Dienstag, 2. Februar 2010

Rambo meets Mariä Lichtmeß

 

Nachdem ich zu Mariä Lichtmeß schon den lieben langen Tag einen Sack Kerzen und Grablichter mit mir herumgetragen hatte, verschlug es mich heute Abend in's Münster von Zollitsch City zu einem Kapitelsamt. Zelebrant war der Dompfarrer, bei dessen Predigt im Betulichkeitsjargon ("Rendezvous im Tempel") ich mindestens dreimal in Sekundenschlaf verfiel. Nun gut, daran mag nicht nur der Dompfarrer schuld sein, sondern auch meine Schwäche, abends einfach nicht zeitig in die Heia zu kommen. Aber einige Sachen sind mir bei dieser rituell "ordentlichen" Feier mal wieder aufgefallen, leider eher unangenehm-unordentlich.

Doch von Anfang an. Großer Auftritt! Im Mittelschiff legte die Eingangsprozession einen Stopp ein, dort waren Kerzen zwecks Segnung aufgebaut. Auch ich hatte meinen Sack dort gebunkert. Leider stand die ausführliche Erläuterung mal wieder in keinem Verhältnis zu dem kurzen Segensgebet und den paar Weihwasserspritzern, und irgendwie beschlich und beschleicht mich der Verdacht, daß der Dompfarrer irgendwas unterschlagen hatte. Wenn ich nun Wortklauberei betriebe, dann dürften eigentlich nur jene Kerzen gesegnet worden sein, "die wir in den Händen tragen" (so hieß es auf jeden Fall recht exklusiv im Weihegebet). Meine Kerzen blieben da außen vor, denn die lagen ja immer noch im Sack. Sei's drum, der liebe Gott wird schon ein Auge zudrücken.

Unter Gesang prozessierte man weiter Richtung Chor. Der Bußakt fiel flach. Sobald alle ihre Plätze gefunden hatten, ging's sofort mit dem Gloria aus der Missa de Angelis weiter. Das Alleluja wurde nach dem Evangelium, gelesen vom Diakon in einer absolut schmuckentwöhnten Trevira-Dalmatik, wiederholt, was Stanislaus aber sowas von garantiert goutiert hätte.

Total überraschenderweise wählte der Dompfarrer das zweite Hochgebet (Schon mal gehört?). Bei der Kommunion rammte mir ein hektisch agierender Domkapitular den Leib des Herrn gegen die obere Zahnreihe: Rambo meets Mariä Lichtmeß, sag' ich da jetzt mal zu. Also eigentlich sollte es kein allzu großes Problem sein, die heilge Seelenspeise einem knieenden Empfänger wohlgemessen auf die Zunge zu legen ... aber vielleicht hatte der arme Kapitular nur Angst, ich könnte nach der Hostie schnappen und / oder ihn in den Finger beißen wollen.

Zum Glück für meinen domkatapultierenden domkapitularen Spender gibt es ja Zeitgenossen, die aus Überzeugung die Hostie auf die Hand empfangen. Zum Beispiel unser DBK-Vorsitzender, der dieser Messe inmitten seines Metropolitankapitels folgte und sich mit allen Kapitularen plus zwei Weihbischöfen in die klerikale Kommunionschlange einreihte. Warum auch selber zelebrieren? Wenn man abends doch sowieso zum Kapitelsamt verdonnert ist? Aber Hand auf's Herz: Von Robbie hätte ich eigentlich erwartet, daß er täglich die Messe feiert. Andererseits ... warum sollte ich das ausgerechnet von Soli-Robbie erwarten? Und überhaupt ... warum feiert der Dompfarrer das Amt, wenn sich drei Bischöfe in ihren Chorstühlen rumdrücken?

Den Schlußsegen gabs dann vom seitlichen Priestersitz aus. Vielleicht habe ich da wieder irgendeine Reform verpennt, daß man das heute so macht oder so. In meiner Nachkonzilsjugend rückten die Zelebranten wenigstens nochmals dem Altar auf die Pelle. Freilich - dieses verklotzte Fresse-zum-Pöbel-Möbel (Tschuldigung, das ist mir jetzt so rausgerutscht, ich meinte natürlich "Volksaltar"), das vor einiger Zeit ins Münster gewuchtet wurde und dessen ikeamäßige Drumrumstehleuchter noch viel billiger als weiland aussehen, seit man über die ganze mißratene Ensemblerei ein romanisches Triumphkreuz gehängt hat, also bei diesem Dings kann ich fast verstehen, daß der Dompfarrer beim Rendezvous im Tempel mit Robbie und Co. lieber locker vor'm Hocker den Segen erteilt.

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Ich glaube, zumindest noch zu Oskars Zeiten wurde die Osternacht vom Dompfarrer zelebriert, während der Herr Erzbischof irgendwo im Schwarzwald herumturnte.

Ist eben keine Kathedrale, sondern bloß eine Stadtpfarrkirche, das Münster.

Johannes hat gesagt…

Irgendwie hab ich doch den Eindruck, daß Du Deinen Bischof nicht leiden kannst?