ich begrüße, etwa die Entkrampfung im Verhältnis zum Judentum. Werfe ich allerdings einen Blick auf die durch das Konzil in unseren Breiten (ich meine damit im weitesten Sinn die westliche Welt) initialisierten Entwicklungen, die nicht zu einem "neuen Pfingsten", sondern zu einer haarsträubenden Säkularisierung kirchlicher Strukturen und zu einer Verwässerung der Glaubenssubstanz geführt haben, dann muß ich sagen, daß ich die meisten Entwicklungen des Konzils tatsächlich lieber rückgängig gemacht sähe (was en gros illusorisch ist).

Gerade auch auf dem Gebiet der Liturgie! Der haarsträbende, mitunter hochnotpeinliche Subjektivismus, der auf diesem Gebiet allzu oft in den Kirchen zu erleben ist, entspringt konsequent einer "Liturgiereform", die, sei es im Meßbuch, sei es im Stundengebet, das Ordinarium wie das Proprium in Form von Bastelbögen präsentiert: Wähle das oder das oder das und halte ein einführendes / kommentierendes / erklärendes Blabla dazu. Das zugrunde liegende Konzilsdokument Sacrosanctum Concilium lieferte die passenden Gummiparagraphen und Paul VI. segnete den ganzen Mist auch noch ab. Meine klare Ansage: Dann lieber zurück zu den vorkonziliaren Formen (woran man en detail arbeiten kann).

Sicher, sie sind nicht immer auf Anhieb verständlich. Also gilt es, die Menschen zur Liturgie emporzuführen, anstatt die Liturgie zu den Menschen herunterzuzerren, zumal die Menschen, wie es mir scheint, mit dem Absenken des Niveaus zunehmend auch weniger liturgiefähig geworden sind.

"Die Hinwendung zur Welt"? Die Kirche hat sich stets der Welt zugewandt, um ihr Christus zu verkünden. Eine andere Hinwendung ist, streng genommen, nicht nötig. Natürlich ist es nett, das Gute in der Welt auch anerkennen zu wollen und ihr auf die Schulter zu klopfen. Aber wo sich "Hinwendung zur Welt" in solcher Sozialkosmetik erschöpft und die Verkündigung des Reiches Gottes faktisch auf der Strecke bleibt, da sollte man auf die schmusige Welthinwenderei lieber verzichten und sich auf das konzentrieren, was allein notwendig ist: Das Wort zu verkündigen, es sei gelegen oder ungelegen. Im letzteren Fall bekommen viele unserer Bischöfe und Priester aber kaum mehr das Maul auf.

Aber ist eine "Verheutigung" des Glaubens und seiner Verkündigung nicht der einzige Weg, den Menschen das Evangelium, die Frohe Botschaft zu verkünden?  
Der Glaube muß überhaupt nicht verheutigt werden. Der Glaube - genauer: das Glaubensgut - ist immer Heute, ist immer Gegenwart, gesprochen aus der (zeitenthobenen) Ewigkeit Gottes in die Zeit. Die zeitliche Komponente, die hier hineinspielt, ist allein dem zeitlichen Wesen des Menschen in der Welt geschuldet. "Verheutigen" kann man bestenfalls die Formen der Verkündigung, wobei die Substanz gewahrt werden muß. Wenn ich nun einen Blick auf die "nachkonziliare" Verkündigung werfe, dann gereicht die "Verheutigung" dem Konzil nicht gerade zur Ehre.

Mit dem Schlagwort "Verheutigung" hat das Konzil den Menschen einen bösen Floh ins Ohr gesetzt, der sich zum Parasiten des Glaubensgutes entwickelt hat: Er saugt dem Glauben so lange die Lebenssäfte aus, bis dieser zu einer blutarmen Zivilreligion mit Sozialanstrich mutiert.

Ästhetik, Formen und Gebräuche sind doch alle nur ein Weg, dies zu tun. Und die können unterschiedlich sein.
Keine Frage! Deswegen ist die "alte Messe" auch keineswegs die "einzig wahre Messe". Ich würde auch nie, wie tendenziell etwa Martin Mosebach, die vorkonziliare Liturgie in die Nähe des nahezu Unantastbaren rücken. So finde ich etwa die Grundidee des neuen Stundengebets, den Psalter auf einen Monat statt - wie früher - auf eine Woche zu verteilen, durchaus begrüßenswert, da das Tagespensum des Breviarium Romanum für Weltpriester insgesamt doch recht füllig ist. Leider ist mit der Liturgia horarum der Grundstock für einen weiteren liturgischen Gemischtwarenladen gelegt worden. Wenn man mir schon neue Riten und Rubriken (wobei die "neuen" Rubriken fast schon ein Witz sind) aufbrummt, dann sollten sie zumindest nicht schlechter sein als die alten.

