Samstag, 30. Oktober 2010

Christkönig 2010

  
Christkönig
Wallfahrtskirche Melchtal / Schweiz

"Schwer irren" würde sich derjenige, so schrieb 1925 Papst Pius XI. in der Enzyklika Quas Primas zur Einsetzung des Christkönigsfestes, 
"der Christus als Mensch die Macht über alle zeitlichen Dinge absprechen wollte. Denn er hat vom Vater ein so unumschränktes Recht über alle Geschöpfe bekommen, daß alles seinem Willen unterstellt ist. Doch hat er sich während seines Erdenlebens der Ausübung dieser irdischen Herrschergewalt völlig enthalten. Er selbst hat Besitz und Erwerb menschlicher Dinge verachtet, und beließ sie und beläßt sie noch heute ihren Besitzern. (...) So umfaßt also das Reich unseres Erlösers alle Menschen, wie dies folgende Worte Unseres Vorgängers Leo XIII., unsterblichen Andenkens, ausdrücken und die Wir gerne zu Unsern eigenen machen: «Seine Herrschaft erstreckt sich nicht nur auf die katholischen Völker, auch nicht nur auf jene, die durch die Taufe von Rechts wegen der Kirche angehören, mögen auch irrige Anschauungen sie fernhalten oder Uneinigkeit sie von der Liebesgemeinschaft scheiden, sondern sie umfaßt auch jene, die den christlichen Glauben nicht besitzen; somit untersteht im vollsten Sinne die ganze Menschheit der Herrschaft Jesu Christi». Auch ist in dieser Hinsicht kein Unterschied zu machen zwischen Einzelmenschen und häuslichen oder bürgerlichen Gemeinschaften, denn die in Gemeinschaften vereinigten Menschen stehen nicht minder unter der Herrschermacht Christi als die Einzelmenschen. Es gibt ja nur eine Quelle des Heiles, des persönlichen wie des gemeinschaftlichen: Es ist in keinem andern Heil; und kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, durch den wir selig werden sollten. Ein und derselbe ist Urheber des Gedeihens und wahren Glückes für die einzelnen Bürger wie für die Staaten: «Das Glück des Staates fließt nicht aus einer andern Quelle als das des Einzelmenschen, denn der Staat ist nichts anderes als eine Vielheit von Menschen, die in Eintracht zusammenlebt». Wenn daher die Staatenlenker Unversehrtheit ihrer Autorität sowie Gedeihen und Fortschritt des Vaterlandes bezwecken, so dürfen sie sich nicht weigern, in ihrem persönlichen Namen und mit ihrem ganzen Volke der Herrschermacht Christi ihre Verehrung und Ergebenheit öffentlich zu bezeugen" (Quas primas 18 - 20).
Die Liturgiereform und die Aggiornamento-Ideologie haben von diesen Prinzipien seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht viel übrig gelassen. Das Fest selbst ist an das Ende des Kirchenjahres gerutscht und beschäftigt sich in erster Linie mit der die Wiederkunft des Herrn. Der Gedanke des sozialen Königtums Christi im Hier und Jetzt bleibt außen vor. Die vom Heiligen Vater beklagte "Diktatur des Relativismus" ist auch eine Folge kirchlichen Versagens und damit bis zu einem gewissen Grad hausgemacht. Zumindest der westlichen Welt wird das Gesetz Christi kaum noch kraftvoll verkündet, sondern bestenfalls kleinlaut in "den Dialog" geworfen, zumindest in den Ortskirchen. Derweil verabschieden sich die Völker in einigen nicht unwesentlichen Punkten Schritt für Schritt von einer katholischen Gesellschaftsordnung: Die Pille ist Allgemeingut, Abtreibungen faktisch straffrei, das Naturrecht wird auf den Kopf gestellt, befruchtete Eizellen eingefroren ... als nächstes werden wir und wahrscheinlich an PID und Euthanasie gewöhnen (müssen). 

Wie lange wollen wir uns noch mit den aktuell "herrschenden" Zuständen arrangieren? Und wer herrscht da eigentlich?

1 Kommentar:

Arminius hat gesagt…

Und wer herrscht da eigentlich?
Hier in Deutschland ist es der Demokratische Block der Parteien und Massenmedien in der BRD. In den anderen westeuropäischen Ländern werden es vergleichbare, dem Zeitgeist unterworfene Cliquen sein.

Die interessantere Frage ist jedoch die Frage, wer den Zeitgeist kontrolliert. Ist der Zeitgeist nur ein Zufallsprodukt, die beobachtbare Größe eines chaotischen Systems?
Oder ist er steuerbar? Wenn letzteres zutrifft, wer steuert ihn?
Wahrscheinlich ist der Zeitgeist aber nur eine Nebenwirkung der Ablösung des Christentums durch eine Ideologie der Gier nach Lust und materiellem Wohlstand.

Eins steht jedenfalls fest. Mit christlichen Grundsätzen ist der aktuelle Zeitgeist nicht vereinbar. Kaum eine Totsünde kommt in ihm nicht zur Ehre, wird von ihm nicht hofiert. Für uns Christen ergibt sich daraus nicht mehr und nicht weniger als die Pflicht zur fundamentalen Opposition gegen diesen Zeitgeist und der politischen Kräfte, die sich ihm verschrieben haben. Jede Annäherung an ihn ist ein Verrat an den Grundsätzen unsere Glaubens. Das müssen wir uns täglich bewußt machen und danach handeln.