Donnerstag, 31. Dezember 2009

Melancholisches zum Altjahrsabend ...




Eigentlich wollte ich - passend zum ablaufenden Jahr - den Zeitmonolog der Marschalin aus Straussens Rosenkavalier hier einstellen. Aber dann bin ich irgendwie auf dieses wunderbare Stück Musik aus Wolfgang Erich Korngolds Oper Die Kathrin gekommen, das ich erstmals durch ein Recital der wunderbaren Sopranistin Renée Fleming entdecken durfte, welche diese eher unbekannte "Briefszene" auch hier wieder singt. Ich denke dabei an einen guten Freund, der mir leider vor Jahresfrist abhanden gekommen ist. Wir haben diese kleine Arie oft miteinander gehört. Vielleicht bringt ihn mir das neue Jahr zurück ...

Kirchenliedfreie Gottesdienste?




Auf Stanislausens Seiten entwickelte sich in einer Kommentarspalte eine kleine Debatte, wieviel - und ob und überhaupt - deutsches Kirchenlied ein Amt im außerirdentlichen Ritus verträgt (oder braucht). Der Auslöser war der Ingrimm unseres Kölner Rundumkorrespondenten über die jahrein, jahraus vorherrschende Tendenz, jeden Gottesdienst zwischen Heiligabend und Neujahr (oder auch Epiphanie) in der Art einer "Weihnachtsmesse" zu feiern, Erzmärtyrer, Lieblingsjünger etc. hin oder her. Ein Kind jener berühmt-berüchtigten "südwestdeutschen Liberalität", schrieb ich in einem Kommentar, daß auch ich in der Tat etwa am Stephanstag weiter Weihnachtliches singen lasse, weil man in lateinischen Choralämtern ohnehin kaum Gesänge in der Landessprache unterbringen kann und zumindest die "Klassiker" unter den Weihnachtsliedern mindestens einmal vorkommen sollten. Was nun wiederum bei Gregor Widerspruch weckte:

"Wozu braucht man denn in der Messe überhaupt deutsche Lieder? Im gesungenen Amt ist das überhaupt nur aufgrund eines Kardinal Bertram für das Dt. Reich in den Notzeiten des 2. Weltkriegs erlaubten Indults möglich (man müßte mal einen Kanonisten fragen, ob tatsächlich mit Summorum Pontificum auch alle alten Indulte wieder aufgelebt sind). Wo Not am Mann ist, mag man das machen. Aber daß selbst viele Freunde der Tradition das geradezu als erstrebenswert betrachten, ist wirklich zum Haare raufen. Als hätte es das liturgische Erwachen nach Dom Guéranger nie gegeben. Betsingmesse *schüttel*."

Ich räume ein, daß ich die Sache mit den deutschen Liedern etwas lockerer sehe. Noch zu FSSPX-Zeiten versah ich längere Zeit in einem Priorat den Orgeldienst, dessen sonntägliches Hochamt nebst Proprium und Ordinarium mit deutschen Liedern vor dem Asperges, vor der Predigt, ggf. zum Opfergang, vor der Kommunion und zum Auszug meinethalben etwas zu üppig gerüstet war. In den beiden bischöflich genehmen Basler Gemeinden, in denen ich heute aktiv bin, herrscht leichte Diversität: Auf der Grundlage einer Choralmesse und des teils ausgesungenen, teils psalmodierten Propriums kennt man morgens in St. Antonius ein Lied vor der Predigt, zum Opfergang und zum Ende, derweil nachmittags in St. Joseph deutsche Lieder nur vor dem Asperges und zum Auszug statthaft sind - hier führt das Institut Christus König erkennbar das Regiment. Ein drittes Lied hat hier freilich am Ende der vorgängigen Sakramentsandacht seinen Platz. Soweit die Praxis, wie ich sie erlebe - und mit der ich gut leben kann.

Zur Theorie: Das von Gregor erwähnte Indult ist ein Papiertiger, da die Betsingmesse ihre Geburtsstunde faktisch viel früher erlebte und zu einem nationalen Sondergut erwachsen ist, welches man sicher nicht mögen muß, das aber als Form einer kulturellen Anverwandlung der römischen Liturgie an deutsche Gepflogenheiten einen gewissen Respekt verdient (vor allem dann, wenn man nicht faul auf vorgestanzte Liedreihen zurückgreift, sondern die deutschen Gesänge als Echo auf die Liturgie auswählt).

Pastoralen Erwägungen ins Feld zu führen, ist, zugegebenermaßen, immer eine etwas windige Angelegenheit, da unter diesem Schlachtruf vor allem seit dem Konzil viel Schindluder getrieben wird. Dennoch sollte man meines Ermessens das Kind nicht mit dem Bad ausschütten. Nicht jeder findet einen leichten Zugang zu einer völlig lateinischen Liturgie. Und eine Katechese, die diesen Zugang erleichtern könnte, kommt noch immer viel zu kurz. Zudem steht einer praktischen Realisierung des "idealen" Choralamtes häufig die Unzulänglichkeit der zur Verfügung stehenden Kräfte gegenüber - was allerdings nicht heißt, daß man deswegen gleich den Büttel ganz hinschmeißen muß. Ehe sich aber eine überforderte Schola durch sämtliche Teile der Liturgie kämpft, lasse ich lieber das Volk hier und da ein deutsches Kirchenlied singen - und verbinde so das Nützliche mit dem Angenehmen (was dabei nützlich ist und was angenehm, hängt von der Perspektive ab) - zumal, wenn man die Möglichkeit hat, auf textlich und musikalisch hochwertiges Liedgut zurückgreifen zu können.

Gregors Verweis auf Dom Guéranger mag ich nicht ganz folgen, da man sich von den Ideen und Idealen dieses hochachtbaren Benediktiners zwar inspirieren lassen kann, man aber auch im Hinterkopf haben sollte, daß Guéranger historisch und soziokulturell in einem Humus wurzelt, den man nicht einfach über die deutsche Erde drüberkippen kann, ohne ein gutes Stück eigener Kultur damit zuzuschütten. Das Katholische ist nicht die klonverwandte Restauration einer bestimmten Liturgieform für alle Zeiten an allen Orten, sondern das Durchtränken des eigenen Erbes mit dem Geist der römischen Liturgie: So entsteht echte Einheit in einer echten Vielfalt.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Antifa beklatscht Kirchenbrände

Erinnert sich noch jemand an die netten linken Radikalos beim diesjährigen Berliner Gebetsmarsch für das ungeborene Leben? Also an jene, welche 1000 Kreuze in die Spree schmeißen wollten? Und die den betenden und schweigenden Christen so manchen Unflat an den Kopf geworfen haben? Und die nebenbei eine Bibel abgefackelt und den Teilnehmern vor die Füße geschmissen haben, wie weiland ein bischöflicher Augenzeuge berichtete?

Letzteres wurde von den teilnehmenden "Feminist_Innen", "Anarchist_Innen", "Antifaschist_Innen" und sonstigen linksgentrifizierten Grüppchen selbstverständlich im Nachhinein dementiert und Weihbischof Andreas Laun der Lüge geziehen. Gerade im Umfeld des Berliner Bebelplatzes, an dem die Nazis einst Bücher verbrannten, ist es schließlich absolut abseitig, daß auch nur irgendein Linker auf den Gedanken käme, ein Buch anzuzünden. Theoretisch ganz unmöglich, diese Vorstellung; und weil Theorie den Linken ganz arg wichtig und wertvoll ist, ergibt sich mit durchschlagender Folgerichtigkeit, daß, was theoretisch nicht sein kann, auch praktisch nicht war. Der Glaube an die Theorie hilft schließlich auch sonst über all die praktisch gescheiterten sozialistischen Experimente hinweg; die abermillionen Opfer kehren wir dabei einfach unter den Teppich.

Fazit: Linke verbrennen keine Bücher. Auch der flammende Büchertod ist ein Meister aus Deutschland und daher eine Spezialität der Nazis, die ja nicht nur Bücher, sondern auch jüdische Gotteshäuser in Brand gesteckt hatten. Grund genug für die linke Gemeine, die Erinnerung an den 11. November 1938 mit lebendig zu halten.

Daß Linke das Abfackeln von Gotteshäusern gutheißen würden, ist theoretisch also total undenkbar. Praktisch scheint es aber so zu sein, daß "die einzige Kirche, die leuchtet, jene ist, die brennt". Sowas können "Antifaschist_Innen" der Restwelt zum Heiligabend durchaus süffisant auftischen und rhetorisch beklatschen ...

Übrigens: "Antifaschistisch" ist ein stalinistischer Kampfbegriff, wie er etwa auch in der Deklaration der Mauer als eines "antifaschistischen Schutzwalls" fortlebte. Die Jungs und Mädels wissen in der Regel, warum sie sich "Anti-Nominieren". Würden sie sich in den Namen schreiben, wofür sie eigentlich einstehen, dann könnten sie ihre Umwelt samt Gutmenschen und Medien weit weniger geschickt einseifen. Denn komischerweise erachtet man solche Truppen trotz allem als wichtig für die demokratische Kultur im Land.

Durch das traditionsfrohe Blumengärtlein hupfen



  
Hin und wieder erwische ich mich dabei, daß ich fast ein wenig neidisch bin ... neidisch auf jene Blogozesanen, die immer wieder Neues aus dem neokreativen Liturgiestadl zu berichten wissen. Da mischt sich dann ein (vielleicht nicht ganz frommer) Schauder mit Abscheu, aber irgendwie sind all die Reporte über den jüngsten eucharistischen Ringelpiez mit Anfassen so wie die Bildzeitung: Im Sich-Entsetzen fühlt man die eigene Position bestärkt. Was übrigens keineswegs anrüchig ist.