Und ich möchte mir nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn es das Konzil nicht gegeben hätte, wie dann die Kirche heute aussehen würde.
Eines ist klar: Es geht nicht an, irgendwelche vermeintlich "guten alten Zeiten" zu zementieren oder ein frömmelndes Disneyland mit tridentinischer Messe zu etablieren. Wie schon im letzten Eintrag erwähnt: Ecclesia semper reformanda - die Kirche bedarf beständig der Erneuerung.

Wenn ich aber aktuelle kirchliche Zustände betrachte, dann beschleicht mich der Gedanke, daß es zum "Weg des Konzils" wahrscheinlich jede Menge besserer Alternativen hätte geben können. Angesichts der aktuellen Lage würde ich etwa die Behauptung, mit dem Konzil sei der Königsweg eingeschlagen worden, für reichlich realitätsblind erachten. Daraus folgt hinreichend, wie bereits angedeutet, daß es wahrscheinlich unzählig bessere Wege (und ein paar noch schlechtere) gegeben hätte, die Kirche in das 21. Jahrhundert zu führen. Aber das alles ist ebenso Spekulation wie die Vorstellung, daß es ohne Konzil noch viel schlimmer bestellt sein könnte ...

Schön und gut ist die Rede vom "Heiligen Rest", aber müssen nicht Wege gefunden werden, allen (!) Menschen von IHM zu erzählen? 
Ich weiß jetzt nicht so ganz, wo ich vom "heiligen Rest" gesprochen habe, aber in der Tat ist mir eine (alte) Messe mit dem "heiligen Rest", meinethalben in einer Hinterzimmerkapelle, weitaus lieber als Generalbespaßung mit Hostien-Dipp im Dom.

Daß Wege gefunden werden müssen, allen (!) Menschen von IHM zu erzählen, da bin ich mit Magdi ohne Abstriche einer Meinung. Die Gemeinschaft der Heiligen ist auch mir lieber als der "heilige Rest". Allerdings glaube ich, daß das Konzil die Kirche gerade in dieser Frage auf einen Holzweg katapultiert hat.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Panzer find ich gut!



Fragt man mich, woher der desolate Zustand der Kirche rührt, der deutschen besonders, aber auch der europäischen insgesamt, so schiebe ich die Schuld gerne dem Zweiten Vatikanischen Konzil in die Schuhe. Nicht nur dem Konzil, aber dem Konzil an erster Stelle. Ich gebe zu: Ich mag das Konzil nicht übermäßig - ich mag nicht diese aufgeblähten, redseligen dahinschwafelnden Dokumente. Ich mag nicht deren oft eingebaute Euphorie, ich mag nicht, wenn mich in Gotteslob-Andachten Konzilstexte zur Besinnung bringen wollen: "Das Zweite Vatikanische Konzil sagt ..." (786, 1). Dieses Konzil soll, soviel subjektive Meinung nehm ich mir heraus, die Klappe halten. Meine Wertschätzung einer sogenannten Liturgiereform hält sich sowieso stark in Grenzen. Eigentlich ist es mir Jacke wie Hose, ob eine Fehlentwicklung unmittelbar dem Konzil zu verdanken oder "nur" eine Ausgeburt des berüchtigten Konzilsgeistes ist. Denn auch dieser Geist wurzelt im Konzil, in diesem blöden Aufbruchstaumel, in diesem unsäglich mehrdeutigen Pastoralgeblubber, in diesem bescheuerten sich der Welt in die Arme Schmeißen, in diesem beknackten aggiornamento. Für mich war, entweder, der Heilige Geist während des Konzils irgendwo auf Urlaub oder der Herr der Geschichte bedient sich einmal mehr schwer durchschaubarer Züge, um die Heilsgeschichte voran zu treiben. Gottes Wege sind unergründlich ...

Natürlich war früher keineswegs alles besser. Ecclesia semper reformanda, die Kirche bedarf allzeit der Erneuerung. Vor einigen Tagen hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem älteren Priester über Sinn und Unsinn des Konzils. Seine Seminarzeit erlebte der Geistliche noch vor besagter Veranstaltung und wußte zu berichten, daß bereits damals vieles im Argen lag, weswegen man das Konzil keinesfalls als Ursache aller Übel betrachten dürfe. Schon vor dem Konzil habe die Disziplin im Klerus nachgelassen, habe ein zunehmendes laissez faire in den Priesterseminarien Raum gegriffen, habe man häufig - und damit ist nicht zuletzt die Liturgie gemeint - an Formen festgehalten, deren Inhalte zunehmend an Bedeutung verloren hätten. Das mag so sein, ich will das nicht bestreiten.

