Mittwoch, 23. September 2009

Die heilige Banalität

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Ist Enthusiasmus bei der Feier der heiligen Liturgie angebracht oder fehl am Platz? Die Frage scheint bereits daran zu scheitern, daß man nicht recht abschätzen kann, wie enthusiastisch Enthusiasmus eigentlich sein darf, ehe er ins Unerträgliche umschlägt. Herrscht in der Liturgie reine Geschäftigkeit vor, so artet selbige unter Umständen in die unfreiwillige Demonstration von Desinteresse aus. Das scheint mir dann das liturgische Pendant zu aktuellen politischen Umtrieben zu sein, die dieser Song auf's Korn nimmt: "Und alle so: Yeah!".
Wenn Priester andererseits den heiligen Schauer zelebrieren, dann kann auch das schnell fragwürdig werden. Mir kommt hier ein Pater in den Sinn, der im außerordentlichen römischen Ritus vor und nach der Elevation des Leibes und Blutes Christi Kniebeugen machte, die anderswo bereits als eucharistische Anbetung durchgehen würden: gefühlte fünf Minuten Minimum, jeweils pro Kniebeuge. Auch das dürfte kaum dem Geist der Liturgie entsprechen.

Zur Frühmesse mußte ich heute unvermutet in das Münster von Zollitsch City ausweichen, nachdem ich an "meiner" Kirche nur an der Tür rütteln konnte (das kommt davon, wenn man zwei Tage am Stück schwänzt). Irgendwann während der Fürbitten sprach der Zelebrant im Münster von irgendeiner "unfaßbaren" Eigenschaft Gottes, und dies mit jener Art beiläufiger Geschäftigkeit, die mich stark an Desinteresse erinnerte. Überhaupt schien mit die ganze Feier von dieser Geschäftigkeit geprägt. Was soll man dazu sagen? Und alle so: Yeah ...?

Immerhin: Der Zelebrant hat sich ziemlich genau an den Ritus gehalten, wenngleich es mir immer seltsam vorkommt, wie rasch sich bei der Gabenbereitung Hostienschale und Kelch in die Höhe halten lassen. Als ich noch Ministrant war, haben mich solche Priester gestreßt, weil sie schon wieder zur Kredenz äugten, während ich noch versuchte, zwei Kännchen und ein Handtuch würdevoll zur Handwaschung zu bereiten und herbeizutragen. Doch zurück ins Münster: Auch die ellenlange Einführung in die heilige Messe sehe ich dem Zelebranten nach, denn immerhin weiß ich jetzt, daß es irgendwo auf der Welt ein medizinisch sehr gut ausgestattetes Krankenhaus mehr gibt, hätte es Padre Pio nicht gegeben. Aber wie gesagt: Der Zelebrant hat eigentlich nichts "falsch" gemacht: keine Brotwürfel konsekriert, keine Texte massakriert und sich keine Pappnase aufgesetzt.

Aber diese heilige Messe offenbarte gnadenlos jene Banalität, die den ordentlichen Ritus selbst dann auszeichnen kann, wenn er halbwegs ordentlich gefeiert wird. Außerdem fand ich diese Meßfeier passend zum gegenwärtigen Erscheinungsbild der Kirche. Um mit letzterem Punkt anzufangen zwei Beispiele:

- Mit von der Partie waren drei Konzelebranten, so daß ein Quartett den Altar umstand: Drei Priester waren bereits älteren Datums, einer war jünger. Und kam aus Polen.
- Bei den Fürbitten wurde besonders "für die Kapuziner in unserer Erzdiözese" gebetet - "vor allem für jene, die hier noch wirken, also die in Zell am Hamersbach". In Stühlingen sollte es eigentlich auch welche geben, aber die sind dem Zelebranten entweder entfallen oder schon in der Versenkung verschwunden.

Und das Banale? Ergab sich aus dieser Geschäftigkeit, dieser Business-as-usual-Haltung im Vollzug. Zweites Hochgebet mit Gruppenkonsekration und späterer Textverwaltung bei verteilten Rollen, wobei das Altarmikrophon nicht jede Stimme einfangen wollte. In all dem noch das mysterium fidei zu erblicken, bedurfte schon einer gewissen intellektuellen Anstrengung.

Natürlich kann man die "neue" Messe auch so feiern, daß das Heilige in dieser Welt nicht nur für die Seele, sondern für den Menschen in seiner leibseelischen Gesamtheit erfahrbar wird - nur rüttelte ich dafür heute an einer verschlossenen Tür ... nicht von ungefähr ist es die aufmerksame Objektivität, nach der mancher Zelebrant strebt, die im Verbund mit der Zelebration versus deum auch dem "erneuerten" Ritus auf die Füße helfen kann: Auch für die Liturgie gibt es einen Takt und ein Taktgefühl. Priester, die dies - so scheint mir zumindest - wirklich verinnerlicht haben, müssen keineswegs ein enthusiastisches Bohei veranstalten.

Insgesamt aber denke ich, daß die "alte" Messe grundsätzlich resistenter gegenüber "zelebrierter" Unzulänglichkeit ist. Sie mag schlampig oder schlecht, unaufmerksam oder übereilt gefeiert werden - dennoch schützt sie das Mysterium vor dem Anschein einer geschäftsmäßigen Verwaltung, weil ihre alten Formen, Gesten, Worte und Riten uns ebenso fern und alltagsfremd sind wie das letzte Verstehen dessen, was sich hinter ihnen ver- und entbirgt.

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Als ich noch Ministrant war, haben mich solche Priester gestreßt, weil sie schon wieder zur Kredenz äugten, während ich noch versuchte, zwei Kännchen und ein Handtuch würdevoll zur Handwaschung zu bereiten und herbeizutragen.

Ja, so ist es. Am besten ungerührt äugen lassen. Eigentlich sollte er auf den Herrn blicken.

Die hiesige Variante ist derjenige, der mich auf der einen Seite des Altares den Kelch wegtragen sieht und, während er noch auf dem Weg zum Priestersitz ist, die Worte "Lasset uns beten!" ausspricht. Grmbl.

Vox Coelestis ...................... hat gesagt…

Wobei ein kleiner Fehler drin ist: Gemeint sind natürlich das Wasserkännchen, das "Tablett" und das Handtuch ...

pifan hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
pifan hat gesagt…

tschulligung, das mit padre pio versteh ich nich.

pifan hat gesagt…

ah, nach lektüre von notizen eines erzkonservativen check ichs. thx.