In den römisch-außerordentlichen Messen, in denen ich überwiegend an der Orgel sitze, halten sich liturgische Entgleisungen doch sehr in Grenzen. Und wenn mir der Sinn nach der reformierten Messform steht, weiß ich, wo ich hingehen kann, ohne daß es mir den Magen umdreht.

Wenn ich denn an den "alten Messen" etwas bemängeln wollte, dann noch am ehesten die ein oder andere Allerweltspredigt, die allzuoft frisch, froh und sehr freizügig durch das traditionsfrohe Blumengärtlein hupft ... auf der Basis eines Zitates aus der Tagesliturgie ein paar Worte über Maria allgemein und über Fatima besonders, über den lieben Heiland in der Hostie und den allmächtigen Gott im Himmel, hier ein Zitat aus dem Goldenen Buch des hl. Ludwig Maria, da ein Hinweis auf die Nachfolge Christi, eine Prise Demut, ein kleines Wort über die Heilige Kirche und vielleicht noch was über die Treue zum Heiligen Vater, für den wir alle beten sollen. Stimmt alles, passt alles und eigentlich immer, vom ersten Advent bis zum Ende des Kirchenjahres.

Daß ein Text der Liturgie, das Evangelium, die Lesung (oder auch die Eigentexte) in der Tiefe ausgelotet werden, dies erlebe ich (meines Dafürhaltens: leider) viel zu selten. Dabei gibt es hierfür aus den guten Zeiten der Liturgischen Bewegung einige bis heute interessante Handreichungen, etwa von Pius Parsch oder Ämiliana Löhr. Oder von Romano Guardini, wenngleich in diesem Fall nicht nach Sonntagen vorsortiert.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Puer natus est






Lobt die Macht, die sich verneigt.
Lobt den Himmel, der nicht schweigt.
Lobt das Licht, in uns entfacht,
Licht aus Licht in unsrer Nacht.

(Georg Schmid)

Ein friedvolles und segensreiches
Weihnachtsfest 2009!
 

Montag, 21. Dezember 2009

Aus dem Schafstall ... heute: Kollegialität und Miteinanderblabla




Manchmal verstehe ich die Welt nicht. Na gut, das ist jetzt vielleicht eine Spur zu dramatisch hergesagt, und also schraub' ich's mal etwas runter: Manchmal verstehe ich die lieben Kollegen nicht.

Die Sache verhält sich so: Schon vor einiger Zeit teilte ich meinen Basler Vormittags-Tridentinern (die aus St. Anton, in St. Joseph findet die Messe nachmittags statt) mit, daß ich als Organist am ersten Weihnachtstag nicht zur Verfügung stünde. Nachdem man mir ursprünglich gesagt hatte, die "alten" Messen in St. Anton fänden immer nur an Sonntagen statt, sagte ich für's Fest frühzeitig einer Freiburger Gemeinde meine Dienste zu. 

Überraschenderweise stellte sich heute heraus, daß bislang keiner in St. Anton für Ersatz gesorgt hatte, nachdem meine Absage offenbar Verschutt gegangen war. Nun ist es alles andere als einfach, wenige Tage vor Weihnachten für eine Messe im außerordentlichen Ritus noch einen Organisten aufzutreiben.

Da in der Freiburger Gemeinde auch ein Chor singt, rief ich schließlich den Chorleiter an, ebenfalls Kirchenmusiker, und bat ihn, nach Möglichkeit auch den Orgelpart zu übernehmen. Ich wäre dann nach Basel gefahren - und beiden Gemeinden wäre geholfen gewesen.

Das Ergebnis: Ich durfte mir eine Standpauke anhören, daß ich mein Amt nicht ernst genug nähme und daß dies ein sehr seltsames Verständnis von Disziplin sei und überhaupt sollten sich Organisten vorher überlegen, ob sie Verpflichtungen eingehen wollen oder nicht und ihm sei Orgeldienst und Chorleitung zuviel. Und weil's gwohl grad gepaßt hat, durfte ich mich am Ende auch noch dafür schuldig fühlen, daß ein anderer Kollege vor einiger Zeit nicht pünktlich zum Gottesdienst erschienen sei und er schon da an die Orgel habe rücken müssen. Und wenn man eine Stelle habe, solle man gefälligst auch erscheinen. Der Einwand, daß ich in keinster Weise angestellt sei, zählte nicht. Mein Zusatzangebot, den an Männerstimmen darbenden Chor demnächst einmal zu unterstützen, könne ich mir "in die Haare schmieren".

Genau so stelle ich mir einen besinnlichen Adventssonntagabend vor! Irgendwie kam mir Fontanes Effie Briest in den Sinn. Zwischen den Seiten dieses Buches tummelt sich auch so ein Prinzipienreiter.

Wenn nun alles dumm läuft, dann turnen in Freiburg am ersten Weihnachtsfeiertag zwei Kichenmusiker auf einer Empore herum, derweil die Basler Tridentiner die Weihnachtsmesse ohne Orgel feiern dürfen. Na toll ... ich ahnte schon immer, daß es mit der vielbeschworenen Kollegialität und dem Miteinanderblabla nicht weit her ist. Oder erwarte ich womöglich doch zuviel, wenn ich hoffe, daß Genosse Chorleiter angesichts der Umstände über seinen Schatten springt?

Leider kann ich mich auf den Gottesdienst am Weihnachtsmorgen schon jetzt kaum mehr freuen - und ich weiß auch nicht, wie ich dem Kollegen bei dieser Gelegenheit aufrichtig "frohe Weihnachten" wünschen soll ...

Freitag, 18. Dezember 2009

Wieder zurück im Netz




Wäre womöglich doch etwas anmaßend, jetzt gleich Gaudete, et iterum dico vobis: Gaudete! in die Blogozese reinzurufen, aber zumindest kann ich vermelden, daß mein Internetanschluß mit dem neuen Provider, einer nachträglich synchronisierten Leitung und einem noch nachträglicher hinterhergeschickten Speedport zu funktionieren scheint, vorerst jedenfalls ... *nochetwasskeptischguck*. Nebst dem lieben Gott danke ich diversen Heiligen und allen irdischen Daumendrückern. Und als Hingucker eine kleine Hommage an meinen Namenspatron, dessen Gedächtnis auf dieser Seite jüngst aus bekannten Gründen quasi durchs Netz gerutscht ist ...

Dienstag, 24. November 2009

So zwischendurch ...

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Gibt es eigentlich einen Schutzpatron für den reibungslosen Übergang von einem Internet- und Telefonanbieter zum anderen? Dessen Fürsprache könnte ich derzeit brauchen, den telekommunikationstechnisch kann ich zwar zuhause munter nach draußen telefonieren (immerhin!!!), aber keiner vermag mich derzeit zu erreichen. Und das Internet streikt sowieso ...

Und so herrscht auch hier erst einmal weitestgehend Schweigen ... sehen wir's doch einfach mal so:

"Der Herr aber, Er weilt in seinem heiligen Tempel.
Vor ihm sei stille die ganze Welt"

(Habakuk 2, irgendwo, glaub' ich)

Mittwoch, 11. November 2009

Sankt Martin




Was mir heute im Zusammenhang mit dem heiligen Martin eingefallen ist ... ein Bruchstück aus einem Gebet, welches ich mir irgendwann irgendwo einmal herausgeschrieben hatte, ohne daß ich heute wüßte, wo es hingeraten sein könnte. Der Schlußgedanke aber lautete so ungefähr, Gott möge uns zuletzt

... nach jener Liebe messen, mit welcher wir selbst gemessen haben.

So muß man aber auch erst einmal beten können ...

Dienstag, 10. November 2009

Patriarch zu Gast

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Der gestrige Weihetag der Lateranbasilika barg für den Christenmenschen in Zollitsch City eine kleine Überraschung: Patriarch Fouad Twal von Jerusalem zelebrierte die Abendmesse im Münster. Leider war Robbie's PR-Abteilung bislang nicht in der Lage, irgendwelche Hintergründe zu diesem Besuch zu publizieren. Aber was soll's ... einer der wichtigsten Patriarchen der Kirche war da, sowas freut doch schon mal - ist ja wie ein halber Papstbesuch.

Insgeheim hatte ich mich schon auf eine (zumindest teil-) lateinische Messe gefreut, doch leider war der Patriarch des Deutschen hinreichend mächtig, so daß die Messe mal wieder in der Landessprache gefeiert wurde. Wobei drei konzelebrierende Domherren plus Diakon offenbar eine patriarchale Einführung in die Feier erwarteten, Seine Seligkeit aber im Schweigen verharrte, bis ihm ein Gotteslob für den weiteren deutsch-liturgischen Verlauf hingehalten wurde. Ja, meine Herren, man kann eine Messe auch ohne Geschwafel beginnen!

Eigentlich mag ich unsere Münsterorganistin, aber etwas mehr Festlichkeit hätte diese Feier schon vertragen ... wozu hat man neulich erst eine Hochdrucktuba für special events & effects in die Münsterorgeln eingebaut? Und die gotteslöbliche Paulus-Messe ist ein durchaus schönes deutsches Ordinarium, aber das Gloria kennt kein Schwein, was die Sache angestrengt-dröge wirken läßt. Und warum muß, aber das Thema hatte ich ja schon, immer alles krampfhaft auf Deutsch durchgezogen werden? Ich bin mir sicher: Bei der Missa de angelis wäre kräftiger mitgesungen worden ...

Samstag, 7. November 2009

Freies und selbstbestimmtes Leben für alle?

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Die taz fragte jüngst die Juso-Chefin Franziska Drohsel, was sie davon halte, daß die neue Bundesregierung Fördermittel für den Kampf gegen rechts auch gegen links einsetzen wolle und ob es einen Unterschied zwischen Links- und Rechtsextremismus gäbe ...