Die Form! Stramme Konzilsverteidiger formen daraus gerne einen Kampfbegriff: den Formalismus, den das Konzil aus der Welt schaffen wollte. Und was galt nicht alles am Vorabend des Konzils - und gilt bis heute - als formalismusanfällig! An vorderster Front die Liturgie. Weg von diesen akribischen Regelungen, den Rubriken, den Doppelungen, den fehlgeleiteten fränkischen Einflüsterungen einer archäologisch verherrlichten römischen Stadtliturgie. Unter den Talaren Muff von tausend Jahren. Ein echter Aufbruch zur Freiheit des Gottesvolkes schien, eingezwängt in die Form, irgendwie unvorstellbar. Zwischenzeitlich mieft unter den Sackalben mächtig die Variante der 68er.

Ich frage mich: Wenn es um die Inhalte schon nicht gut bestellt ist, tut man dann gut daran, auch noch die Form in die Tonne zu kloppen? Was bleibt am Ende übrig? Das, was wir heute sehen: eine Erosion des Glaubens, infolge derer Kinder bei der ersten heiligen Kommunion nicht mehr zur Vereinigung mit dem Herrn im heiligen Altarsakrament angeleitet werden, sondern auf "heiligem Brot" rumkauen. Infolge derer bei der Taufe nicht mehr die Erbsünde abgewaschen, sondern der Täufling in die Gemeinschaft der Glaubenden aufgenommen wird. Infolge derer das Evangelium zwar schon irgendwie verbindlich, das Gewissen aber viel autonomer ist. Infolge derer Maria nicht mehr die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommene Fürsprecherin ist, sondern "unsere Schwester" oder das "Mädchen, du, in Israel". Solch garstige Litanei ließe sich fortsetzen.

Früher war sicher nicht alles besser, aber etwas hat man früher eindeutig besser gemacht: Die Kirche hat nicht die Formen eingerissen, sondern sich bemüht, die Inhalte wieder neu zu entdecken. Und sie hat die Form geschätzt als Schutz, als Panzer für die Inhalte. Denn selbst wenn diese zeitweilig den Bach runter gingen, so wahrte dennoch die Form einen Bestand, den innerkirchlich kaum jemand in Zweifel zu ziehen wagte. Formen retten das Glaubensgut über glaubensarme Zeiten hinweg, bis ein echter Aufbruch, eine tiefgreifende Besinnung die Kongruenz zwischen Form und Inhalt wieder neu herzustellen vermag. Das ist sodann echte Reform - anstelle der nachkonziliaren tabula rasa.

Wer, wie ich, selbst die Erfahrung gemacht hat, daß die eigene Glaubensbiographie nicht immer so geradlinig ist, wie sie sein sollte, der ist vielleicht auch dankbar für die Form und die Formen, welche auch über die Zeiten einer geistlichen Verwahrlosung hinweg ein Minimum an religio bewahrt haben. Ich mag Formen, nicht zuletzt als Panzer, dieses Panier für den Inhalt. Ohne diese "Formen" wäre mein Glaube wahrscheinlich schon längst beim Teufel.

Montag, 1. März 2010

Nabelschau zur Fastenzeit?

 
Christus am Baum des Lebens
Zollitsch City, Turmvorhalle des Münsters

Nach der Abendmesse im Münster von Zollitsch City zog heute ein Plakat meine Aufmerksamkeit auf sich: Fastenpredigten. Immer sonntags, 17 Uhr. Ohne Messe. Interessante Sache, dachte ich mir, und eine hübsche Tradition obendrein. Was wird wohl geboten?

"Moderne" Theologen und sonstige postkonziliare Bildungschristen haben bekanntlich einen Hang zu gemeinhin als hipp erachteten Wortspielereien: Die Reihe Zeichen der Zeit - Zeitzeichen scheint sich irgendwie um die Kirche in der Welt von heute zu drehen, jedenfalls wird wieder mal ordentlich der Konzilsgeist beschworen: "Die Zeichen der Zeit" seien 45 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil "für die Kirche Herausforderung, die frohe Botschaft Jesu Christi neu zu entdecken und davon ausgehend der Welt von heute das Evangelium zu verkünden". Und das kann man natürlich gerade zur Fastenzeit ganz toll machen, also Verkündigen und so.

