Donnerstag, 30. Juni 2011

Post für Edeka

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Sehr geehrte Damen und Herren
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Nachdem ich unter ihren Marketingmaßnahmen für die Kooperation zwischen Spar/Edeka und Shell leider den Slogan "Kauf ein, wenn Mutti in die Kirche geht" zur Kenntnis nehmen musste, teile ich Ihnen mit, daß ich in nächster Zeit von Einkäufen bei Spar, Shell und Edeka absehen werde. Die im Slogan implizierte Abwertung von Gottesdienstbesuchen ist für mich nicht hinnehmbar. 
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Mit freundlichen Grüßen
A.S.
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Wer sich auch beschweren will: hier.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Hochfest der Apostel Petrus und Paulus

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Aus der Predigt unseres Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI. zum heutigen Hochfest der hl. Apostelfürsten Petrus und Paulus, der 60. Wiederkehr seines Weihetages zum Priester:
Non iam dicam servos, sed amicos – "Nicht mehr Knechte nenne ich euch, sondern Freunde" (Joh 15, 15). 
Liebe Brüder und Schwestern, sechzig Jahre nach dem Tag meiner Priesterweihe höre ich inwendig wieder, wie am Ende der Weihezeremonien unser greiser Erzbischof Kardinal Faulhaber mit etwas brüchig gewordener und doch fester Stimme dieses Wort Jesu uns Neupriestern zusprach. Nach der liturgischen Ordnung jener Zeit damals bedeutete dieser Zuruf die ausdrückliche Zuweisung der Vollmacht der Sündenvergebung an die neugeweihten Priester. „Nicht mehr Knechte, sondern Freunde“: Ich wußte und spürte, daß das in diesem Augenblick nicht nur ein zeremonielles Wort war und auch mehr als ein Zitat aus der Heiligen Schrift. Ich wußte: In dieser Stunde sagt er selbst, der Herr, es jetzt zu mir ganz persönlich. (...) 
"Nicht mehr Knechte, sondern Freunde": In diesem Wort liegt das ganze Programm eines priesterlichen Lebens. Was ist das eigentlich, Freundschaft? Idem velle, idem nolle – dasselbe wollen und nicht wollen, sagten die Alten. Freundschaft ist Gemeinschaft des Denkens und des Wollens. Der Herr sagt uns das Gleiche ganz nachdrücklich: "Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich" (Joh 10, 14). Der Hirt ruft die Seinen beim Namen (Joh 10, 3). Er kennt mich mit Namen. Ich bin nicht irgendein anonymes Wesen in der Unendlichkeit des Alls. Er kennt mich ganz persönlich. Kenne ich ihn? Die Freundschaft, die er mir schenkt, kann nur bedeuten, daß auch ich ihn immer mehr zu erkennen versuche; daß ich in der Schrift, in den Sakramenten, in der Begegnung des Betens, in der Gemeinschaft der Heiligen, in den Menschen, die auf mich zukommen und die er mir schickt, immer mehr ihn selber zu erkennen versuche. Freundschaft ist nicht nur Erkennen, sie ist vor allem Gemeinschaft des Wollens. Sie bedeutet, daß mein Wille hineinwächst in das Ja zu dem Seinigen. Denn sein Wille ist für mich kein äußerer, fremder Wille, dem ich mich mehr oder weniger willig beuge oder auch nicht beuge. Nein, in der Freundschaft wächst mein Wille mit dem Seinigen zusammen, wird sein Wille der Meinige, und gerade so werde ich wahrhaft ich selber. Über die Denk- und Willensgemeinschaft hinaus benennt der Herr ein drittes, neues Element: Er gibt sein Leben für uns (Joh 15, 13; 10, 15). Herr, hilf mir, dich immer besser zu erkennen. Hilf mir, immer mehr eins zu sein mit deinem Willen. Hilf mir, mein Leben nicht für mich selbst zu leben, sondern es mit dir für die anderen zu leben. Hilf mir, immer mehr dein Freund zu werden. (...)
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Oremus. Deus, omnium fidelium pastor et rector, famulum tuum Benedictum, quem pastorem Ecclesiae tuae praeesse voluisti, propitius respice: da ei, quaesumus, verbo et exemplo, quibus praeest, proficere; ut ad vitam una cum grege sibi credito perveniat sempiternam. Per Christum, Dominum nostrum. Amen.
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Mensch Benedikt ... Glückwunsch!

Sonntag, 26. Juni 2011

Sanctus XI in St. Anton

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Da St. Anton in einer Häuserzeile errichtet ist und hinter der Empore Wohnungen liegen, können wir die große Orgel dieser Kirche - auch angesichts der fast schon mittäglichen Zeit für das heilige Amt - leider nur hin und wieder benutzen. Zumeist müssen wir uns mit einem elektronischen Ersatzinstrument behelfen, das vor der Messe aus der Werktagskapelle in die Kirche gezerrt und danach wieder weggeräumt wird. Heute war aber wieder einmal die richtige Orgel dran und zum Sanctus habe ich einfach mal meine kleine Kamera auf den Spieltisch gestellt ... leider ist der Speicherplatz für solche Aufnahmen etwas knapp bemessen. Hier also eine Kostprobe (inklusiver einer kleinen Irritation im Benedictus, that's just live, und einem vorzeitig abgeschnittenen Hosanna).


video

Freitag, 24. Juni 2011

Geburtstag des hl. Johannes des Täufers

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... ein jugendlicher Johannes der Täufer
Klosterkirche St. Märgen im Schwarzwald, Taufsteinaufsatz
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Der Himmel ist keineswegs eine klassenlose Gesellschaft. Zumindest nicht nach der Allerheiligenlitanei. Da hat, wie generell in der Liturgie, alles seinen Platz und seine Ordnung. Erst wird die heilige Dreieinigkeit angerufen, dann die allerseligste Jungfrau, dann erst die Engel und danach ... der hl. Johannes der Täufer. Der hl. Joseph, der auf den Täufer folgt, ist sozusagen der erste halbwegs normale Mensch in dieser Litanei - was in diesem Fall eher von Nachteil ist, denn alle Vorangehenden haben irgendwas, was der Rest von Joseph an bis hin zu den Jungfrauen und Witwen nicht hat. Bei Gott ist die Sache sowieso klar, Maria ist das Ausnahmegeschöpf ohne Fehl und Makel, die Engel tanzen als reine Geistwesen aus der Reihe und Johannes hatte das Glück, von Gott im Hinblick auf seine Rolle im Erlösungsgeschehen bereits im Mutterschoß geheiligt zu werden. Deswegen feiert die Kirche seine Geburt und meint damit ausnahmsweise nicht den Todes- als Brücken- und damit Geburtstag für den Himmel. Denn "im Schoß der Mutter rief mich der Herr bereits bei meinem Namen" (Introitus).