Drohsel antwortete: "... Eine Zusammenlegung der Mittel würde bedeuten, dass man Geld aus Anti-rechts-Programmen rauszieht und stattdessen gegen linke Strukturen verwendet. Ich kritisiere die Gleichmacherei. Rechtsextremismus spricht Menschen das Recht auf Leben ab. Grundlage linker Politik ist das Streben nach einem freien und selbstbestimmten Leben für alle". Ah ja ...


Daß Rechtsextremisten anderen Menschen das Leben absprächen ... ist richtig, ein Blick in einschlägige Foren reicht. Daß man sowas bekämpfen muß, steht außer Frage

Daß "linke Strukturen" aber in vorderster Reihe marschieren, wenn es um die Freigabe der Abtreibung geht, übersieht Mamsell Drohsel: Ungeborenen Kindern wird vor allem in linken Sumpfgebieten jedes "Recht auf Leben" abgesprochen. Hundertfach, tausendfach, millionenfach. Wie sich Mann und Frau von links bis linksradikal dabei aufführen können, wurde beim Berliner Gebetszug neulich anschaulich. Ein solches Gebaren verdient nur ein Urteil: Menschenverachtend, und dies nicht nur den Ungeborenen gegenüber.

Daß mir jetzt bloß keiner mit Scheinargumenten wie jenem vom prähumanoiden Zellbollen (oder so ähnlich) komme, der ja noch gar kein Mensch sei. Selbst wenn es so wäre, so trüge der prähumanoide Zellbollen doch ein gewaltig großes Potential in sich: das Potential der Mensch-Werdung, die Berufung zu einem, nehmen Frau Drohsel ruhig einmal beim Wort, "freien und selbstbestimmten Leben für alle".

Das alles schert die Drohsel aber nicht ... lieber rennt sie, wie in selbigem taz-Interview auch zu lesen, bei linksextremen Demos mit. Allein schon das ist Grund genug, daß man dem linken Rand ordentlich auf den Zahn fühlt. Die Gefahren, die von dort für die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Gemeinwesens ausgehen, sind keineswegs geringer als bei rechtsextremen Umtrieben.Und die SPD sollte sich mal fragen, was ihre Junggenossen so alles treiben ...


Dienstag, 3. November 2009

Upps, der ist ja hier Diakon ...

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Just stellte ich fest, daß der Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Helmut Hoping, der sich, wie etwa Stanislaus berichtete, auf einem Generation Benedikt-Treffen für die außerordentliche Form des römischen Ritus stark gemacht hat, als Diakon in meiner Pfarrgemeinde amtet.

Ein früherer Pfarrer meiner Gemeinde gehört zudem zu jenen Geistlichen, die Seine Exzellenz, der hochwürdigste Herr, Herr Erzbischof Robbie mit der Feier der "alten" Messe in Zollitsch City beauftragt hat ... gefeiert wird aber nur alle zwei Wochen, ganz im Einklang mit der liebevoll das Seltene besonders wertvoll erscheinen lassenden Praxis anderer deutscher Bischöfe bei der Umsetzung von SP, was Prof. Hoping auf die Palme bringt.

Vielleicht sollte ich doch mal öfter in meine Pfarrkirche reingucken, obwohl die Abendmesse an Allerheiligen (Zelebrant: "Wo habt ihr eure Herzen?" Gemeinde: *Häää? Ähhh* ... "wir haben sie beim Herrn") nur bedingt mein Fall war.

Montag, 2. November 2009

Windei-Eschatologeme - zu Allerheiligen und Allerseelen





In den vergangenen Jahren hatte ich zu Allerheiligen und Allerseelen stets Orgeldienste im außerordentlichen römischen Ritus. Entsprechend fielen auch die Predigten aus. Dieses Jahr konfrontierte mich hingegen mit jener "normalen" Verkündigung, die in "normalen" Gottesdiensten heute auf dem Programm zu stehen scheint - eine eher armselige Angelegenheit: Die Katechese von den letzten Dingen liegt mancherorts (oder vielerorts?) in den letzten Zügen.

Ob gestern in der Abendmesse meiner Pfarrkirche oder heute in der Eucharistiefeier nach der - von mir vorgezogenen - Frühmesse, von der ich noch die Predigt mitbekommen habe: Allenthalben blieb alles im Ungefähren stecken, allenthalben wurde keine echte Orientierung geboten, die entscheidend über Appellationen zu gottgefälligem Sozialkuscheln hinausgewiesen hätte, allenthalben wurde verschwiegen, daß der Mensch in seiner Berufung auf Gott hin auch scheitern kann, allenthalben kein klarer Hinweis, daß Heiligkeit auch etwas mit Gnade und Transzendenz zu tun hat, allenthalben keine eindeutige Aussage, daß wir gut daran tun, für die Seelen in der Läuterung zu beten, allenthalben keine die Tiefe des Mysteriums in seinen Bezügen auf Gott und Mensch, auf Gerechtigkeit und Gnade auslotende Darstellung, warum Allerheiligen und Allerseelen mehr ist als Gräber schmücken, Friedhof besuchen, Lichtlein anzünden und an Verstorbene denken. Allenthalben diese Trend-Eschatologie, welche die Lehre vom Purgatorium und der Hölle als "Drohbotschaft" denunziert und auf eine "Frohbotschaft" setzt, in der am Ende alle Menschen querbeet gerettet werden, wobei die damit verbundene Heilsvision seltsam blaß und farblos bleibt - so, als ob man selbst nicht recht dran glauben mag, wovon man redet.

Zugegeben: Wir wissen letztlich wenig über die letzten Dinge und können wieder mal nur im Rahmen eines begrenzten Sprechens, einer begrenzten Einsicht und begrenzter Bilder uns Vorstellungen bilden, in welche Bestimmungen das Schicksal des einzelnen Menschen wie der Geschichte münden kann. Dies wird auch eine jede neuscholastisch geprägte, ordentliche Dogmatik einräumen. Doch umso mehr sollte die Verkündigung doch gerade bei diesen letztentscheidenden Fragen dem Glauben der Kirche vertrauend folgen, statt die Windei-Eschatologeme der Greshakes und Kehls etc. etc. etc. zu propagieren.

Auf die Barmherzigkeit Gottes - für uns selbst und für unsere Mitmenschen - kann nur vertrauen, wer auch glaubt, daß aller Weisheit Anfang die Furcht des Herrn ist. Dann dürfen wir uns Wunder der Gnade erhoffen, geschenktes Leben für die Ewigkeit, für uns und für unsere Verstorbenen, für deren Heil wir - reich durch die Gnadenmittel der Kirche - eintreten können.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Simon und Thaddäus




Es gibt Heilige, über die wir herzlich wenig wissen, dazu zählen leider auch manche Apostel. Über die heiligen Apostel Simon und Thaddäus erteilt selbst das Breviarium Romanum zum heutigen Feststag nur dürre Auskunft:

"Simon aus Kana, der auch der Eiferer, und Thaddäus, der auch Judas, Bruder des Jakobus, im Evagelium genannt wird, Verfasser eines von den katholischen Briefen, durchwanderten als Prediger des Evangeliums, dieser Mesopotamien, jener Ägypten. Alsdann kamen sie in Persien zusammen, und indem sie zahllose Kinder Jesu Christo gewannen und den Samen des Glaubens in jenen ausgedehnten Gegenden den verwilderten Völkern ausstreuten, verherrlichten sie durch ihre Lehren und durch ihre Wunder und schließlich durch ein ruhmvolles Martyrium den heiligsten Namen Jesu Christi" (Mette, 4. Lesung).

Über die Zeiten hinweg hat die Volksfrömmigkeit ein großes Zutrauen zum hl. Judas Thaddäus gefaßt und ihn zum Schutzpatron in aussichtslosen Anliegen erklärt ... auch eine Möglichkeit, in der Geschichte Spuren zu hinterlassen.

Montag, 26. Oktober 2009

Neues aus der Konzilsgeistgemeinde


Noch wenige Tage bis Halloween!


Rom, Römer, am Römsten hat hier einen Strip-Generator aufgetan und rief Schwester Robusta ins Dasein. Ich habe mich auch mal daran probiert ... irgendwie ulkig, der Generator jedenfalls - über meinen "Erstling" mag man geteilter Meinung sein, trotzdem widme ich ihn aus gebebenem Anlass Elsa.

Ja, ja, so ist sie halt, die Klerisei!

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Wie es um die Zustände des deutschen Klerus bestellt sei, konnte man sich gestern im WDR-Tatort Tempelraub zu Gemüte führen: wohl alles Nieten, Nullen, Nattern und Nonnen.

Allda wären folgende dramatis personae:

Ein dahingemorderter Regens, dem die Drehbuchschreiber einen konservativen Habitus zumessen ... und der einer Schwangeren Geld in die Hand gedrückt hatte, damit sie das Kind eines Seminaristen abtreibt. Als der Regens die zwischenzeitlich erwachsene Tochter (Kirchenopfer 1) des zwischenzeitlich geweihten Priesters auf dem Friedhof trifft, giftet er sie an, warum sie nicht abgetrieben worden sei.

Der "zwischenzeitlich geweihte" Priester, der seit Jahren eine neue Flamme und zusätzlich einen Sohn hat (Kirchenopfer 2). Mit seiner Freundin fährt er einmal im Monat zu einer Selbsthilfegruppe für beweibte Priester nach Holland; ansonsten spielt man Verstecken und kompensiert das Leiden an der Kirche mit Geigenspiel.

Ein Seminarist, der nie und nimmer den Eindruck erweckt, als wäre es den Herausforderungen des Lebens gewachsen.

Eine Ordensschwester mit Hang zu übler Nachrede und Denunziantentum.