Irgendwie habe ich zwischen "Predigern" wie dem laiisierten Priester Prof. Dr. Otto Hermann Pesch und der "Friedensaktivistin" und fortwährenden Friedensnobelpreisanwärterin Hildegard Goss-Mayr (die Rahner beim Konzil zugearbeitet hatte, was aber keineswegs heißt, es handle sich um noch so ein Rahner-G'schpusi wie die olle Rinser) das Gefühl, daß überwiegend Konzilsachtundsechziger Nabelschau betreiben und natürlich einer Fortschreibung des Konzilsgeistes das Wort reden werden - also jenes Prozesses, der Kirche und Glaube in Wischi und Waschi überführt. Schließlich sagen die "Zeichen der Zeit", daß katholisches Profil nicht besonders gefragt ist. Anpassung tut also Not, arrgiornamento ("Verheutigung") heißt dann faktisch oft kaum anderes, als daß Kirchenvertreter und Theologen den eigenen Glauben zu einem Phänomen (u.a.) zivilgesellschaftlichen Engagements heruntermanipulieren.

Damit sich das Ganze aber nicht ganz zum konziliaren Pflegeheim gerontoriert, verheißt ein Handzettel in quasi humoresken Gleichsprech: "Jeder Predigt vorangestellt ist ein Statement eines Vertreters/einer Vertreterin der jungen Generation, der/die seine/ihre Sicht auf das Thema darstellen wird". Horch, was kommt von draußen rein? Wird doch nicht der bdkj sein?

Nebenbei ... zu welcher Bußfertigkeit sollen mich wohl Predigten unter dem Motto Erfolg - Scheitern. Von der Gnade des Nullpunkts anspornen? Also früher gab's mal die helfende und die heiligmachende Gnade, die gerne auch zu Bußzeiten in den Blick genommen wurden. Mit "Gnade des Nullpunkts" assoziiere ich hingegen eher ein buddhistische Nirvana, oder so ein Animationsgedöns mit Steh-auf-Männchen. Nun gut, ich mag der Sache Unrecht tun, aber im Dunstkreis solcher Sachen wurde einfach schon zu viel preudospiritueller Müll produziert, so daß ich mich schwertue, hier an jene Ausnahme zu glauben, welche die Regel dann doch mal aus den Angeln hebt.

Dienstag, 2. Februar 2010

Rambo meets Mariä Lichtmeß

 

Nachdem ich zu Mariä Lichtmeß schon den lieben langen Tag einen Sack Kerzen und Grablichter mit mir herumgetragen hatte, verschlug es mich heute Abend in's Münster von Zollitsch City zu einem Kapitelsamt. Zelebrant war der Dompfarrer, bei dessen Predigt im Betulichkeitsjargon ("Rendezvous im Tempel") ich mindestens dreimal in Sekundenschlaf verfiel. Nun gut, daran mag nicht nur der Dompfarrer schuld sein, sondern auch meine Schwäche, abends einfach nicht zeitig in die Heia zu kommen. Aber einige Sachen sind mir bei dieser rituell "ordentlichen" Feier mal wieder aufgefallen, leider eher unangenehm-unordentlich.

Doch von Anfang an. Großer Auftritt! Im Mittelschiff legte die Eingangsprozession einen Stopp ein, dort waren Kerzen zwecks Segnung aufgebaut. Auch ich hatte meinen Sack dort gebunkert. Leider stand die ausführliche Erläuterung mal wieder in keinem Verhältnis zu dem kurzen Segensgebet und den paar Weihwasserspritzern, und irgendwie beschlich und beschleicht mich der Verdacht, daß der Dompfarrer irgendwas unterschlagen hatte. Wenn ich nun Wortklauberei betriebe, dann dürften eigentlich nur jene Kerzen gesegnet worden sein, "die wir in den Händen tragen" (so hieß es auf jeden Fall recht exklusiv im Weihegebet). Meine Kerzen blieben da außen vor, denn die lagen ja immer noch im Sack. Sei's drum, der liebe Gott wird schon ein Auge zudrücken.

Unter Gesang prozessierte man weiter Richtung Chor. Der Bußakt fiel flach. Sobald alle ihre Plätze gefunden hatten, ging's sofort mit dem Gloria aus der Missa de Angelis weiter. Das Alleluja wurde nach dem Evangelium, gelesen vom Diakon in einer absolut schmuckentwöhnten Trevira-Dalmatik, wiederholt, was Stanislaus aber sowas von garantiert goutiert hätte.

Total überraschenderweise wählte der Dompfarrer das zweite Hochgebet (Schon mal gehört?). Bei der Kommunion rammte mir ein hektisch agierender Domkapitular den Leib des Herrn gegen die obere Zahnreihe: Rambo meets Mariä Lichtmeß, sag' ich da jetzt mal zu. Also eigentlich sollte es kein allzu großes Problem sein, die heilge Seelenspeise einem knieenden Empfänger wohlgemessen auf die Zunge zu legen ... aber vielleicht hatte der arme Kapitular nur Angst, ich könnte nach der Hostie schnappen und / oder ihn in den Finger beißen wollen.