Christi Leib, Kreuznet und altliberale Witwen

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Wir kennen es wahrscheinlich fast alle und, seien wir ehrlich, wir lesen es mutmaßlich auch regelmäßig - mal mit Graus, Grimm und Grusel, mal mit Grinsen und Genugtuung: Kreuznet. Wo immer beim "Konzilsklerus" eine Leiche im Keller west, Kreuznet war als erstes da und sprach mit ihr. Manchmal aber gehen den Jungs die Leichen aus, ist der Homo-NS-Dekadenz-Aufreger schon dreimal durchs Dorf getrieben und die neueste Mail von Bischof Williamson bereits verwurstet. Wenn dann der Heilige Vater nicht irgendeine altliberale Niete zum Bischof oder zumindest eine neokonservative Nulpe zum Türsteher einer vatikanischen Kongregation ernennt, wenn also dieses sehr eigenwillige Stürmergeschütz der Orthokathokratie kein adäquates Ziel mehr ausmachen kann, dann wird eben auf Spatzen geschossen. Oder auf BR-Kommentatoren, wie in obigen Beitrag. Nicht ganz zu Unrecht ward die Kreuznet-Redaktion seitens eines Lesers darauf aufmerksam gemacht, daß auch bei der Kommunionspendung der Leib Christi als, ja eben, Leib Christi bezeichnet wird, auch wenn in ihm der ganze Christus enthalten ist, wie St. Thomas lehrt (der seinerseits jedoch nicht an die später dogmatisierte Lehre von der Unbefleckten Empfängnis glauben mochte, was ihn zu einem Paläonto-Modernisten machen könnte). Ich meinesteils bin jedenfalls froh, daß der Kommentator vom "Leib Christi" sprach und nicht vom "heiligen Brot" oder schlicht "der Oblate". Damit zeigte er ein für einen Pressevertreter schon beachtliches theologisches Wissen, immerhin. So manche Theologen scheinen da weniger zu wissen. Oder zu glauben.
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Überdies erschütternderweise mußte ich bei meiner aktuellen Bett-Lektüre (ja, es ist wirklich nur ein Buch!) feststellen, daß das Urheberrecht für das Attribut "altliberal" garnicht bei Kreuznet liegt, denn es ist bereits 1937/38 bei Kuehnelt-Leddhin zu finden:
"... bis wann können Sie uns dreißigtausend Figuren liefern?" "Was für Darstellungen?" "Zehntausend Doktoren im Operationskittel mit Heiligenschein und darunter Honour Science! für rückständige ländliche Gemeinden", begann sie aufzuzählen, "dann zehntausend Harold Laskis mit den Insignien des unteren Mittelstandes der höheren Einkommensgruppen, und schließlich fünftausend H. G. Wells. Die Figuren des H. G. Wells müssen in farbigem Gips hergestellt sein". (...) "Wann können wir also frühestens die farbigen H. G. Wells bekommen? Wir brauchen sie noch in diesem Herbst für die Heime altliberaler Pastorenwitwen!"

Donnerstag, 23. Juni 2011

Wie glosendes Dynamit - Fronleichnam

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"... Monate tiefster Unruhe und Zerissenheit waren darauf gefolgt. Das Wissen um das Sein Gottes wühlte die beiden bis in den Grund ihres Gewissens auf, und manchmal kämpfte Uljan mit Verzweiflung und Trotz gegen seine bessere Erkenntnis, denn wenn sein neues Erkennen auf Wahrheit beruhte, dann war sein Weg auch falsch gewesen, und so wie zerteilte Wolken in der Nacht ein grausames Mondlicht mit einem Male über die Fluren scheinen lassen, so plötzlich übersah er die ganze Wirklichkeit von Horizont zu Horizont.
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Manchmal kam am Abend Barrikadka zu ihm, saß am Fensterbrett, während draußen die Autos lärmten und die Lichtreklamen hin und her zuckten. Schräg gegenüber leuchtete es rot: "Das Gesündeste ist das Lachen!" Diese Welt draußen war ihm und ihr nun gleichgültig geworden. Mehr als das - fremd und fast feindlich. Sie hatten ein größeres Geheimnis zusammen: ihre Liebe. Und dann noch ein größeres: Gott! Ihre Liebe zueinander war wie ein ruhiger, großer Strom, aber Gott war wie glosendes Dynamit, Gott war hineingeschleuderte Unruhe, Gott ließ sie nicht ruhig denken, nicht ruhig leben, nicht ruhig schlafen in dieser gottlosen Welt. Er beherrschte ihre Gespräche ..."

(aus meiner derzeitigen Lektüre
Der gefallene Engel oder Moskau 1997
von Erik von Kuehnelt-Leddihn)

Dienstag, 21. Juni 2011

Porno, Priester, Katzensteckbriefe und ein Hymnus

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Manchmal ist es interessant, einen Blick hinter die Kulissen dieser Seite zu werfen. Der Besucherzähler und blogeigene Funktionen erlauben bekanntlich, den über Suchmaschinen erzeugten Besucherstrom (na ja, eher ein Rinnsal) in den Blick zu fassen. Was sucht jemand und landet darob auf dieser Seite? Porno, Priester und Katzensteckbriefe zum Beispiel. Sehr aufschlußreich. Womöglich sollte ich diese Themenfelder ausbauen. Vielleicht fange ich gleich morgen damit an und bringe zum Auftakt irgendwas mit Porno (heute schickt sich das nicht, des heiligen Aloysius und dessen Festes wegen und so) ...? 
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Abseits solcher Themen wird derzeit auch deutlich, daß ein eucharistisches Hochfest ins Haus steht, denn halbwegs auffallend taucht Sacriis solemnis in den Suchanfragen auf, dieser wunderbare Hymnus zur Mette des Fronleichnamstages. Ähnlich häufig wird nach diesem Text resp. einer Übersetzung übrigens im Vorfeld des Osterfestes (des Gründonnerstags?) gefahndet. Hier gehts also nochmals zur deutschen Nachdichtung, die ich bereits früher eingestellt hatte. Weiland schrieb ich, nicht mehr zu wissen, wer für diese Reime verantwortlich zeichnete; zwischenzeitlich raunt irgendeine Stimme von den hinteren Plätzen meiner Erinnerung, daß es sich beim Dolmetsch um Erich Przywara SJ handeln könnte.
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Eine deutsche Fassung sollte übrigens auch im Stundenbuch zu finden sein, wobei die Liturgia horarum im Officium lectionis gegenüber dem Breviarium Romanum eine Strophe unterschlägt. Was die deutschen Bischöfe zur Lesehore nun genau in das Stundenbuch haben drucken lassen, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis.