Positive Gegencharaktere? In diesem Tatort Fehlanzeige.
Der Gesamteindruck? Die haben alle entweder Dreck am Stecken oder einen an der Waffel.

Abgerundet wird der Cocktail durch einige bissige Bemerkungen des ermittelnden Beamten zur Existenz Gottes ... Und die Kirche stellt für so ein Machwerk offensichtlich großzügig Drehgenehmigungen in kirchlichen Einrichtungen aus. Der Münsteraner Beitrag zum Jahr des Priesters ...

Samstag, 24. Oktober 2009

Mein Freund, der Baum, ist tot

Manchmal schreibt man auf schönen anderen Seiten "Kommentare", die sich zu kleinen Beiträgen entwickeln, die man auch auf den eigenen Blog setzen könnte. Im konkreten Fall geht es um Überlegungen zur Amtseinführung von Kirchenmusikern, die Cäcilia anstellt, und die mich angeregt haben, einen gefakten Pressetext in die Kommentarspalte zu schmuggeln.

PS: Geistlichen stehe ich, als Urheber dieses fiktiven Gottesdiensttextes, mit Gestaltungsvorschlägen für Liturgiefeiern übrigens gerne zur Verfügung ... ;-)

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Abtreibung ist ok, aber bitte nicht rauchen!

In der Schweiz sind Zigarettenschachteln seit geraumer Zeit nicht nur mit Warnhinweisen, sondern auch mit sogenannten "Schockbildern" zur Rauch-Abschreckung versehen. Meist handelt es sich um gruselige Darstellungen ... Rauchergebiss, Raucherlunge etc.

Abgesehen davon, daß in so ziemlich allen europäischen Ländern in Sachen Nikotinprävention ein schwerer Interessenskonflikt zwischen den Finanz- und Gesundheitsministerien bestehen dürfte, was hier aber nicht unbedingt zur Debatte steht, ist mir eines dieser Warnbilder neulich besonders aufgefallen:

Es zeigt ein ungeborenes Kind, drumherum ist, graphisch sinnigerweise, alles pechschwarz. Das sieht dann etwa so aus. Sinngemäß lautet der Hinweis, daß Rauchen während der Schwangerschaft dem Kind schade.

Der Einsatz für die Kinder im Mutterschoß ist eine gute Sache. Vielleicht sollte man auch vor diversen Abtreibungsinstituten Warnhinweise mit Schockbildern anbringen. Wäre doch nur konsequent, oder ...?

Montag, 19. Oktober 2009

Konzilsgespenstisches im Altenheim

Früher gab's mal einen Konzilsbildband, dessen erste Seiten mittels Photostrecke etwas melodramatisch aufgemacht waren. Da wurden düstere Bilder aus der Welt von "Heute" (also annodunnemal) mit Bildunterschriftenen begleitet, sinngemäß etwa so ... in einer Welt von Hunger, von Krisen, von Krieg etc. etc. etc. das: ... Und wer dann umblätterte, sah ein Bild mit unzähligen Bischöfen aus aller Welt, die zum Konzil in den Petersdom einzogen. Diese Photostrecke würde ich heute gerne ergänzen. Zum Beispiel mit sowas:


Das ... ist ein weiteres Beispiel jener Kettensägenkunst, die sich in einigen Kapellen von Robbie's own country zwischenzeitlich einer gewissen Beliebtheit erfreut. In diesem Fall handelt es sich um die Kapelle eines noch recht frisch erbauten Altenheimes, die ich im Rahmen einiger Orgelvertretungen zu Gesicht bekam.

Ich wäre ja versucht, jetzt einen fiesen Witz zu reißen, so nach dem Motto: "Die Konzilsgeneration bekommt auch im Alter eine angemessene 'Sakral'-Architektur geboten" ... aber wenn ich mir hinter dem Orgelpositiv die Senioren in ihren Rollstühlen, mit ihren Gehwägelchen, mit ihren Gebrechen und all der körperlich bis geistigen "Altersarmut" anschaue, dann verbieten sich solche Gedanken. Die Kapelle verströmt jedenfalls etwa genauso viel Wärme, Trost und Geborgenheit wie die gesetzlichen Rahmenrichtlinien unserer Altenpflege. Gott ist dabei quasi abwesend, abgeschoben in ein unscheinbares Wandschränkchen. Auf der anderen Seite jener Wand befinden sich übrigens sanitäre Einrichtungen für Besucher des Hauses. Manchmal ist einem Gott sogar auf dem Scheißhaus näher, als man denkt.

Solche delikaten Details scheren natürlich keinen Architekten und keinen kirchlichen Sachverständigen. Bei letzteren wird mutmaßlich intellektuelles Ergötzen an der kapellesken Arte Povera verherrschen, sekundiert von einer Liturgiewissenschaft, die ja gerne den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Dummerweise wurde diese Kapelle - und ich glaube kaum, mich mit diesem Urteil zu weit aus dem Fenster zu lehnen - an den Interessen jener Menschen völlig vorbei gestaltet, denen sie als Raum der Gottesbegegnung dienen sollte. Sind ja eh' nur halb oder ganz demente Omis und Opis, die im Zweifelsfall nicht einmal die Kraft haben, davonzulaufen.

Wenn alles nix mehr hilft, hilft nur noch Maria. Und so bleibt die Mutter des Herrn in gewisser Weise einmal mehr der einzige Lichtblick inmittel eines Greuels der Bewüstung ...



PS: In der Nähe von Zollitsch City befinder sich ein Altar, der ehemals in einem Antoniterkloster stand. Die Antoniter kümmerten sich vor allem um die Kranken und Siechen ihrer Zeit. Die Bilder jenes Altares sollten den "Patienten" mit der Botschaft von Kreuz und Auferstehung Hoffnung und Kraft geben ... was für ein Unterschied!

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Heilige Theresia von Avila




Ihr Christen!

Nun ist es Zeit, euren König zu verteidigen und ihm in seiner großen Einsamkeit Gesellschaft zu leisten. Nur sehr wenige Vasallen sind ihm geblieben, während die Menge, die Luzifer begleitet, zahlreich ist.

Und was das Schlimmste ist: Sie zeigen sich in der Öffentlichkeit als seine Freunde, und insgeheim verkaufen sie ihn.

St. Theresia von Avila, Ausrufe der Seele zu Gott, 10.2

Sonntag, 11. Oktober 2009

Viva etc. ... Teil 3

"Unser" Zentralkomitee erfreut sich offenbar in der Blogozese keiner allzu großen Beliebtheit (was Wunder auch ...). Das wird nicht zuletzt daraus deutlich, daß eine angedachte Protestaktion zur selbstverständlichen Anmaßung dieses Vereins auf besonderes Wohlgefallen stößt. Angelegentlich sei betont, daß ein solcher Protest eine "Widerstands-Idee" - unter hoffentlich noch vielen anderen - ist, aber sich das gesamte Anliegen längst nicht darauf beschränken soll.

Trotz dieser (vordergründig einschränkenden, aber eigentlich Weite schaffenden) Note ein Häppchen Trost zu eben diesem Thema: Mitbürger im Land werden mit ihren Stellvertreterorganen auch nicht immer froh. So betonte der jüdische Historiker Michael Wolffsohn auf dem Hintergrund der aktuellen Sarrazin-Scharmützel im Tagesspiegel:

"Wenn der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland spricht, heißt es automatisch: „Der Zentralrat der Juden in Deutschland sagt“ – und damit sind es „die“ Juden. Gerade als deutscher Jude fühle ich mich durch Äußerungen dieser Art nicht vertreten".

Gefunden via Achgut.

Viva etc. ... Teil 2

"Die Geister, die ich rief ..."

... bedräuen mich etwas, ob ich da nicht zu vollmundig Erwartungen geweckt habe. Ich sehe mich jedenfalls nicht wirklich als "Revolutionsführer" (und dürfte auch kaum dazu taugen) ... ;-) Aber ich danke allen, die bislang schon die Werbetrommel gerührt haben oder noch rühren werden.

Jedenfalls bleibe ich bei meiner Meinung, daß es langsam Zeit wird für einen kleinen (?) Aufstand kirchentreuer Katholiken gegen die Verwässerung des Glaubens innerhalb der Institution Kirche und gegen jene Gleichgültigkeit der Gesellschaft dem Glauben gegenüber, die schleichend - und von interessierte Seite begünstigt - zunehmend in Glaubensfeindlichkeit umzuschlagen droht.

Allein ist das kaum zu schaffen; Gott sei Dank haben Teile der Blogozese aber schon angedeutet, daß man mitmischen will. Aber es müssen natürlich noch viel mehr werden, auch außerhalb der Blogozese.

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem lautet ein lateinisches Sprichwort: "Was immer du tun willst: Handle mit Bedacht und verliere das Ziel nicht aus dem Auge". Zwei Leitgedanken sollten anfangs Raum greifen, die sich gegenseitig ergänzen:

1. Beharrlichkeit
2. Nichts überstürzen

Ich hoffe, bis Ende nächster Woche einen eigenen Blog einzurichten zu können, der sich ausschließlich mit Ideen, Möglichkeiten und Strategien beschäftigen soll, wie die Angelegenheit angepackt und fortgeführt werden könnte. Auch die Grenzen eines solchen Projekts sollten angesprochen werden, denn es ist klar, daß dieser Protest letztlich der Kirche dienen und keineswegs ihr schaden soll. Nicht zuletzt ist auch Kreativität gefragt ...

Für diesen Blog suche ich übrigens einige Mitschreiber ... gemeinsam geht's besser; außerdem würde ich mich - das gilt für die ganze Aktion - auch nicht besonders wohl dabei fühlen, den Zampano zu geben. Einige haben zum Glück bereits signalisiert, daß sie mitmischen möchten.

Die Aktion braucht einen griffigen Namen! Wer hat eine Idee?