Zum Glück für meinen domkatapultierenden domkapitularen Spender gibt es ja Zeitgenossen, die aus Überzeugung die Hostie auf die Hand empfangen. Zum Beispiel unser DBK-Vorsitzender, der dieser Messe inmitten seines Metropolitankapitels folgte und sich mit allen Kapitularen plus zwei Weihbischöfen in die klerikale Kommunionschlange einreihte. Warum auch selber zelebrieren? Wenn man abends doch sowieso zum Kapitelsamt verdonnert ist? Aber Hand auf's Herz: Von Robbie hätte ich eigentlich erwartet, daß er täglich die Messe feiert. Andererseits ... warum sollte ich das ausgerechnet von Soli-Robbie erwarten? Und überhaupt ... warum feiert der Dompfarrer das Amt, wenn sich drei Bischöfe in ihren Chorstühlen rumdrücken?

Den Schlußsegen gabs dann vom seitlichen Priestersitz aus. Vielleicht habe ich da wieder irgendeine Reform verpennt, daß man das heute so macht oder so. In meiner Nachkonzilsjugend rückten die Zelebranten wenigstens nochmals dem Altar auf die Pelle. Freilich - dieses verklotzte Fresse-zum-Pöbel-Möbel (Tschuldigung, das ist mir jetzt so rausgerutscht, ich meinte natürlich "Volksaltar"), das vor einiger Zeit ins Münster gewuchtet wurde und dessen ikeamäßige Drumrumstehleuchter noch viel billiger als weiland aussehen, seit man über die ganze mißratene Ensemblerei ein romanisches Triumphkreuz gehängt hat, also bei diesem Dings kann ich fast verstehen, daß der Dompfarrer beim Rendezvous im Tempel mit Robbie und Co. lieber locker vor'm Hocker den Segen erteilt.

Dienstag, 19. Januar 2010

Konzilsoptimistisches, aufgelesen ...

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"(...) Die Muttersprache in der Liturgie: Unsere Kinder gehen heute schon und unsere Enkel werden in 25 Jahren in ein lateinisches Choralamt gehen wie wir in einen ostkirchlichen Gottesdienst in griechischer oder altslawischer Sprache - beeindruckt, aber mit dem Gefühl: Das ist nicht unser Gottesdienst"

... befindet Otto Hermann Pesch in seinem Buch Das Zweite Vatikanische Konzil. Vorgeschichte - Verlauf - Ergebnisse - Nachgeschichte (Würzburg 2001, S. 106).

Mit Verlaub, unsere Kinder und Enkel gehen überwiegend in überhaupt keinen Gottesdienst mehr. Und die es doch noch tun, sind - in relativen Zahlen betrachtet - eher in lateinischen Choralämtern zu finden als in deutschen Eucharistiefeiern mit Pappnasenfaktor ("unser Gottesdienst" *gröhl*).

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Zum Rosenkranzfest




Zum Rosenkranz hatte ich vor einiger Zeit bereits einen Eintrag; es handelte sich vor allem um eine Passage aus Franz Werfels Roman Das Lied von Bernadette. Heute ist der rechte Tag, sie nochmals aus dem Blogarchiv hervorzuheben, und so möchte ich Werfels Gedanken jedem ans Herz legen ... (und nicht nur diese, Werfel lesen lohnt auch sonst, vielleicht schreibe ich zum Ende des Kirchenjahres mal was über Stern der Ungeborenen).

Ansonsten wäre ich in Versuchung, auf diesem Blog noch eine neue Reihe zu eröffnen, unter dem Titel NOB (= Novus Ordo Bashing). Denn was die Liturgiereform vom wunderschönen Offizium des Rosenkranzfestes übrig gelassen hat, ist eine, sorry sancta mater ecclesia, Zumutung. An Stelle des schönen Tagesgebetes alter Ordnung, welches das Festgeheimnis inhaltlich tief und stilistisch fein ziseliert auslotet und das ja nicht nur die Messe, sondern auch die einzelnen Horen prägt, rückte die Bugnini AG offenbar jenes Gebet ins Zentrum des Offiziums, das jeder vom Angelus her kennt kennt: "Allmächtiger Gott, gieße Deine Gnade in unsere Herzen ein" ...

Ja, auch eine schönes Gebet, keine Frage, aber im Vergleich zum Text des außerordentlichen römischen Ritus kommt es eben als Allerwelts-Oratio daher, paßt irgendwie immer und überall. Wahrscheinlich mußte mal wieder irgendeine Kongruenz zum Evangelium als Grund herhalten.