Montag, 20. Juni 2011

Pro Multis 2

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Theodor hat auf Summa Summarum meine Replik seinerseits aufgegriffen. Die Frage nach der rechten Verdeutschung der Konsekrationsworte ist spannend genug, daß ich meinerseits wiederum auf die Einwände eingehen möchte. Ich denke, wir sind uns alle einig, daß es hier nicht darum geht, auf Biegen und Brechen Recht zu haben. Allerdings plane ich keineswegs, mir meinen eigenen Glauben zu basteln, statt mir den Glauben von der Kirche schenken zu lassen. In Bezug auf das von Theodor angeführten Gründonnerstagsschreiben des sel. Johannes Paul gilt, daß die ordentliche und gewöhnliche Form der päpstlichen Lehrtätigkeit nicht unfehlbar ist. Bestenfalls könnte zur Untermauerung des verpflichtenden Gehalts dieser päpstlichen Darlegung die Ausführungen von Pius XII. seligen Angedenkens in Humani generis 568 (Denzinger Ed. 37 Nr. 3885) herangezogen werden, doch ist es höchst fraglich, ob in diesem Fall die gewählte Form genügt und ob für diesen Fall überhaupt eine offenkundige Dissenssituation im Sinne des Humani generis-Passus vorgelegen hat. 
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Fakt ist freilich, daß unser heutiger Heiliger Vater die Übersetzungsfrage weniger freizügig beurteilt als sein Vorgänger, denn einen triftigen Grund für den Wunsch Benedikts XVI. dürfte es gewiß geben, auch wenn sich der Heilige Vater meines Wissens bislang nicht ausführlich dazu erklärt hat. Ich meinesteils widerspreche den Ausführungen des sel. Johannes Paul in dieser Frage zweifelsohne, nicht zuletzt, weil der Selige nachgewiesenermaßen Allaussöhnungstheorien nahe stand, die früher von der Kirche eindeutig verurteilt wurden (cf. Dörmann, Johannes: Johannes Paul II. Sein theologischer Weg zum Weltgebetstag der Religionen in Assisi. Neuauflage Stuttgart 2011). Womöglich müssen die Darlegungen in besagtem Gründonnerstagsschreiben auch auf diesem Hintergrund gesehen und kritisch gewürdigt werden. Da also dem Gründonnerstagsschreiben keine Letztverbindlichkeit eignet und damit verschränkte theologische Präferenzen des Verfassers nur schwer in Kontinuität zur kirchlichen Tradition zu setzen sind, erachte ich die Frage, ob pro multis legitim mit "für alle" übersetzt werden kann, formal keineswegs für erledigt.
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Ich komme nun zu weiteren Punkten, die Theodor angeschnitten hat:
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(1) In einem eigenen Beitrag verweist Theodor anhand einer Paulus-Stelle (Röm 5, 18-19) auf das Argument, es könne nach einer "typisch semitischen Ausdrucksweise" keine eindeutige Unterscheidung zwischen "viele" und "alle" getroffen werden. Soweit ich die Lage übersehe, liegt der Ursprung dieser Behauptung beim von mir bereits nebenbei erwähnten lutherischen Exegeten Joachim Jeremias. Jeremias Hebräismus-These, an die das Gründonnerstagsschreiben offenkundig anschließt, ist allerdings zwischenzeitlich mindestens umstritten. Und für den, der sich auf die Argumentation der Prosinger'schen Lizenziatsarbeit (Prosinger, Franz: Das Blut des Bundes - vergossen für viele? Quaestinones non disputatae 12, Siegburg 2007) verlässt, dem gilt sie als widerlegt. Aber nehmen wir an, die sprachwissenschaftlich orientierte Hebräismus-These würde zu den möglichen Analysetools zählen (schließlich legt gerade Röm 5, 18-19 dies vordergründig nahe). Dann könnte man ebenso mit Fug und Recht die Prinzipien einer rhetorischen Textanalyse geltend machen und vortragen, die Passage sei tetrakolisch gebaut (was sie übrigens, wie unschwer zu erkennen, in der Tat ist) und Paulus schreite in seiner Argumentation dabei vom Allgemeinen zum Besonderen. So gesehen steht doch eher folgende Frage im Raum: Kann es sein, daß der Verfasser bei der Wortwahl einerseits schludert, wenn es sich andererseits um eine Aussage handelt, die ihm offenkundig so wichtig ist, daß er sie stilistisch besonders verpackt? Oder deuten sich hier - das ist jetzt, zugeben, sehr spekulativ - nicht jene beiden Kontrapunkte an, die sich später in der Lehre der Kirche (mehr dazu später) als "objektive Universalität der Erlösung" und "subjektive Rechtfertigung" entfalten werden? Wie dem auch sei: Man muß dieser philologischen Betrachtung nicht zwingend folgen. Es geht mir nicht darum, dieser heiklen paulinischen Aussage auf die Schliche zu kommen, sondern zu zeigen, wie relativ philologische Argumente sein können, ganz gleich, ob mit "typisch semitischen Ausdrucksweisen" oder mit Methoden einer rhetorischen Textanalyse hantiert wird. Am besten scheint es da immer noch, möglichst wörtlich zu übersetzen, was dasteht, als womöglich auf den wankenden Bohlen einer interpretierenden Nachdichtung auszurutschen.