Eins noch: Einigen scheint der Gedanke zu gefallen, "unserem" Zentralkomitee einen vor den Latz zu knallen. Auch hier ist Besonnenheit Pflicht ... wenn der Verein am 3. November drei böse Briefe bekommt, lachen die sich wahrscheinlich nur schlapp.

Und das Wichtigste zum Schluß, entnommen der (ordentlichen) Liturgie des heutigen Sonntags, dem 28. im Jahreskreis:

Herr, unser Gott,
deine Gnade komme uns zuvor und begleite uns,
damit wir dein Wort im Herzen bewahren
und immer bereit sind, das Gute zu tun.
 

Samstag, 10. Oktober 2009

Viva la Revolución ...




In den letzten Tagen flatterte ein Text durch die Blogozese (bei Katholik und Alipius etwa), der es verdient, nochmals aufgegriffen zu werden. Ein Seminarist aus Nigeria, derzeit als Student im Stift Heiligkreuz, hält dem verschnarchten Eurokatholizismus eine Standpauke. "Jetzt ist die Zeit aufzuwachen, jeder soll auf seine Weise und in seinem Lebensumfeld sprechen. Lest! Schreibt! Sprecht laut!" gehört zu den Kernsätzen eines Beitrags, der sich stellenweise wie eine Brandrede liest. Wie auch das hier: "Laßt alle in eurer Umgebung merken, das ihr ein Christ ist. Wo seid ihr? Was seht ihr? Was hört ihr? Was wißt ihr? Sprecht laut!"

Der Verfasser spricht den einzelnen Christen an; und das ist kein Schaden. Das großartige Phänomen eines gelebten Glaubens ist nicht nur, aber auch nicht zuletzt der Glaube der vielen Einzelnen, die in ihrem Leben die Verkündigung - mehr als nur sprichwörtlich - beglaubigen. Darüber bedarf es keiner Diskussion.

Dieses "Beglaubigen" fällt allerdings leichter, wenn man sich in einer großen Gemeinschaft geborgen weiß, die geistig wie emotional Rückhalt bietet. Die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen tut dies, aber dieser Rückhalt ist eher geistlicher Natur. Auf die Kirche als Institution, die im Hier und Jetzt konkret den Rücken stärkt, die sich nicht schämt, ihre ganze Botschaft mit allem Mut und aller Zumutung der Welt zu verkünden, auf diese vielbeschworene "Ortskirche", ist hingegen kaum noch Verlass. Wer heute in seinem persönlichen Umfeld die Lehre der Kirche vertritt, muß damit rechnen, daß der nächstbeste Oberhirte tags darauf in der Zeitung eben diese Lehre relativiert und zwei Spalten später vor bösen Fundamentalisten warnt. Ein nicht geringer Teil der Geistlichen verkündet das Wort nur noch, wenn es gelegen scheint. Der Rest fällt unter den Tisch oder wird umgebogen, bis es gelegen dünkt.

Stehen wir also allein auf weiter Flur? Ja und nein. Nein, weil sich etwa in der Blogozese Katholiken versammelt haben, die sich gegenseitig stärken können. Ja, weil es meiner Meinung nach in Deutschland (wie in anderen Ländern) an einer wachen und schlagfertigen katholischen Bewegung fehlt, die über einen ansehnlichen Mitgliederstamm verfügt und sich nicht so schnell ins Boxhorn jagen lässt. Ich meine damit eine, das klingt jetzt etwas eckig, Art "Katholiken von unten für eine Kirche von oben". 

Man mag einwenden können ... gibt es denn nicht das Forum deutscher Katholiken? Und was ist mit den Intiativkreisen? Und den ganzen Missa-tridentina-Truppen? Und was ist mit dem Opus Dei? Oder mit Communione e liberazione?

Hand auf's Herz! Vom Forum höre ich in der Regel nur etwas, wenn der jährliche Kongress über die Bühne geht, danach herrscht deutschlandweites Schweigen im Wald. Die Initiativkreise scheinen bis auf wenige Ausnahmen scheintod zu sein. Missa-tridentina-Gruppen mag ich herzlich, aber oft sind sie schon zufrieden, wenn das Ordinariat eine regelmäßige Messe genehmigt (jeden 29. Februar um 5.55 Uhr in der St. Nimmerlein-Kapelle auf dem hohen Buckel; Messe entfällt, wenn der 29. auf einen Sonntag fällt). Ist die Messe genehmigt, hält man Burgfrieden, ehe dem Ordinariat eine weitere Einschränkung einfällt (Teilnahme nur bei gleichzeitigem Bekenntnis zur Handkommunion?). Opus Dei und Communione scheinen mir wiederum schon zu eigen - die dort gelebte Spiritualität ist nicht jedermanns Sache.

Eigentlich schwebt mir ohnehin etwas "Rebellischeres" vor, eben ein kirchentreues Pendant zu all jenen Vereinigungen und Initiativen, die gerne öffentlichkeitswirksam ihre Leiden an der Kirche inszenieren. Von denen kann man immerhin was lernen. Pressure-Groups bilden, Druck machen, für Aufsehen sorgen: Zeigen, daß es auch Katholiken gibt, die auf Kirche als Zeitgeistverein pfeifen. Die dem kirchentreuen Katholizismus in Deutschland eine Stimme geben, die nicht überhört werden kann. Die durch pfiffige Aktionen aufmerksam machen, aber vernünftig genug sind, nichts zu unternehmen, was den anderen leicht Gelegenheit bietet, sie in die Fundi-Ecke zu schieben.

Man stelle sich folgendes vor: 2.000+ Katholiken würden am 2. November 2009 einen Brief an ein bestimmtes Zentralkomitee abschicken, in welchem sie es sich für die Zukunft eindeutig verbitten, weiterhin nominell von einem Gremium vertreten zu werden, welches sie nie demokratisch legitimiert haben und dessen Stellungnahmen häufig bis meist weder dem eigenen katholischen Glaubensverständnis entsprächen noch jenem der Kirche. Das wäre doch schon ein guter Anfang ...

Nebenbei: Solche katholisch subversiven Aktionen wären mit dem Forum kaum zu machen, da dort immerhin konservativere Teile der Hierarchie eingebunden sind, die solche Scharmützel gegen ganz bestimmte Phänomene des Germano-Katholizismus kaum mittragen könnten, zu groß wäre die Zerreißprobe.

Nehmen wir noch ein anderes Beispiel: Tridentinische Messen werden gelegentlich mit der Begründung abgelehnt, daß zuerst für den normalen Pfarrgottesdienst Sorge getragen werden müsse. Das kann man akzeptieren. Dann aber erwarte ich auch von den zuständigen Ordinarien, daß sie dafür Sorge tragen, daß allerorten dieser "normale Pfarrgottesdienst" (anhand der liturgischen Vorschriften) gehalten wird. Wenn Priester irgendwelche Larifari-Messen veranstalten wollen, dann sollen sie dafür zusätzliche Gottesdienste anberaumen und meinetwegen ihren liturgiefreien Tag opfern. Auch hier könnte man den Verantwortlichen mal einheizen. Es müssen nur genug sich finden, die mitmischen ... oder wie das ganz zeitgemäß heißt: Sich einmischen.

Sätze wie "Kirchentreue Katholiken müssen zu einem ernsten Machtfaktor in der katholischen Kirche Deutschlands werden" sind zugebenermaßen etwas degoutant, denn ein anderer Machtfaktor als vorrangig Christus und dessen römischer Vicarius kann es in der Kirche eigentlich kaum geben. Aber da sich andere darum nicht scheren und ehe andere Macht an sich reißen, gilt es meines Ermessens ernsthaft zu überlegen, wie gegengesteuert werden kann. Vom Episkopat ist, fürchte ich, jedenfalls nicht viel zu erwarten. Oder vielleicht bräuchte so mancher Bischof sogar eine konservative Rebellentruppe im Rücken? 

"Sprecht laut!" ... je mehr Stimmen, desto lauter der Chor.

Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat - Viva la Revolución ;-)

Was denkt ihr? Sind diese Gedanken angemessen? Berechtigt? Sinnvoll? Läßt sich damit etwas bewegen? Und wenn ja, wie sollte man es anpacken?

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Mehr Rosenkranzfest!

          



Es wird Herbst ... recht spontan bin ich heute noch zur Vesper nach St. Lioba (die Benediktinerinnen von der hl. Lioba hatte ich hier schon einmal auf dem Blog) losgezogen und habe mich danach noch im Kräutergarten umgesehen. Dabei sind u.a. einige "Hummelbilder" herausgekommen. Die Vesper selbst war überraschend schön, die Schwestern scheinen das Rosenkranzfest etwas feierlicher zu begehen als die Restkirche: Psalmen aus der Sonntagsordnung, gregorianischer Choral etc. Warum der dritte Psalm plötzlich von einer Schwester auf Deutsch gelesen (!) wurde, mag ein Geheimnis des Konvents sein, danach gings weitestgehend in der Kirchensprache weiter, das Capitulum und die Preces einmal ausgenommen. Als Vesperale diente eine geringelbuchte Lose-Blatt-Sammlung, aber ich habe heute schon genug über die reformierte Liturgie gemeckert, irgendwann reichts auch wieder. Immerhin entführte das Offizium, nicht ganz so ausgedörrt wie das der Weltkirche, in Mariens schönen Garten ...










Zum Rosenkranzfest




Zum Rosenkranz hatte ich vor einiger Zeit bereits einen Eintrag; es handelte sich vor allem um eine Passage aus Franz Werfels Roman Das Lied von Bernadette. Heute ist der rechte Tag, sie nochmals aus dem Blogarchiv hervorzuheben, und so möchte ich Werfels Gedanken jedem ans Herz legen ... (und nicht nur diese, Werfel lesen lohnt auch sonst, vielleicht schreibe ich zum Ende des Kirchenjahres mal was über Stern der Ungeborenen).

