Mittwoch, 10. März 2010

Lektüretipp für Heini Geißler

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Florian hat jüngst Heiner Geißler bei Sandra Maischberger und dabei eine mutmaßlich etwas zwiespältige Haltung des heute leicht welken Ex-CDU-Generalsekretärs zum Apostel Paulus entdeckt: Jesus sei ein Freund der Frauen gewesen und "Paulus schon nicht mehr".

Mensch Heini, oller Herz-Jesu-Marxist, erstmal nachträglich meinerseits alles Gute zum, äh, wievielten Geburtstag noch? Wenn diverse Politzombies solche Wiedergänger-Feten feiern können, dann ist das für mich auch ein Hinweis darauf, daß es so etwas wie die Auferstehung von den Toten eben doch geben könnte ...

Apropos Wiedergänger: Kennste noch den Alfred? Den von Rosenbergs? War auch so ein Vordenker, so wie Du damals in der CDU, nur war die Denke bei Rosenberg nicht schwarz, sondern braun. Na ja, Deine CDU-Vordenke war ja eigentlich eher so etwas rot. Aber irgendwie Gemeinsames gibts zwischen auch beiden Politsauriern schon. Ich geb' Dir da gerne mal 'nen Lektüretipp:


Also das ist das Buch vom Alfred, das von den römischen Dunkelmännern seinerzeit stracks auf den Index gesetzt wurde. Da wird der Alfred Rosenberg so einem Linkskathoholiker wie Dir doch sicher gleich sympathisch, oder? Diese römische Gedankenpolizei, nee, die ist überhaupt nicht Dein Ding, da bin ich mir ziemlich sicher.

Und stell Dir vor: Das braune Regime, für dessen Weltanschauungstamtam der Alfred quasi amtlich zuständig war, will weiland auch schon unzählige Mißbrauchsskandale in der katholischen Kirche aufgedeckt und angeklagt haben. Liegt doch voll auf Deiner Linie ... also vielleicht weniger das Aufdecken, da hängste Dich eher an die Veröffentlichte Meinung (früher nannte man sowas cum grano salis auch mal "Gleichschaltung"), aber das Aufbausch ... sorry: Anklagen.

Aber die Sache kommt noch besser: Der Rosenberg mochte den Paulus auch nicht besonders. Denn der Jesus, ich kann das jetzt nur mal grob durchbürsten, war für Rosenberg sowas wie 'ne besonders heroische Gestalt, der irgendwie was ur-germanisches an sich hatte und zum Glück aus Nazareth kam, weswegen er wahrscheinlich eben doch kein Jude gewesen sein soll. Doch dann muß der Alfred leider feststellen:

"Die große Persönlichkeit Jesu Christi, wie immer sie auch gestaltet gewesen sein mag, wurde gleich nach ihrem Hinscheiden mit allem Wust des vorderasiatischen, des jüdischen und des afrikanischen Lebens überladen und verschmolzen" (Mythus 1.1.3). Und wer war da an vorderster Front bei? Paulus! Denn:

"Die christliche, die alten Lebensformen aufwühlende Strömung erschien dem Pharisäer Saulus vielversprechend und ausnutzbar. Er schloß sich ihr mit plötzlichem Entschluß an und, ausgerüstet mit einem unzähmbaren Fanatismus, predigte er die internationale Weltrevolution gegen das römische Kaiserreich. Seine Lehren bilden bis auf heute trotz aller Rettungsversuche, den jüdischen geistigen Grundstock, gleichsam die talmudistisch-orientalische Seite der römischen, aber auch der lutherischen Kirche" (Mythus ebenda).

Na, Heiner, jetzt weißte ja, warum die Kirche so "frauenfeindlich" ist, oder? Der Paulus ist dran schuld, das haste natürlich glasklar erkannt, und der Alfred sagt Dir jetzt auch, warum: Weil Paulus "gleichsam die talmudistisch-orientalische Seite" in die Sache Jesu reingepfropft hat. Kennste ja, was von den Frauenrechten nach Jesus, der auch Ehebrecherinnen und Sünderinnen zur Umkehr berufen hatte, noch so übrig blieb: Die dürfen in der Synagoge wieder nur auf der Empore hocken und unten bleiben die Männer unter sich und der Gottesdienst fällt aus, wenn nicht genug Männer beieinander sind, selbst wenn weibliche Hundertschaften vor Ort wären ... und so weiter, übel, übel.

Also ich denke, daß das mal ne ganz spannende Begegnung werden könnte, also vielleicht mit Gemeinsamkeiten und dem Weiterspinnen diverser Gedankengänge oder so, wenn Du irgendwann im Jenseits mal den Alfred triffst, wo auch immer ...

Hier schon mal ein paar weitere Gesprächsanregungen aus Alfreds Buch ... zum Beispiel was geradezu Feingeistiges wie das "aristokratischen Geist atmende Johannesevangelium", oder die Betonung des Lebens Christi anstelle dessen Todes (dieser Gedanke steckt übrigens hinter dem Schlagwort vom "positiven Christentum" aus dem braunen Parteiprogramm). Romkritische bis antirömische Altkleidersäcke können sich mit Rosenberg aber auch intensiv über eine "germanische Nationalkirche" unterhalten, in der das Kreuz mit dem ganzen Sühnetodgedöns zugunsten einer Art heroischer Selbsterlösungstheologie abgeschafft wird. Heiner, jetzt streichste einfach mal das "heroisch" dabei raus, und zack ist der Rosenberg garnicht mal so unaktuell ... da haste irgendwie eben doch einen interessanten Bruder im Geiste, oder?

1 Kommentar:

Deus semper major hat gesagt…

Ja, an beidem ist Fäulnis und Moder. Das hast Du messerscharf analysiert.