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(2) Mein Gedankengang, der von der Mysterientheologie seinen Ausgang nimmt, ist fürwahr spekulativ. Wie so ziemlich das ganze Thema. Oder zumindest die Frage, ob man "für alle" an einer bestimmten Stelle übersetzen kann, auch wenn dort originär pro multis und eben nicht pro omnibus dasteht.
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(3) Natürlich hat Christus die ganze Welt erlöst, ist sein Blut für alle Menschen geflossen. Vielleicht ist es gut, hier ein wenig Ordnung in die Begriffe zu bringen. Es muß zwischen Erlösung im objektiven und im subjektiven Sinn unterschieden werden: 
Erstere ist das Werk des Erlösers, letztere (auch Rechtfertigung genannt) ist die Verwirklichung der Erlösung im einzelnen Menschen oder die Zuwendung der Erlösungsfrüchte an den einzelnen Menschen (Ott, Ludwig: Grundriß der Dogmatik. Freiburg 1981, 213).
Die "universale Realität" der Erlösung, von der Theodor schreibt, kann nur auf erstere bezogen werden, und so verstehe ich Theodor auch: 
Die Universalität der stellvertretenden Genugtuung Christi ist nur auf die objektive Erlösung zu beziehen: Christus hat für alle Menschen ohne Ausnahme hinreichende Sühne geleistet. Die subjektive Aneignung der Erlösungsfrüchte ist jedoch von der Erfüllung gewisser Bedingungen abhängig (...). Die Scholastik unterscheidet demgemäß zwischen sufficentia (Hinlänglichkeit) und efficacia (Wirksamkeit, Erfolg) der Genugtuung und lehrt, daß Christus secundum sufficentiam für alle Menschen Genugtuung geleistet hat, nicht aber secundum efficaciam. Mit anderen Worten: In actu primo ist die Genugtuung Christi universell, in actu secundo ist sie partikulär" (Ott, 228).
In actu secundo ist sie eben doch, und hier widerspreche ich Theodor, ein Angebot, dem sich der Mensch verweigern kann. Oder das er annehmen kann. Dem widerspricht übrigens nicht einmal Karl Rahner, wobei nach Rahner - ein interessanter Gedanke - die objektive Erlösung erst die Voraussetzung schafft, die den Menschen in Freiheit in die Lage versetzt, dieses Angebot anzunehmen (vgl. Rahner, Karl: Erlösung in: Rahner, Karl (Hrsg.): Sacramentum Mundi. Freiburg 1967, 1162). Gott erlöst jedenfalls niemanden gegen dessen Willen.
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Da nun die Heilige Messe nicht nur die höchste Form der Gottesverehrung, sondern auch mystische Vergegenwärtigung des Reiches Gottes in der Zeit und Zuwendung der Erlösungsfrüchte an jene ist, die ihre Herzen der Erlösung geöffnet haben und damit ihren Teil zur Vollendung des Erlösungswerkes beitragen, deswegen ist es angebracht, bei dieser Feier - wortgetreu zu den biblischen Einsetzungsberichten - über den Kelch die Worte vom "Blut, das für euch und für viele vergossen wird" zu sprechen. Denn es sind eben - leider - nicht "alle", die sich dem Heil Gottes öffnen und hierdurch erlöst werden, wiewohl auch für sie das Blut Christi vergossen worden ist. Aber es sind "viele", die mit der Feier der heiligen Eucharistie von Gott unmittelbar angesprochen werden und die in diesem Augenblick bereits des Reiches Gottes, welches in der Feier der Eucharistie gegenwärtig wird, und der Liturgie des Himmels teilhaft werden, weil sie dessen teilhaft werden wollen und das Ihre dazu tun in Glaube, Hoffnung und Liebe. 
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Fassen wir zusammen: In den Konsekrationsworten sollte pro multis mit "für viele" übersetzt werden, da diese Übersetzung wortgetreuer als "für alle", liturgisch richtig, dogmatisch passend und eschatologisch treffend ist. Meinethalben kann man auch "für alle" übersetzen, obwohl man damit den biblischen Test unnötig interpretiert, die liturgische Situation verfehlt, bei Hintergedanken an Allversöhnungstheorien mit dem Dogma kollidiert und eschatologisch nichts daran ändern wird, daß einige (wenige? viele? alle?) ihr Ziel verfehlen werden, weil für sie der Herr sein Blut vergeblich vergossen hat. Warum also zur zweitbesten Übersetzung greifen?