Ansonsten wäre ich in Versuchung, auf diesem Blog noch eine neue Reihe zu eröffnen, unter dem Titel NOB (= Novus Ordo Bashing). Denn was die Liturgiereform vom wunderschönen Offizium des Rosenkranzfestes übrig gelassen hat, ist eine, sorry sancta mater ecclesia, Zumutung. An Stelle des schönen Tagesgebetes alter Ordnung, welches das Festgeheimnis inhaltlich tief und stilistisch fein ziseliert auslotet und das ja nicht nur die Messe, sondern auch die einzelnen Horen prägt, rückte die Bugnini AG offenbar jenes Gebet ins Zentrum des Offiziums, das jeder vom Angelus her kennt kennt: "Allmächtiger Gott, gieße Deine Gnade in unsere Herzen ein" ...

Ja, auch eine schönes Gebet, keine Frage, aber im Vergleich zum Text des außerordentlichen römischen Ritus kommt es eben als Allerwelts-Oratio daher, paßt irgendwie immer und überall. Wahrscheinlich mußte mal wieder irgendeine Kongruenz zum Evangelium als Grund herhalten.

Und während das Breviarium Romanum zum "Rosen"kranzfest im Stundengebet mindestens die halbe alttestamentarische Flora in den Dienst der "Rosen"kranzkönig stellt, wirken die Texte in der Liturgia Horarum lieblos zusammengepfriemelt. Die ganze Poesie ist im Eimer - das liturgiereformatorische Rumtrampeln zwischen an Wasserbächen gepflanzten Rosen, Lilien, Zedern, Terebinthen etc. etc. etc. ist eindeutig ein Fall für Martin Mosebach: Flores apparuerunt in terra nostra ...? Ja, das war mal, bis die Reform den Garten "beackert" hat.

Was mich zudem mopst: Das Rosenkranzfest wurde vor dem Konzil zuletzt als Fest zweiter Klasse gefeiert, also mit Gloria und Credo in der heiligen Messe. Übrig geblieben ist heute der Rang einer Memoria ... unter säkularem Blickwinkel würde man das dröges business as usual nennen. Angesichts der Tatsachen, daß in den Tiefenschichten des Rosenkranzes die Feier des gesamten Heilsmysteriums steckt, daß der Rosenkranz eine wichtige Rolle in der Kirchengeschichte spielte und daß das Rosenkranzgebet sicher zu den besonders bedeutenden außerliturgischen Andachtsformen der Kirche zählt(e, zumindest bis zum Konzil), angesichts also dieser vielfältigen Ebenen des Rosenkranzgebets ist die Einordnung als bloße Memoria eine sehr bedenkliche Entscheidung. So untergräbt man Volksfömmigkeit.

Wenn man schon aus einem Garten einen Acker macht, dann sollte wenigstens der ordentlich bestellt werden.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Schönelinkeweltteileinz

         
Ach du großer Weltgeist, was haben die Menschen auf ihrem Weg zum Paradies auf Erden nicht schon alles hinter sich gelassen: Die Sklavenhaltergesellschaft, die Feudalgesellschaft, die Bürgergesellschaft mit ihrem kapitalistischen Scheinglück. Und den Sozialismus. Nun ja, letzterer wurde von den undankbar Betroffenen ziemlich bald gegen die Vorgängergesellschaft, Scheinglück inklusive, eingetauscht. Und was haben die jetzt davon? Hartz IV ... gebeuteltes Aldi-Prekariat statt stehende HO-Kunden. Dauernd Billig-Bananen statt delikater Seltenheiten.

Aber klar, die Fortschrittskurve hat einen kleinen Knick bekommen. Doch wer von der Sache überzeugt ist, den ficht das nicht an. Auf dem Weg der Verheißung in den Kommunismus kann man sich den Sozialismus nämlich auch sparen.

Wie das? Eine "links-emanzipatorische" Weltanschauung macht's möglich! Nie um eine alternative Rede verlegen, wenn die super Ideen von Marx und Engels und Lenin und Stalin und Mao und Pol Pot wieder mal nicht so funktionieren, wie es ihre Propheten einst verkündeten, verlegt man sich auf das, was den Menschen gefällt: Freiheit! Warum sich auch mit den Details des Weges aufhalten, wenn das Ziel toll tönt? Grau ist alle Theorie, doch grün des Lebens roter Baum: Keine Repression! Kein Gott, mit dessen Gespinst sich Unterdrückungsmechanismen institutionalisieren lassen! Kein Staat, der Unterdrückungsmechanismen institutionalisiert! Kein Patriarchat! Klassenlose Gesellschaft! Toll. Die Menschen werden immer besser.

Ist ja auch klar, weil wir alle total vernünftig werden. Weil die Welt ein globaler Freiraum sein wird, ein großes Autonomes Zentrum, ein gewaltiger Wagenplatz, ein immerwährendes D.I.Y.-Festival mit veganer Volxküche, ein überquellender Umsonstladen: Alles für alle und alles gleich jetzt. Und man kann sofort mit der Umsetzung anfangen, selbst in der finster marktradikalen BRD. Voll praktisch: Eine alternative Welt leben, praktisch unterstützt von Aldi, Lidl, Penny, der Uniklinik, dem öffentlich Nahverkehr und dem nächstgelegenen Müllentsorger. So geht Autonomie. Klasse.

Das macht uns künftig so froh, daß wir uns selbstverständlich nach Talent - aber vor allem nach Lust und Laune - für und in das Ganze einbringen werden, ohne assozial nach jenem Mehrwert zu fragen, den die Kapitalisten Profit nennen. Schließlich wissen wir, daß aller Mehrwert auch unser Mehrwert und aller Fortschritt auch unser Fortschritt sein wird, wie das bereits die sozialistische Wandzeitung wußte, ehe deren Leser den Sozialismus samt Zeitung in die Tonne traten. Aber der war ja auch "links-totalitär" und daher mangelhaft. Jetzt geht's "links-emanzipatorisch" völlig andersrum. Funktioniert garantiert!

Und wer nicht solcher Meinung ist, kriegt eine auf's Maul oder wird zumindest verbal kräftig angerotzt, selbstverständlich - "Christen fisten" - ganz demokratisch kulturell. Oder kriegt eine brennende Bibel vor die Füße geschmissen. Und wird zum Lebensschützertroll erklärt.

Denn merkt auf und habt acht: Freiheit geht auf dem Weg zu repressionsfreier Generalbeglückung nur unter Anwendung repressiver Toleranz, Andersdenkende dürfen bestenfalls Ähnlichdenkende sein. Und Rosa Luxemburg hätte mal besser ähnlich wie später Marcuse denken oder die Klappe halten sollen.

Montag, 5. Oktober 2009

Verlust

Der aus dem Urlaub zurückgekehrte Fortes-fide hat festgestellt, daß uns Sponsa Agni abhanden gekommen ist. Offenbar weiß Olifant - kommentierenderweise - etwas über das Verschwinden von Sposa Agni, was wir en detail nicht wissen müssen. Ich hoffe nur, daß nichts "Ernstes" dahinter steckt: Ich helfe gerne mit Gebet oder wie ich es sonst vermag, sofern notwendig ...



Die Blogozese wächst nicht nur, ab und an wird sie auch ein Stück ärmer, leider. So bleibt mir nur, Sponsa Agni für Ihren Blog zu danken und zu hoffen, daß selbiger vielleicht eines Tages neu aufblüht.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Zum Erntedank




Quam multa sunt opera tua, Domine!
Omnia cum sapientia fecisti:
plena est terra creaturis tuis.

Wie zahlreich sind, Herr, Deine Werke!
Sie alle hast Du mit Weisheit geschaffen:
Erfüllt ist die Erde von Deinen Geschöpfen.

(aus Psalm 103)



Der Erntedanktag weckt in mir immer zwiespältige Gefühle ... oder sollte man nicht eher sagen: das schlechte Gewissen? Natürlich ist es würdig wie recht, Gott für seine Gaben zu danken und Freude an ihnen zu haben. Und natürlich sind Erntedankaltäre dekorativ obendrein. Auch zähle ich mich eigentlich nicht zu den Gutmensch-Spaßbremsen, die jeden sinnvollen und schönen Brauch mit tausend Bedenken hinterfragen müssen. Doch beschleicht mich an Erntedank auch der Eindruck, daß der ganzen Veranstaltung etwas fast Verlogenes anhaftet. Zu Erntedank geben wir uns gerne der hübschen Illusion hin, daß mit unserem täglichen Brot und der Art, wie wir es produzieren, alles in bester Ordnung sei. Da sind die Bauern zufrieden, die Kühe glücklich, die Schweine froh und die Hühner munter. Dabei hat das meiste, was wir uns Tag für Tag zwischen die Zähne schieben, mit dieser Vorstellung wenig gemein. Intensivwirtschaft sorgt für eine Fülle, bei der wahrscheinlich ein Drittel entweder weggeschmissen oder so billig in arme Länder verramscht wird, daß die Bauern dort auf ihren Ernten und Erzeugnissen sitzen und folglich allzuoft konsequent arm bleiben. Gott dafür zu danken, daß wir Tag um Tag satt werden, ist, finde ich, nur ehrlich, wenn uns diese Ungerechtigkeit als Stachel im Fleisch sitzt. Die Forderung nach Gerechtigkeit in der Welt sollte man nicht nur den Linken überlassen. Die Zeit ist überreif für eine echt katholische Variante einer "Befreiungstheologie", die Orthodoxie und Orthopraxis auf einen gemeinsamen Nenner bringt: damit wir die irdischen Güter so gebrauchen, daß wir die himmlischen nicht verlieren.