Und während das Breviarium Romanum zum "Rosen"kranzfest im Stundengebet mindestens die halbe alttestamentarische Flora in den Dienst der "Rosen"kranzkönig stellt, wirken die Texte in der Liturgia Horarum lieblos zusammengepfriemelt. Die ganze Poesie ist im Eimer - das liturgiereformatorische Rumtrampeln zwischen an Wasserbächen gepflanzten Rosen, Lilien, Zedern, Terebinthen etc. etc. etc. ist eindeutig ein Fall für Martin Mosebach: Flores apparuerunt in terra nostra ...? Ja, das war mal, bis die Reform den Garten "beackert" hat.

Was mich zudem mopst: Das Rosenkranzfest wurde vor dem Konzil zuletzt als Fest zweiter Klasse gefeiert, also mit Gloria und Credo in der heiligen Messe. Übrig geblieben ist heute der Rang einer Memoria ... unter säkularem Blickwinkel würde man das dröges business as usual nennen. Angesichts der Tatsachen, daß in den Tiefenschichten des Rosenkranzes die Feier des gesamten Heilsmysteriums steckt, daß der Rosenkranz eine wichtige Rolle in der Kirchengeschichte spielte und daß das Rosenkranzgebet sicher zu den besonders bedeutenden außerliturgischen Andachtsformen der Kirche zählt(e, zumindest bis zum Konzil), angesichts also dieser vielfältigen Ebenen des Rosenkranzgebets ist die Einordnung als bloße Memoria eine sehr bedenkliche Entscheidung. So untergräbt man Volksfömmigkeit.

Wenn man schon aus einem Garten einen Acker macht, dann sollte wenigstens der ordentlich bestellt werden.

Donnerstag, 13. August 2009

Die Liturgie ist eine Zumutung!

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Es ist eine kleine, aber treue und homogene Gottesdienstgemeinde, die ein Geistlicher in Zollitsch City allmorgendlich zu relativ früher Stund' um sich sammelt. Der nachkonziliare Meßritus verdient hier wirklich die Bezeichnung "ordentlich": Zelebriert wird im Einklang mit den liturgischen Vorschriften, versus Deum und ohne großes Blabla. Die Gläubigen empfangen den Leib des Herrn in großer Mehrheit knieend und auf die Zunge. Zudem wird die heilige Messe immer mittwochs auf lateinisch gefeiert. Der Zelebrant will damit den Wünschen des letzten Konzils Rechnung tragen - es soll "der Gebrauch der lateinischen Sprache ... in den lateinischen Riten erhalten bleiben" (Sacrosanctum Concilium 36) und Sorge getragen werden, "daß die Gläubigen die ihnen zukommenden Teile des Meß-Ordinariums auch lateinisch miteinander sprechen und singen können" (SC 54). Gesungen wird auch; wenngleich eigentlich nur jenes Ordinarium zum Zuge kommt, das als Missa mundi oder, der sehr sparsamen kompositorischen Faktur wegen, als Hartz-IV-Messe oder Aldi-Ordinarium gehandelt wird.

Zum Hochfest der Aufnahme der allerseligsten Jungfrau Maria in den Himmel, welches gerade vor der Tür steht, schlug ich dem Geistlichen vor, die Messe - anlassbezogen und außerhalb der Reihe - ebenfalls auf lateinisch zu feiern. Ich hätte mich, der Sache nicht ganz unkundig, bereit erklärt, den Introitus Signum Magnum, irgendeine volkskompatible Alleluja-Akklamation und vielleicht noch die Antiphona ad Communionem beizusteuern, ferner die Missa de angelis, obwohl mir die eigentlich zu den Ohren raushängt - ebenso wie das "dritte Credo". Was gab's? Ne Abfuhr.

Aber nicht, weil der Geistliche meinen gregorianischen Sangeskünsten mißtraute oder die Dame zu vergraulen fürchtete, die stets mittwochs mutig die Missa mundi intoniert. Damit hätte ich ja noch leben können. Die Begründung war viel schlimmer.

Bei den Gottesdienstbesuchern handele es sich überwiegend um einfache Leute, die des Lateinischen nicht mächtig seien und somit auch nicht wüßten, was da überhaupt gesungen und gebetet würde. Mit dem Introitus Signum magnum wüßten die Gläubigen zum Beispiel nichts anzufangen. Er halte zum Hochfest lieber eine Messe mit deutschen Liedern. Was mich zu der leicht bissigen Bemerkung verleitete, daß "Maria zu lieben" ja auch viel tiefsinniger sei als jener Introitus, dessen Worte der Heiligen Schrift entnommen sind und der in einer hinreißenden Vision ("eine Frau, von der Sonne umkleidet") die Vollendung Mariens an Leib und Seele in den Blick rückt. Die Antwort: Es gebe ja auch noch andere Marienlieder. Mir kamen die Grüssauer Marienrufe in den Sinn: "Muttergottes, wir rufen zu dir" - freilich nicht als adäquater Ersatz für Signum magnum, sondern als Seufzer. Ganz ehrlich ... selbst die hitverdächtige "Wunderschön, prächtige" kann den prägnanten Texten der Kirche, der geheiligten Liturgie der Kirche, dem inspirierten Beten der Kirche nicht das Wasser reichen.