Samstag, 18. Juni 2011

Warum es nicht "für alle" heißen kann

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Gnadenstuhl
Deckenfresko, St. Georg, March-Buchheim
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Bei Theodor von Summa Summarum dreht sich ein Eintrag um die rechte Übersetzung der Konsekrationsworte - Christus, hingegeben "für viele" oder "für alle"? Die Praxis, in der deutschen Version des ordentlichen römischen Ritus pro multis mit "für alle" wiederzugeben, hält Theodor für sachlich gerechtfertigt. Ich sehe das anders - nicht nur, weil der Heilige Stuhl in diesem Fall eine möglichst urtextnahe Übersetzung anstelle einer interpretierenden Nachempfindung wünscht (auch wenn dies den deutschen Bischöfen herzlich egal zu sein scheint). Ich denke, es gibt Gründe, warum "für viele" (ὑπὲρ
πολλῶν wie etwa in Mk 14,24eben nicht notwendigerweise "alle" sind.
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Ein schlichtes, gleichwohl nicht von der Hand zu weisendes Argument besteht natürlich noch immer darin, daß Christus, hätte er "für alle" sagen wollen, dies auf Aramäisch, Hebräisch, Griechisch, Lateinisch und in so ziemlich jeder anderen semantisch halbwegs ausdifferenzierten Sprache hätte sagen können. Hat er aber nicht. Und die philologischen Erwägungen, die ein Exeget wie Joachim Jeremias zugunsten einer Übersetzung "für alle" geltend macht, sind zwischenzeitlich hier hinreichend gewürdigt und als unzureichend qualifiziert worden.
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Es gibt aber einen mehr noch in die Tiefe greifenden Grund, warum die Übersetzung "für alle" falsch ist. Sie schließt an die Mysterientheologie Odo Casels OSB an. 
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Vorab: Gottes allgemeiner Heilswille ist unbestritten. Gott hält allen Menschen das Heil bereit. Daß alle Menschen zu seinem Reich geladen und berufen sind, ist ein zentraler Aspekt der Verkündigung Jesu. Wohlgemerkt: der Verkündigung. Schon hier ist zu beachten, daß Gott zwar das Heil aller Menschen will, aber keinen Menschen gegen dessen Willen zu diesem Heil zwingt. Alle sind geladen, doch kommen "müssen" nur die, seien es nun viele oder wenige, die auch wollen. Das Reich Gottes wird - zumindest soweit der Mensch gefordert ist, dazu etwas beizutragen - letztlich auch nur aus jenen "mit"-erwachsen und von jenen "mit"-erbaut, die das wollen, seien es nun viele oder wenige. Und auch nur diesen wird es zuteil. Nun wissen wir aus der Verkündigung Jesu, daß nicht alle dieser Einladung Folge leisten werden - nicht alle gelangen zum Heil, nicht alle bauen am Reich Gottes mit, nicht allen wird es zuteil.
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Das hat Folgen für die um den Altar zum Opfer Christi versammelte Kirche. Die Messe ist in ihrem Kern nicht bloße Verkündigung des Heilswillens Gottes. Die Heilige Messe, die Feier der Eucharistie, ist weitaus mehr: Sie ist, im (Sieges-) Zeichen des Kreuzes, die Vergegenwärtigung des geopferten, auferstandenen, erhöhten und verklärten Herrn und mithin ein Moment der konkreten Realisierung dieses Reiches in unserer Zeit, in unserer Mitte. Für einen menschlich "kurzen" Augenblick dürfen wir bereits teilnehmen an einer neuen Schöpfung. Durch Ihn, durch Christus, mit Ihm und in Ihm wird dem Vater im Heiligen Geist die Ehre: Und ER ist dann bei uns, wahrhaft, wirklich, wesenhaft, Er, "das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der gesamten" neuen (!) "Schöpfung, den in Ihm wurde alles geschaffen, im Himmel wie auf Erden, das Sichtbare wie das Unsichtbare, seien es Throne oder Hoheiten oder Gewalten oder Mächte: Alles ist durch Ihn auf auf Ihn hin erschaffen. Er ist vor allem und alles hat in ihm seinen Bestand. Er ist das Haupt des Leibes: der Kirche - Er, der von Anfang ist, der Erstgeborene von den Toten" (Kol 1, 15-18). Genau so, wie Paulus hier die Versöhnungstat Christi preist, verhält es sich unter den unscheinbaren Zeichen von Brot und Wein, Gottes Reich wird in der Feier der heiligen Geheimnisse lebendig.
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Diese Manifestation des Reiches Gottes in unserer Zeit betrifft - im Augenblick ihrer Realisation - eben nicht alle Menschen, weil sowieso nicht alle daran teilhaben wollen. Alle sind eingeladen. Aber nur denen, welche die Einladung annehmen, wird Gottes Reich auch zum Erbe. Deswegen sprechen die Konsekrationsworte, in deren Folge dieses Reich unter und für uns in der Realität des Mysteriums bereits gegenwärtig wird, davon, daß Christus "für viele" sich hingibt: Für viele: jene, die bereits jetzt am Reich Gottes teilhaben, jene, die geistlich um jenen einen Altar versammelt sind, an dem unsere "irdischen" Altäre Anteil haben (vgl. dazu das Gebet Supplices te rogamus im Römischen Kanon).
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Wäre der "Einsetzungsbericht" (um dieses liturgische Unwort auch einmal zu erwähnen) nur eine Erzählung im Verlauf der Feier, dann wäre er fürwahr bestenfalls Bestandteil einer Verkündigung. Dann könnte man angelegentlich auch den allgemeinen Heilswillen Gottes zur Sprache bringen. Dann könnte man davon berichten, daß der Herr sein Blut "für alle" vergossen habe. Dann wäre die Heilige Messe aber nicht mehr als ein protestantisches Abendmahl. Wenn aber die Konsekrationsworte ein Geschehen bezeichnen, einen Vollzug, der sich zeitlich und räumlich konkret manifestiert, dann ist es naheliegend, daß eben nicht, man entschuldige die etwas saloppe Ausdrucksweise, Hinz und Kunz und alle Welt angesprochen wird, sondern exklusiv jene, an denen etwas vollzogen wird. Jene, die wollen, daß an ihnen etwas vollzogen wird. Der Individualität des Geschehens entspricht dann eine Begrenzung der Angesprochenen.
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Nochmals: "für alle" ... "für viele" ...? Wo nicht nur "die Reichweite des Erlösungswerkes Christi" (Theodor auf Summa Summarum) betont werden soll und der Kern dieses Geheimnisses nicht nur verkündigt, sondern auch berührt wird, da werden im Letzten auch nur die angesprochen, die sich von diesem Geheimnis berühren lassen: Ihnen gilt das Wort des Herrn: "Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe" (Joh 15, 15). Für sie hat sich der Herr hingegeben. Und mit ihrer eigenen Hingabe helfen sie, das Reich Gottes in Demut zu vollenden. Mögen auch wir zu diesen Vielen zählen.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Der Papst kommt, sperrt die Elfenbeintürme auf!