Freitag, 2. Oktober 2009

Heilige Schutzengel




Auch wenn es wieder einmal mehr ein rein deskriptiver Text ist und man der ganzen Thurmairei im Gotteslob durchaus kritisch gegenüber stehen mag: Ein Lied von Maria Luise hat es mir sehr angetan, GL 607, und davon vor allem die letzte Strophe ...

Laßt uns zum Engel schauen,
wenn auf dem letzten Gang
durch Todesnot und Grauen
wird unserm Herze bang.
Er wird die Flügel breiten
und uns aus dem Gericht
in Frieden heimgeleiten
vor Gottes Angesicht.

Wer mehr auf Traditionelles vom Schlag Du mein Schutzgeist, Gottes Engel (inklusive dem berüchtigt zugereimten "Tal der Mängel") steht, dem möchte ich (denn hin und wieder fleußt auch mein Herze gerne im Schmalz) jene aufwühlend-betörende Schutzengel-Hommage mit Mario Lanza anempfehlen ...

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Unverbindlichkeit im Angebot




Derzeit besuche ich eine Katechesereihe zur Eschatologie, die unter dem Motto Schluss mit lustig? Christsein im Angesicht der "letzten Dinge" von Dominikanern gehalten wird. Die Brüder laden alle zwei Wochen zu einem rund einstündigen Vortrag samt Aussprache. Der Zyklus hub an mit der Katechese "Deckel zu, dann ist Ruh?" - der Tod und fand gestern mit dem Thema "Ich will so bleiben, wie ich bin?" - die Auferstehung des Fleisches seine Fortsetzung. Die nächsten vier Abende widmen sich Gericht, Fegfeuer, Hölle und Himmel.

Man darf es den Dominikanern ruhig anrechnen, daß sie diese Themen ansprechen; im Rahmen der üblichen Kumbajah-Verkündigung fällt schließlich manch Unbequemes unter den berüchtigten Tisch des Wortes. Andererseits scheinen mir die Abende - soweit man das bislang sagen kann - bezeichnend für das, was ich hier mal Unverbindlichkeit im Angebot nennen möchte.

Ich würde zum Beispiel erwarten, daß in diesen Katechesen deutlich die Lehre der Kirche umrissen und - ohne daß die Sache in theologische Vorlesungen ausartet - zumindest ansatzweise begründet und meinethalben dann auch auf dem Hintergrund anderer theologischer Entwürfe diskutiert wird. Statt dessen aber sieht sich der Hörer mit vielfältigen Ausführungen konfrontiert, die den jeweiligen Themenschwerpunkt von dieser und von jener Seite beleuchten - was die Kirche glaubt, was allgemeine theologische Reflexion oder vielleicht auch nur die persönliche Meinung des Predigerbruders ist, bleibt dabei oft nebulös. Was nutzen mir Katechesen, wenn ich hinterher doch wieder zur Schmaus-Dogmatik greifen muß, um nachzulesen, was nun Sache ist? Ich gehe schließlich nicht hin, um aufregende Neuigkeiten zu erfahren, sondern weil ich hoffe, daß eine lebendige Verkündigung all das aus der Besenkammer des Alltagsglaubens wieder ins aktuelle Licht meiner Lebenswirklichkeit rückt, wovon ich denke, daß es die Lehre der Kirche ist (auf deren Erfahrungsschatz und Kompetenz ich mich immer noch lieber verlasse als auf Einfälle der neueren Universitätstheologie). Schmaus hin, Schmaus her: Glaube, der lebendig macht, kommt eben doch gerne vom (Zu-)hören bei glaubwürdigen Zeugen und erst dann vom Nachlesen in einem muffeligen Buch (meine Ausgabe muffelt tatsächlich irgendwie, muß an der unterprächtigen Papierqualität liegen).

Natürlich kann man einwenden, daß die Kirche bei der Eschatologie selber stellenweise im Nebel stochert - aber umso wichtiger wäre es doch, wenigstens jene Lampen an Glaubenssätzen deutlich zum Strahlen zu bringen, die etwas Orientierung bieten. So aber geht man nach Hause, im besten Fall schlau als wie zuvor, aber nicht wirklich aufgeweckt, im weniger guten Fall eher etwas irritiert, im schlechtesten Fall desorientiert. Das kann's nicht sein.

Um das zuletzt an einem Beispiel zu illustrieren: Der erste Vortrag kam auf die Frage nach der Vorbereitung auf den Tod zu sprechen, und der Dominikaner brachte die Vorstellung einer ars moriendi ins Spiel, einer Lebenskunst, die man mit Blick auf den eigenen Tod und zu dessen Vorbereitung pflegen könnte. Schön gesagt. Als dann die Frage kam, wie heute eine solche ars moriendi aussehen könnte, kam aber keine gescheite Auskunft. Im Auditorium dachte jemand an das Sterben von Johannes Paul II., aber das dürfte kaum allgemeinkompatibel sein. Dabei liegt die Antwort nahe: Zur ars moriendi des Christseins im Angesicht der letzten Dinge gehört der Empfang der Sakramente oder der Versuch, ein geistliches Leben zu führen. Selbst der zweite Teil jedes Ave-Maria ist - nicht zuletzt - die Einübung einer ars moriendi: jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Mittwoch, 30. September 2009

Sankt Hieronymus




Da der heilige Hieronymus einem dahergelaufenen Löwen einen Dorn aus der Pfote gezogen hat, scheint das Fest dieses Kirchenvaters vor allem bei Katzenfans besonderen Zuspruch zu finden (ganz deutlich zum Beispiel hier). Ich halte zwar keine Katze, mag die Stubentiger aber gut leiden, wenn sie draußen herumliegen. Und immerhin habe ich eine Stoffkatze, die mir mal zu Schulzeiten verehrt wurde und den Namen Enzücklika trägt.

Ferner bin ich der Meinung, daß Katzen, also die echten, dringend einen eigenen Schutzpatron benötigen. Die vielen Katzensteckbriefe, die mich fragen, ob ich nicht zufällig Miez irgendwo gesehen hätte, und mich auffordern, im Keller zu forschen, ob nicht Mauz darinnen kläglich eingesperrt sei, lassen darauf schließen, daß der heilige Franziskus mit kätzerischen Eskapaden eindeutig überfordert ist.


Hieronymus wäre sicher der richtige Heilige dafür, schließlich sagt man ihm einen etwas kratzbürstigen Charakter nach.

An besonders geschmeidige Katzen sind auch die folgende Ausführungen des heiligen Hieronymus zum 5. Kapitel des Ev. Matthäi gerichtet. Es geht dabei um die Worte vom Licht der Welt und den Scheffel, unter den man das Licht nicht stellen soll usw. Der Herr mahne "zum Vertrauen beim Predigen, auf daß die Apostel sich nicht aus Furcht verstecken, und einem unter den Scheffel gestellten Licht gleichen, sondern daß sie mit dem ganzen Freimut sich zeigen". Und an wen richten sich diese Worte? An die Bischöfe, unsere aktuellen Episkopen inbegriffen: Alles für die Katz' ...!?!

Dienstag, 29. September 2009

Sankt Michael




Wer ist wie Gott? ... Die Frage mag uns der Engel in Erinnerung rufen, wenn wir uns fragen, warum unser Leben so und so über die Bühne geht, obwohl es doch viel besser und sicher auch Gott gefälliger wäre, wenn uns dies und jenes widerführe.

Wer ist wie Gott? ... Die Frage mag uns der Engel in Erinnerung rufen, wenn wir uns fragen, wie all das eigentlich zusammengeht, was wir glauben und glauben sollen, obwohl es doch viel besser und sicher dem Verstehen eingängiger wäre, wenn Gott auf diese oder jene Weise zu uns gesprochen hätte.

Wer ist wie Gott? ... Die Frage mag uns der Engel in Erinnerung rufen, wenn wir wieder einmal dabei sind, uns unseren Gott nach unserem Bild und Gleichnis zu schaffen, weil uns ein Gott nach dem Bild der Menschen viel realistischer und ... menschlicher ... scheint.

Wer ist wie Gott? ... Der Engel, der uns diese Frage immer wieder gestellt hat, möge am Ende des jetzigen Weges für uns eintreten und die letzten Schatten in und um uns niederringen. Und dann führe er uns aus den vielen Fragen unseres Lebens zu der einen Antwort.

Sed signifer sanctus Michael
repraesentat eas in
lucem sanctam.

Montag, 28. September 2009

Orgelmusik: Alles Deko, oder was?




Seufz! Als Organist hat man es nicht immer leicht, in der außerordentlichen Form des römischen Ritus gleich zweimal nicht. Choralmessen, Kirchenlieder, Akklamationen, womöglich auch das Proprium - alles will begleitet werden, zeitweilig ohne Verschnaufpause hintereinander weg. Natürlich gehört ein "tridentisches" Hochamt zu jenen Herausforderungen, die Spaß machen, zumal man sich irgendwann eine ordentliche Portion Souveränität aneignet und einem so schnell nichts aus der Bahn wirft. Zudem öffnet die "alte" Messe Zeiträume, in denen sich die Orgel, handle es sich um Literaturspiel oder Improvisation, entfalten kann. Im Vergleich zur "Gabenbereitung" ordentlichen Zuschnitts dauert ein "altes" Offertorium mit Weihrauch und allem Drum und Dran eine kleine Ewigkeit. Man muß nicht fürchten, daß der Priester nach drei Akkorden schon für das Gabengebet in den Startlöchern steht. Also alles heile Welt?

Leider nein, denn in traditionsfreudigen Kreisen wird Orgelmusik im Gottesdienst oft als nette Deko betrachtet. Und nur als nette Deko. Entsprechend geht man damit auch um.

