Mittwoch, 12. August 2009

Lectiones liturgicae: Das Mysterium als Tat

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"Christentum ist nicht "Religion" oder "Konfession" im neueren Sinne, d. h. ein System von mehr oder weniger dogmatisch festgelegten Wahrheiten, die man annimmt oder bekennt, und von moralischen Geboten, die man einhält oder wenigstens anerkennt. Gewiß gehört zum Christentum beides, sowohl ein Wahrheitsgebäude wie ein Sittengesetz. Aber beides erschöpft nicht das Wesen des Christentums. (...)

Der heilige Paulus faßt das Christentum, das "Evangelium", als ein "Mysterium", aber nicht etwa bloß im Sinne einer verborgenen, geheimnisvollen Lehre vom Göttlichen - ein Sinn, den das Wort in der spätantiken Philsophie angenommen hatte. "Mysterium" ist für ihn vielmehr zunächst eine Gottestat, die Ausführung eines ewigen Gottesplanes in einer Handlung, die aus der Ewigkeit Gottes hervorgeht, sich in der Zeit und Welt auswirkt und ihr Ziel wieder im ewigen Gott selbst hat. Dieses Mysterium kann mit einem Worte "Christus" ausgedrückt werden, wobei "Christus" den Heiland als Person zusammen mit seinem mystischen Leib, der Kirche, bedeutet".

Odo Casel OSB: Die Stellung des Kultmysteriums im Christentum (Auszug) in: Casel OSB: Das christliche Kultmysterium. Regensburg 1935, p. 21 sq.

Es ist übrigens interessant, dazu das dritte Kapitel aus dem Jesus-Buch Benedikts XVI. (Das Evangelium vom Reich Gottes) quasi quer zu lesen ...

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