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Robbies Reich, das südwestdeutsche Erzbistum, gilt mit seinen weit über zwei Millionen Katholiken als das zahlenmäßig zweitgrößte deutsche Bistum. Entsprechend fulminant kommt auch die kirchliche Verwaltung daher. Erfreulicherweise konnte zum Beispiel das Erzbischöfliche "Seelsorgeamt" jüngst am Hochfest der Verkündigung des Herrn sein einhundertjähriges Bestehen feiern. Bei der Gründung dieser Einrichtung vertraute man Fragen der Sorge um die Seelen allerdings noch nicht einem Amt an, sondern, so hieß das ursprünglich mal, dem Erzbischöflichen Missionsinstitut, aber das nur nebenher. Jedenfalls ist das Seelsorgeamt eine ganz tolle Sache, die Paulchen, unseren dienstältesten Weihbischof, beim abendlichen Jubiläums-Pontifikalamt im Münster so sehr ins Schwärmen brachte, daß man erst durch das Tagesgebet nebenher auf das Hochfest aufmerksam (gemacht) wurde (durch die Liturgie).
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Natürlich gibt es nicht nur ein Seelsorgeamt, sondern auch eine Akademie und einen ganzen Rattenschwanz weiterer diözesaner Bildungseinrichtungen, es gibt ein katholisches Verbandswesen und natürlich viele wichtige Menschen, die dafür verantwortlich zeichnen. An mangelnder Infrastruktur dürfte Robbies Reich wahrlich nicht darben.
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Jetzt wäre so ein Papstbesuch ja mal eine super Sache, um Glaube und Bekenntnis davor und danach besonders intensiv in die Gesellschaft zu tragen. Leider ist Robbies Orgateam dazu bislang nicht viel eingefallen - dürr das Rahmenprogramm, elfenbeinesk zum Teil die Zielgruppen: Eine kleine Benedikt-Ausstellung im Regierungspräsidium, die schneller wieder vorbei sein wird, als der Heilige Vater anreisen kann, eine weitere, aus Köln importierte Ausstellung auf der nächstgelegenen Haushaltswarenmesse, ferner zwei Edelrhabarbertermine - mit teils seltsamer Besetzungscouch - in der Katholischen Akademie und in einer Buchhandlung, und ein theatralisches Szenario an drei Terminen zu je dreißig Euro (mit Imbiss!). 
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Tiefgreifendere Anstrengungen in Richtung Evangelisierung halten sich meines Ermessens eher in Grenzen, große Anregungen für mein eigenes Glaubensleben glaube ich auch nicht daraus ziehen zu können. In die Breite zielt das meiste wahrscheinlich nur insofern, als daß Glaubensfragen am Ende mutmaßlich vor allem in der Horizontalen beleuchtet werden. Das "den Glauben feiern" überlässt man wahrscheinlich ebenso wie vor allem eine unverkürzte Verkündigung desselben Benedikt XVI., denn mit sowas banal Naheliegendem geben sich die diözesanen Amts-, Gremien- und Pastoralgouvernanten sowieso nicht ab. Freuen wir uns also vielmehr auf den nächsten runden Geburtstags irgendeines erzbischöflichen Verwaltungsbunkers! So ein Papstbesuch dauert ja nicht ewig! Dann können sich alle wieder über den grünen Tee Klee loben und die Heilstaten der Bürokratie verkündigen.

Dienstag, 14. Juni 2011

Neu in der Blogozese: Nepomuk

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Wer weiß, womöglich ist er schon anderweitig entdeckt und vorgestellt worden, aber weil ich bislang nichts gesehen habe, tue ich es einfach mal. Die Blogozese ist wieder ein Stück reicher geworden: Nepomuk schreibt seit wenigen Tagen unter dem Titel vorgestellt-nachgedacht aus dem Ruhrgebiet; Beiträge wie dieser hier sprechen mir dabei reichlich aus der Seele. Die Idee, lieber einen Kaffee zu trinken und eine zu rauchen, statt sich eine konzilsgeistig dahin- und wegwehende Monsterpredigt anzuhören (näheres hier), werde ich womöglich auch mal übernehmen - ich würde sowas katholische Gelassenheit nennen, gewiß bodenständig im Revier beheimatet. Alles in allem: Herzlich Willkommen.
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PS Sollte sich Nepomuk doch eher auf die Katze im Profilbild beziehen, statt auf den Brückenheiligen? Vorsichtshalber reiche ich auch mal ein Kätzchen mit ...
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PPS Sollte gerade jemand diesen Lovelyblog-Preis bekommen haben, dann schlage ich vor, diesen, wie das wohl besonders auch zur Förderung und Bekanntmachung neuer Blogger vorgesehen scheint, an Nepomuk weiterzureichen ... Danke! ;-)

Die sieben Gaben des Heiligen Geistes ... zur Auffrischung

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Laufenburg im Aargau, St. Johann Baptist
Metzler-Orgel op. 426 (II/P-26; Bj. 1976)
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Gestern, am Pfingstmontag, saß ich zum Amt in Laufenburg (Aargau) an der Orgel. Mit seiner Predigt erwischte mich P. Ramm eingangs auf dem falschen Fuß: Ob man aus dem Stand heraus die sieben Gaben des Heiligen Geistes aufzählen könne? Dummerweise reichten mir beim Abzählen die Finger einer Hand ... und der Prediger erwies sich auch nicht eben als hilfreich, kam er doch am Ende seiner Ausführungen auf die sieben Gaben zurück und ermunterte Gläubige wie mich schlicht zur Lektüre des Katechismus. Sollte hier nun jemand mit der Aufzählung gleichfalls nicht recht zu Rande kommen - die sieben Gaben des Heiligen Geistes sind:
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Weisheit, Verstand (gemeint ist das Verstehen), Wissenschaft und Rat,
Stärke, Frömmigkeit und Ehrfurcht vor dem Herrn.
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Veni, Sancte Spiritus ...
da tuis fidelibus
in te confidentibus
sacrum septenarium!

Etwas pfingstliche Zoologie

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Das Pfingstwunder - Kirche St. Gallus, Merzhausen
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Nachdem in Christus den Menschen das Bild Gottes selbst erschienen war und die Christen mit der Zeit ihre Hemmungen ablegten, das Geheimnis Gottes auch in Bildern zu fassen (wohl wissend, daß nicht das Zeichen, sondern das ... genauer: letztlich der eine Bezeichnete Gegenstand der Verehrung ist), da stellte sich die Frage, wie der Heilige Geist illustriert werden könnte. Für den Vater und den Sohn lagen die Lösungen auf der Hand, da ein strammer Enddreißiger und dort ein wenig Rauschebart. Aber der Heilige Geist? Wie malt man sowas? Wie schnitzt man sich so einen? Man verlegte ich auf die Taube. Warum?
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Wollte man diese klittrig-köstlichen Etymologien nachempfinden, mit denen die volkstümliche Legenda Aurea durch die Bank weg bei Heiligennamen aufwartet, man könnte folgendes zusammenreimen:
Der Heilige Geist hat die Gestalt einer Taube, weil der Heilige Geist den Tauben die Ohren für das Evangelium öffnet ...
Ein solcher deutscher Sonderweg ist natürlich grundverkehrt und wäre mit dem lateinischen Wort für Taube - columba - ohnehin nicht zu machen. Blättern wir doch lieber in der Bibel, wo bekanntermaßen bereits im zweiten Vers der Genesis vom Geist Gottes die Rede ist, der über den Wassern einer noch recht ausbaufähigen Schöpfung schwebt (Gott wird für den Rest des Kapitels damit beschäftigt sein).
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Als das nächste Mal etwas "über den Wassern" schwebte, war die Sintflut gerade vorbei. Es handelte sich um einen Vogel samt Ölzweig im Schnabel, genauer: um eine Taube - das Bild eines Neuanfangs. Eine Taube taucht ein weiteres Mal bei einem Neuanfang auf: Bei der Taufe Jesu, dem Beginn seines öffentlichen Wirkens. Etwa seit dem fünften Jahrhundert taucht der Heilige Geist alsdann in der christlichen Ikonographie auf: Als Taube.