"Können Sie am Schluß nur kurz spielen?" ... wurde ich heute in St. Anton gebeten. Es müsse noch etwas angesagt werden - wohlgemerkt, nicht vom Priester, sondern von einem Laien. Natürlich kann ich kurz spielen. Aber irgendwie erinnerte mich das an ähnliche Erlebnisse in anderen altrituellen Gottesdiensten, wo nach der Messe auch dann und wann plötzlich jemand vorne erschien und noch irgendwas ansagen mußte. Und wehe, der Organist hat das nicht gemerkt ... zunehmend empörte Blicke in Richtung Orgel ... psst ... psssst ... psssssssst. Ähnliche Widerfahrungen ließen sich auch aus der einen oder anderen Messe benennen, wenn dieses oder jenes Orgelstück halt mal noch fünf Takte Zeit brauchte. Meistens sind es dann die besonders Frommen, die meinen, für den rechten Ablauf des Gottesdienstes Sorge tragen zu müssen. Mit Priestern hatte ich wegen fünf (oder auch zehn) Takten bisher nämlich noch nie ein Problem.

Zur Klarstellung: Selbstverständlich ist die Musik Dienerin in der Liturgie. Selbstverständlich wähle ich Orgelliteratur so aus, daß der zeitliche Rahmen beim Offertorium, beim Kommuniongang möglichst nicht gesprengt wird. Selbstverständlich gebe ich mir Mühe, bei Improvisationen innerhalb der Litugie auf den Punkt fertig zu werden. Selbstverständlich weiß ich, daß das Wesentliche in der heiligen Messe am Altar vollzogen wird und nicht auf der Orgel. Und selbstverständlich weiß ich, daß alles im Gottesdienst, und damit auch die Musik, von diesem Wesentlichen sein Maß empfängt. Und durch dieses Wesentliche geheiligt wird. Und dieser letzte Gedanke ist mir so wichtig, daß ich ihn gleich nochmals wiederholen möchte:

Die Musik wird durch die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers geheiligt. Vom Altar her empfängt sie - ganz konkret - innerhalb der heiligen Messe eine ganz eigene Würde. Da muß man garnicht lange irgendeinen Kunstbegriff ins Feld führen, um zu erklären, daß es gegen die Kunst verstoße, bei einer Bachschen Choralbearbeitung einfach die letzten fünf Takte wegzuschnippeln. Die Musik ist in diesen Augenblicken geheiligt durch das, was sich in diesen Augenblicken an Wesentlichem vollzieht. Weil sie geheiligt ist, verdient sie auch Respekt, solange sie das ihr zugemessene Maß ihrerseits grundsätzlich nicht über den Haufen wirft. Daß die Güte von Inhalt und Form der Feier der heiligen Liturgie entsprechen muß, versteht sich dabei von selbst.

Weil die Musik - ob Gregorianik, ob Kirchenlied oder "nur" Orgelmusik - vom Altar her ganz konkret Heiligung erfährt, ist sie mehr als nur Dekoration, die man nach Belieben und aus mehr oder weniger wichtigen Gründen andrehen oder abwürgen kann. Das gilt auch für das Postludium.

Samstag, 26. September 2009

Die außerordentliche Wahlempfehlung ...

... des römischen Ritus ist ebenso eindeutig wie das Wort unserer Bischöfe. So fiel vorhin mein Blick schonmal auf jene Magnificat-Antiphon zur ersten Sonntagsvesper, die dem Wochenlauf zu entnehmen ist und in diesem Jahr dem 17. Sonntag nach Pfingsten zufällt. In der Matutin zur beginnenden fünften Woche im September hebt die Lektüre des Buches Judith an - passend zum Anfang also in der ersten Vesper zum morgigen Sonntag:

Adonai, Domine, Deus magne et mirabilis,
qui dedisti salutem in manu feminae,
exaudi preces servorum tuorum.

Herr und Gott, gewaltig und wunderbar,
Du hast die Rettung in die Hand einer Frau gelegt;
erhöre die Gebete Deiner Knechte.

Heißt das jetzt, daß Merkel morgen gewinnt? Oder wäre das eher ein Gebet für Steinmeyer, daß ab morgen - die Frau war je schon dran - die Rettung in seine Hand gelegt werde? Oder beten die Knechte, weil Gott die Rettung in die Hand einer Frau gelegt hat, aber keiner so recht glaubt, daß das was bringt?

Die Oration vom 17. Sonntag nach Pfingsten, welche für die Vorabendvesper heranzuziehen ist, bringt auch nicht mehr Licht in diese speziellen Fragen, fällt aber klassisch kurz aus:

Da quaesumus, Domine,
populo tuo diabolica vitare contagia:
et te solum Deum pura mente sectari.

Gewähre Deinem Volk, Herr,
teuflischen Zugriffen aus dem Weg zu gehen,
und nur Dir als einzigem Gott mit reinem Sinnen zu folgen.

Scheint mir immerhin eine klare Aufforderung zu sein, unter den bisher im Bundestag vertretenen Parteien auf jeden Fall den Grünen und der Linkspartei aus dem Weg zu gehen ... was die drei anderen anbelangt, da bin ich noch am Grübeln.

Nachtrag: Eigentlich bedenklich, wenn man schon anfängt, im Brevier nach Erleuchtung im Angesicht des Wahlzettels zu suchen ...

Und nochwas: Nach dem alten Kalender fällt das Fest der Heiligen Cosmas und Damian, ihres Zeiches bekanntlich Mediziner, auf den morgigen Sonntag. Hoffentlich brauche ich keinen Arzt, wenn die ersten Hochrechnungen kommen ...

Donnerstag, 24. September 2009

Das Stundengebet sollte kein Bastelbogen sein

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Zufriedenheit, nachdem man das Gebetbuch zugeklappt hat, ist sicher keine wesentliche Kategorie, wenn es um, nennen wir es mal: gelingendes Beten geht. Sicher, ein zerstreut zusammengemurmelter Rosenkranz, eine durchgeflogene Laudes, eine Danksagung, in deren Zentrum vor allem der Vorsatz steht, sich nächstens beim Bäcker keinen altbackenen Streusel mehr andrehen zu lassen, lassen uns, weil weder der Geist noch das Fleisch wirklich willig waren, bedröppelt zurück. Wenn hier von Zufriedenheit die Rede ist, dann meine ich aber nicht die erfreut zur Kenntnis genommene Abwesenheit menschlicher Fehlleistungen, sondern eine ganz eigene positive Stimmung, aus dem Gebet besonders leckeren Nektar gesogen zu haben.

Für mich stellt sich das zum Beispiel gerne ein, wenn ich mich am Breviarium Romanum vergreife. Um mit leichter Änderung ein Kirchenlied zu zitieren: "Mein ganzes Herz erhebet" sich, wenn ich mir vorstelle, daß ich mich mit meinem bescheidenen Beitrag in das große Gebet der Kirche einfügen kann, daß ich in diesen gewaltigen Strom aus Psalmen, Schriftworten, Hymnen, Orationen, Lesungen, Antiphonen etc., der sich seit Jahrhunderten über Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt ergießt, sozusagen hineinspringen kann: Eine besondere stabilitas gewinnen diese Gedanken für mich durch die früher selbstverständliche Einsicht, daß sich die eine Kirche nicht nur im übertragenen Sinn, sondern wortwörtlich una voce betend artikuliert. Daß zum Beispiel rund um den Erdball mit geradezu eherner Intensität an der Schwelle der heraufdämmernden Nacht immer wieder der eine Hymnus angestimmt wird: Te lucis ante terminum, rerum creator poscimus, ut pro tua clementia sis praesul et custodia ... Tut sie aber leider nicht mehr. Zumindest nicht mehr so, daß ich (in oben beschriebenen Sinn) "zufrieden" bin, wenn ich die Liturgia horarum aus der Hand lege.

"Welch wundervolles Schauspiel bietet dem Himmel und der Erde die betende Kirche, wenn ohne Unterlaß Tag und Nacht die unter göttlicher Eingebung niedergeschriebenen Psalmen gesungen werden, wenn keine Stunde des Tages gezählt wird, die nicht durch ihre eigene Litugie geweiht wäre, wenn jedes Lebensalter seine Rolle hat beim Dank-, Lob-, Bitt- und Sühnegebet dieses gemeinsamen Flehens des mystischen Leibes Christi, der Kirche" (Pius XI.).

Wie schon öfter angedeutet, bete ich hin und wieder die Laudes mit einem Geistlichen und hantiere somit auch mit dem heute "ordentlichen" römischen Stundengebet. Um mich darüber hinaus mit diesem "Ritus" vertraut zu machen, greife ich auch privat gelegentlich zu diesem Buch. Aber es keckst mich schlicht und einfach schon an, wenn ich, wie vor einigen Tagen am Fest des hl. Januarius, mir aussuchen soll, ob ich lieber auf das Kommune unius martyris oder das Kommune pastorum zugreifen will. Wenn ich dann noch daran denke, daß sich jede Bischofskonferenz auf Grundlage des andauernden römischen Entweder-Oder nochmals ihr eigenes Stundengebet basteln kann (mit teils schauderhaften Ergebnissen), so tritt für mich an die Stelle der stabilitas eine höchst amorphe Gebetsmasse, bei der letztlich jeder macht, was er gerade gut und schön findet. Vielleicht bin ich da etwas zu statisch gepolt, vielleicht muß der mündige Christ in mir erst noch wachgeknutscht werden, vielleicht habe ich bisher auch schlicht nicht genug Glückskekse gefuttert:

Aber Liturgie stelle ich mir als etwas Verlässliches vor, als etwas, das sich - ganz handfest - als das eine ordnendes Wort über das vielstimmige Chaos dieser Welt erhebt und damit zugleich Einheit und Halt stiftet im ... und zum ... Lob Gottes.