Aber das Volks versteht's halt nicht, so das redundante Argument des von mir sonst außerordentlich geschätzten Zelebranten. Deswegen mag jene eine lateinische Messe, die der Geistliche wöchentlich feiert, genügen. Natürlich bin ich dankbar, daß es überhaupt eine regelmäßige lateinische "Normal"-Messe hier vor Ort gibt. Andererseits glaube ich, daß Benedikt XVI. in seinem Apostolischen Schreiben Sacramentum Caritatis (2007) mit dem Wunsch, die lateinische Sprache in der Kirche wieder heimisch zu machen, kaum den Hintergedanken verband, daß entsprechende Bemühungen nicht mehr als einmal pro Woche angesetzt werden sollten. Ferner kann ich den Rekurs auf das "unverständige" Volk nicht mehr hören. Kaum ein Geistlicher einer gewöhnlichen Pfarrei, dem man als Organist ohne großen Aufwand zu Hochfesten einige lateinische Brocken (etwa eine Pfingstsequenz) unterjubeln will, der nicht mit der üblichen Ausflucht reagierte: "Des verschteht doch kei Mensch do drusse". Wie lang und von wie vielen wird dieser liturgiepädagogische Sondermüll aus der banalen Geist-des-Konzils-Ecke eigentlich noch nachgebetet?

Es geht ja keineswegs darum, die lateinische Messe zur einzig wahren Form der Gottesverehrung zu erklären. Natürlich kann eine Messe in der Landessprache - auf einer spezifischen Ebene jedenfalls - helfen, sich dem Mysterium zu nahen, keine Frage! Aber wenn siebenmal in der Woche dem Herrn die Eucharistie dargebracht wird, dann muß gewiß kein Gläubiger arm und geistlich ausgezehrt sterben, wenn das ohnehin jedem menschlichen Begreifen Entzogene zwei- oder dreimal in einer Sprache gefeiert wird, welche die Kirche rund um den Erdkreis einen sollte. Und wenn das Volksverständnis-Argument gegen die lateinische Messe wirklich sticht, dann wäre ohnehin jede Meßfeier in der Kirchensprache (denkt man die Sache konsequent zu Ende) ein Verstoß gegen die Vernunft. Als ob sich das Mysterium schon einmal von dieser Vernünftigkeit ein Schnippchen hätte schlagen lassen ...

Muß in der Liturgie immer alles übersetzt, verstanden, kapiert, internalisiert, durchschaut und enthüllt werden? Hat nicht schon der Herr Jesus womöglich kräftig daneben gegriffen, als er auf die Idee mit der Feier seiner Hingabe, seines Opfers, seines Leidens und Sterbens kam ... und die ganze Geschichte an Brot und Wein festgezurrt hat? Nehmen wir nur mal dieses "Brot" pro mundi vita, für das Leben der Welt: Es wird gebacken wie Brot, es sieht aus wie Brot, es fühlt sich an wie Brot, es schmeckt wie Brot, es läßt sich beißen wie Brot und schlucken wie Brot. Und doch ist es Christi Leib und kein Brot, nicht mal super "heiliges Brot", sondern Leib Christi, wahrhaft, wirklich, wesenhaft. Erkläre das mal einer! Sollten wir die Messe nicht besser einmotten, weil wir's doch sowieso nicht auf die Reihe kriegen, was da geschieht? Weil's Gottes Werk ist, in das sich der pilgernde Erdenmensch vorläufig nur versenken kann? Weil's das Volk halt nicht versteht? Weil sogar die Theologen und Gelehrten mit ihren kniffligen Meßopfertheorien und ihren eucharistischen disputationes ganz am Ende wie die Ochsen vor dem Berg stehen müssen?

Die Liturgie ist eine Zumutung. Die Kirche fordert den Mut des Glaubenden heraus, sich der Liturgie anzuverwandeln und anzuvertrauen, sich mit dem Mysterium fidei auseinander zu setzen und daran zu wachsen. Die Liturgie hat hingegen nichts zu tun mit einem kalorienreduzierten Seniorenteller im Pflegeheim der selbstgenügsamen Christenseelen, denen man jede Speise nur mundgerecht vorgeschnippselt darreichen darf, damit's auch jeder noch fassen kann.