Montag, 13. Juni 2011

Der Schlampen- und der Sau-Toni

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Die Klosterkirche von St. Peter im Schwarzwald diente nicht nur den damaligen Benediktiners als Gotteshaus, sondern war auch Pfarrkirche für die Bauern des Ortes. Die Messen für die Pfarrgemeinde wurden nicht am weit entfernten Hochaltar gefeiert, sondern am rechten Seitenaltar, dessen ikonographisches Programm auf die Sorgen und Nöte der Pfarrkinder entsprechend abgestimmt wurde. Das ansprechend komponierte Mittelbild präsentiert Sebastianus triumphans als Fürsprech zu Zeiten der Pest:


Flankiert wird Sebastian durch zwei weitere Patrone: den hl. Eremiten Antonius, ebenfalls ein Pestpatron, wobei das Berufsbild um die Zusatzqualifikation eines Ansprechpartners bei Viehseuchen erweitert ist - attributionell hat dieser Heilige echt Schwein gehabt und der Volksmund nannte ihn ob all dessen schlicht Sau-Toni; "Schwein haben" ist freilich ganz anders gemeint, als wir uns das heute vorstellen mögen ...


Dann wäre noch der andere Antonius, um dessentwillen dieser Eintrag heute (zum Fest) überhaupt zustande kommt: Der heilige Antonius von Padua, der beim Wiederfinden verlorener Gegenstände hilfreich ist und deswegen auch Schlampen-Toni geheißen wird ... ora pro nobis, Sancte Antoni!


... Und eigentlich wollte ich noch etwas zum Thema Pfingsten schreiben, aber Dank der Pfingstoktav (diese Seite ist schließlich auf die Forma extraordinaria hin getaktet) habe ich auch in den nächsten Tagen noch Zeit. Daher schlicht, einfach und erstmal: Gesegnete Pfingsttage!

Samstag, 11. Juni 2011

Salafismus statt Gruppenkuscheln

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Der Kriminalbeamte Roman R. gilt als Sportfanatiker. Unter anderem leitete er einmal wöchentlich das Boxtraining der Frankfurt Polizei. Zwischenzeitlich ist Roman R. vom Dienst freigestellt, da er zum Islam übergetreten ist: unter der Fahne der Salafistenbewegung, für die er auch als Prediger aktiv ist, wie der NDR berichtet. 
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Die Salafisten passen allerdings nicht recht zum kolportierten Bild einer "Religion des Friedens", mit dem uns die linke Meinungslobby üblicherweise die islamische Landnahme in Deutschland schmackhaft machen will. Immerhin stehen die Salafisten mit ihrer Vorliebe für islamische Lebensweisen - inklusive Scharia - der Mehrheit überzeugter Muselmanen in der Welt wahrscheinlich weit näher als der islamischen Minderheit in Deutschland, die Kreide gefressen hat (oder zumindest so tut).
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Interessant sind die Beweggründe, die Roman R. zu seinem Schritt bewogen haben. So habe er in einer Predigt gesagt, daß seine Hinwendung zum Islam auch etwas mit seiner Arbeit als Polizist zu tun hatte:
"Bis ich eines Tages nachgedacht habe: Du hast jetzt bestimmt 200 Tote in Deiner Hand gehabt. Aber was ist mit Dir selber? Wann und wie wird er mich holen? Habe ich genug vorausgeschickt?"
Vordergründig klingt hier eine recht grobe Vorstellung von Werkgerechtigkeit mit: Ist man mit der Anzahlung fürs Hotel der Ewigkeit schon durch? Solche Vorstellungen kann man banal finden, einfach oder plump, aber sie spiegeln das Lebensgefühl eines Menschen wieder, den ich eher der Kategorie der praktisch-zupackenden Zeitgenossen und weniger den Theoretikern zuordnen würde. Und hinter der Vorstellung steht eine existentielle Frage, die unbedingt ernst genommen werden muß: Da sorgt sich jemand angesichts vieler Toter, mit denen er es bereits zu tun bekommen hat, um seinen eigenen Verbleib nach dem Tod - die alte Frage nach der Ewigkeit und dem Ewigen, der eben nicht nur Erlöser, sondern auch Richter ist.
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Warum läuft so jemand zum Islam über? Mag sein, daß Roman R. das Christentum nicht in die Wiege gelegt bekommen hat. Aber es wäre doch eigentlich die erste Anlaufstelle in unseren Breiten, wenn die religiöse Sinnfrage im Raum steht, oder? Mutmaßlich dürfte für jemanden wie Roman R. das käßmanisierte Weichspülchristentum mit seinen verwässerten Inhalten und der Einladung zum dies- und gegenseitigen Gruppenkuscheln, landauf und landab propagiert, wenig attraktiv sein. Auch mir wäre der Verweis auf eine Art ent-institutionalisierte Sozialarbeit als Antwort auf die Frage nach den letzten Dingen zu wenig - doch mehr hat diese christlich dekorierte Zivilreligion meist nicht zu bieten.

Montag, 6. Juni 2011

Noch was Reaktionäres ...

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Carl Zellers Operette Der Vogelhändler ist, was die musikalische Faktur betrifft, gewiß besser als der Ruf, den die Operette als operesken Edelschmonz noch immer in weiten Kreisen genießt. 1940 nun hat man Teile der Zeller'schen Musik als Filmoperette unter dem Titel der musikalischen Zugnummer neu angerührt: Rosen aus Tirol - und hier schrillt wahrlich der Kitschalarm:



Aber klar, einem Reaktionär wie meinereiner gefällt diese geballte Ladung heile Welt mit Mädel und Bursch und glücklich-zufriedenen Menschen, die, aller Unbill des Lebens enthoben, gemütvoll in sanfter Unbekümmertheit auf dem See rumschippern. Und soll ich was sagen? Das darf mir sogar gefallen, weil der Reaktionär in mir weiß, daß es diese heile weltimmanente Glückseligkeit ebensowenig geben wird wie die Arbeiter- und Bauernparadiese der Linken. Aber der Schmonz im Film kommt wenigstens ohne blutzollverklebte Zwangsbeglückungsexperimente aus.
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Wer in linker Manier im Dargebotenen nur wieder einen Trick sieht, um die tumbe Masse bei Brot und Spielen in der Repression zu halten, der mag das so sehen. Ebenso gut könnte man darin auch einen Appell an das Edle und (etwas dick aufgetragen) Schöne im Menschen sehen. Zweiter Lesart gebe ich den Vorzug, auch hier wieder wissend, daß Appelle meist nicht viel fruchten: Homo homini lupus - das gilt in allen weltlichen Paradiesen, gleich welcher couleur, und wird gelten bleiben bis zum Ende dieser Zeit. Das ist der Stoff, aus dem wir dann gleichwie trotzdem das Beste machen müssen.
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Schenkt euch Rosen! Wäre ja ein Anfang ...  

Sonntag, 5. Juni 2011

Deinem Namen gib die Ehre, Herr! (dafür machen wir sogar einen Kopfstand)

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Meine Sozialisierung als "Ritusmensch" (inklusive meiner Liebe und Neigung zur Kirche) verdanke ich nicht zuletzt en gros der Priesterbruderschaft St. Pius und, unter anderem, Sr. Michaela Metz en detail. Auch wenn ich mit der Piusbruderschaft heute nicht in allen Punkten d'accord gehe, gehört die Zeit in diesen Reihen zu meiner Biographie - und es waren keineswegs die schlechtesten Jahre meines Lebens, nicht vor den Menschen und, da bin ich mit sicher, auch nicht vor Gott. Sr. Michaela wirkte lange Jahre am damaligen Don-Bosco-Gymnasium zu Diestedde, wo ich einige Zeit zur Schule ging.
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Irgendwann rief die Bruderschaft das St. Theresien-Gymnasium in Schönenberg für das schöne Geschlecht ins Leben und vertraute Sr. Michaela die Leitung desselben an; für uns Buben in Diestedde weiland ein herber Verlust. So empfanden wir es als angemessene Genugtuung, daß Teile einer überproportionierten Lieferung alu-verpackten Pumpernikel-Schwarzbrots nach Schönenberg weitergereicht wurden, um dort, wie wir hörten, als DDD ("dummes Diestedder Dosenbrot") den Mädels das Frühstück zu vermiesen.
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Warum erzähle ich das alles? Weil es diesen wunderbaren Chor gibt, den Sr. Michaela in Schönenberg herangezogen hat. Bei der Teilnahme an einem regionalen Kinder- und Jugendchorwettbewerb haben sich die Mädchen jüngst den zweiten Platz ersungen. Hier eine Kostprobe mit Psalm 113, 9: Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam - "nicht uns, Herr, nicht uns, nein - Deinem Namen gib die Ehre" (dafür stellen wir uns sogar auf den Kopf). 





Freitag, 3. Juni 2011

Blogozesen-Knatsch

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In der Blogozese gehts gerade rund. Hw. Alipius sorgt für Übersicht, derweil zum Beispiel Superpelliceum klar Stellung bezieht und mir dabei weitestgehend aus der Seele spricht - etwa mit seinem persönlichen Résumé ...
Ich bin bekennender Reaktionär, lese regelmässig das "Vatican Magazin" und die "Junge Freiheit", gehe nicht in Jeans zur Messe, bevorzuge die Mundkommunion, habe kein Buch von Küng in meiner Bibliothek, halte das ZdK für eine nicht von mir autorisierte, undemokratische und unkirchliche Einrichtung, die Weihe von Frauen für unmöglich und die lehramtlichen Entscheidungen des Heiligen Vaters für bindende Lehre! So, das sollte als Schock reichen! Mit Davilá: Solange noch einer applaudiert, habe ich etwas falsch gemacht!
Da "oute" ich mich doch gleich mit: Ich bin gleichfalls Reaktionär (Typ "Ritusmensch"), lese ebenfalls (unregelmäßig) das Vatikan Magazin und regelmäßig die Junge Freiheit, trage ab und zu Leibchen von Thor Steinar (sogar in der Messe), habe kein Buch von Hans Küng in meiner Bibliothek, halte das ZdK für ebenso anmaßend wie schädlich, glaube allerdings sowieso nicht an die Demokratie als alleinseligmachende Herrschaftsform, halte die Weihe von Frauen für unmöglich und lehramtliche Entscheidungen des Heiligen Vaters für bindend. Der Islam ist kein Teil Deutschlands, Israel ist der einzige Staat im nahen Osten, der wirklich Unterstützung verdient und statt zur Bibelarbeit mit Frau Käßmann gehe ich lieber auf einen Schießstand, denn angesichts der üblichen Erfahrungen mit der conditio humana halte ich es zwar nicht für falsch, auch für die Taliban zu beten, aber nur mit durchgeladener Wumme. Mit Davilá: Wer sich respektiert, kann nur in den Zwischenräumen der Gesellschaft leben. Schönes Wochenende!

Donnerstag, 2. Juni 2011

Findling ... der einzige Teil der Welt, den ich wirklich ändern kann

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"Und eigentlich könnten wir auch gar nicht aus der Welt flüchten, 
weil wir uns selber überallhin mitnehmen, 
und auch wir sind ein Teil dieser Welt.
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Vor allem ist mein eigenes Ich der einzige Teil der Welt, 
den ich auf Dauer wirklich ändern kann. 
Das ist es, was wir wollen: uns verändern, umkehren".
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... gerade auf der Webwanderschaft hier gefunden.

Jungs, Mädels, jetzt seid ihr dran ...

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Christi Himmelfahrt
Emmendingen, Stadtkirche St. Bonifazius
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"Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da rum und glotzt in den Himmel ...?" Die "Männer im weißen Gewande", die sich bei der Himmelfahrt des Herrn unter die Zuschauer mischen, holen die Apostel etwas unsanft in die Realität zurück: "Dieser Jesus, der von euch hinweg in den Himmel aufgenommen wurde, der wird so wiederkommen, wie ihr ihn zum Himmel habt auffahren sehen". Was? Wie? Wann? Wo? Keine Antwort. Einen Auftrag aber gab ihnen der Herr noch kurz zuvor: "Ihr sollt meine Zeugen sein ... bis an die Grenzen der Erde!" Oder mit den Worten des Predigers heute in der Messe: "Jungs, Mädels, jetzt seid ihr dran".