Ich könnte noch ewig lamentieren, aber mit folgendem Gedanken will ich es bewenden lassen: Nehmen wir also an, daß Volk tut sich mit der lateinischen Messe samt deren Kultsprache und mit dem gregorianischen Choral samt dessen Kirchentönen wirklich sehr schwer ... Hat die Kirche ihre Geistlichen nicht immer wieder ermuntert, diese Schätze den Gläubigen zu heben und nahe zu bringen? Man muß nicht einmal die Pius-Päpste des 20. Jahrhunderts aus der Versenkung zerren, um diesen Wunsch der Kirche zahlreich beglaubigt zu sehen. Ein Blick auf Benedikt reicht auch schon ...

Montag, 10. August 2009

Heiliger Bimbam ... oder: Schlag nach im Stundenbuch!

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Aber in welchem? Es steht gerade die Idee im Raum, mit einem Geistlichen Teile des Stundengebets gemeinschaftlich zu feiern. Natürlich versucht er, mir die Liturgia horarum schmackhaft zu machen, derweil ich ihm gerne das Breviarium Romanum aufschwatzen möchte. Mein Argument: Wahrscheinlich beten heute mehr "altrituelle" Priester auf der Welt das einheitliche "alte" Brevier, als nachkonziliar verfahrende sacerdotes eine einheitliche Version des neuen Stundenbuchs (wenn die da überhaupt mal reinriechen) hinkriegen. Well ... (beziehungsweise: vel).

Der Pflicht zum Stundengebet genügen Geistliche meines Wissens mit beiden Versionen. Praktikabel könnte der Gedanke sein, daß an jenen Tagen, an denen das Kalendarium des ordentlichen mit dem außerordentlichen römischen Ritus übereinstimmt, die alte Version zum Zuge kommt, sonst die reformierte. Mal sehen ...

Auf der Suche nach Infos über die Liturgia horarum bin ich auf diese Seite gestoßen. Da findet man entgegen der Verheißung zwar keine Texte, weil sich irgendwelche Leute urheberrechtlich zu bekriegen scheinen, aber man kann sich aus acht Online-Glocken immerhin ein Geläut selber basteln. Mal sehen, zu welchem Gebet die Glocken rufen mögen ...

Nachtrag: Soll ja keiner sagen, in der Kirche hätte niemand von Demokratie eine Ahnung. Und da man hier linksrändig auch so ein Abstimmungsprogramm installieren kann, bitte ich um Bekundungen. Und wehe, es stimmt jemand für die Liturgia horarum!

Donnerstag, 9. Juli 2009

Lebendig tot?

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Das Leben als Pensionär kann ziemlich popelig sein. Vor allem für 75-jährige katholische Priester in der Schweiz - ab und zu eine Aushilfe hier, ab und zu eine Messe da, selber "gestalten" läßt sich dabei wahrscheinlich groß nix, denn schließlich sind Priester in nicht wenigen eidgenössischen Pfarreien zur Messe zwischenzeitlich nur noch die Handlanger der Gemeindeleiterlaien und dürfen kaum mehr als über das "heilige Brot" den "Einsetzungsbericht" deklamieren.

So stellt man sich zumindest das Leben eines pensionierten Hochwürden in Buochs (Kanton Nidwalden) vor, der behäbig durch die verbliebenen Tage seines Lebens dappert. Die Zufriedenheitskurve geht eher nach unten, scheint's ...


Abwechslungshalber hat der Geistliche kürzlich an einem Sonntag seinen eigenen Beerdigungsgottesdienst gefeiert, mit Sarg, mit Kerzen, und beinahe auch mit Todesanzeigen, deren Veröffentlichung die Presse allerdings ablehnte. Was den Pfarrer dazu trieb, wird nicht ganz klar. In einem auch auf Youtube zu findenden Interview ist mal die Rede davon, daß der Tod heute zu sehr verdrängt würde (der große metaphysische Hintergedanke also), dann läßt Hochwürden aber durchblicken, daß er nichts davon hat, wenn sich erst um seinen Sarg die Menschen in größerer Zahl versammeln (was eher nach zunehmender Vereinsamung klingt).

Überhaupt, der Mann hinterläßt einen zweispältigen Eindruck: irgendwo scheint er zwischen Vaticanum-II-Revoluzzer und müder Verweltlichung stecken geblieben zu sein und findet nicht mehr heraus. Auf die Frage, ob er sich heute nochmals für das Priestertum entscheiden würde, kann sich Hochwürden auch vorstellen, gegebenenfalls Pastoralassistent zu werden. Ein Rückblick auf ein erfülltes Lebenswerk klingt irgendwie anders. Irgendwie tut mir der Mann leid ... das Youtube-Video findet sich hier.


Nachtrag: Vor Ort wird der Geistliche auch als "Halleluja-Pfarrer" gehandelt ...